Nationale Kathedrale in Bukarest wird am Sonntag geweiht

Größte orthodoxe Kirche der Welt nach der Hagia Sophia in Konstantinopel – Ökumenischer Patriarch Bartholomaios I. kommt in die rumänische Hauptstadt

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Foto: © MIHAIL (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International)

Bukarest, 22.11.18 (poi) Die Nationale Kathedrale in Bukarest – vermutlich die größte orthodoxe Kirche der Welt nach der heute nicht mehr im liturgischen Gebrauch stehenden Hagia Sophia in Konstantinopel – wird am Sonntag, 25. November, geweiht. Zur Weihe wird der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. erwartet, der am Freitag, 23. November, mit seiner Delegation vom rumänischen Patriarchen Daniel um 12:45 Uhr an der alten Patriarchalkathedrale empfangen wird. Zugleich trifft auch eine Delegation der orthodoxen Kirche von Griechenland unter Führung des Metropoliten Chrysostomos (Sklyphas) ein, die eine Hand-Reliquie des Heiligen Andreas mitbringt (er wurde in Patras gekreuzigt und ist der Patron Rumäniens). Die Weihe der neuen Kathedrale erfolgt in zeitlicher Nähe zum 1. Dezember, dem rumänischen Nationalfeiertag, an dem der „Großen Union“ gedacht wird, die vor genau 100 Jahren durch die „Resolution von Alba Julia“ zustande kam. Die Kathedrale gilt auch als ein Mahnmal für all jene, die ihr Leben für „Freiheit, Einheit und Würde des rumänischen Volkes“ gegeben haben.

Das Reliquiar mit der Hand des Heiligen Andreas wird zunächst in die alte Patriarchalkathedrale St. Konstantin und Helena gebracht, am Samstagnachmittag erfolgt dann die Übertragung in die Vorhalle der Nationalen Kathedrale (zusammen mit einem Reliquiar der Großmärtyrerin Katherina). Um 17 Uhr wird Patriarch Daniel einen Gedenkgottesdienst für die „Helden Rumäniens“ zelebrieren. Am Sonntag wird um 9 Uhr der Altar der Nationalen Kathedrale konsekriert, um 10:30 Uhr beginnt die Göttliche Liturgie, die auch auf Großbildschirme auf dem weiten Kathedralenplatz übertragen wird. Am Sonntagabend findet ab 18:30 Uhr ein Festkonzert mit dem byzantinischen Chor „Tronos“, dem Orchester der rumänischen Armee und dem Volksorchester der moldawischen Hauptstadt Chisinau statt.

Das Zahlenwerk der Nationalen Kathedrale ist eindrucksvoll. Sie ist 120 Meter lang, sie bietet 5.000 Gläubigen Platz, die Raumfläche beträgt 7.200 Quadratmeter, es gibt 600 Fenster. König Ferdinand I. und der damalige Patriarch Miron Cristea hatten bereits 1920 von einer Nationalen Kathedrale geträumt, um die „Große Union“ zu feiern, in deren Rahmen österreichische, ungarische, russische und bulgarische Gebiete mit dem ursprünglichen Königreich Rumänien („Regat“) vereinigt wurden. Die folgenden politischen Entwicklungen verhinderten eine Verwirklichung der Pläne. Erst nach dem Ende des Kommunismus konnte der damalige rumänisch-orthodoxe Patriarch Teoctist 2005 an die Verwirklichung des Traums von König Ferdinand und Patriarch Miron gehen. Im selben Jahr genehmigte das Parlament die Zuerkennung des ausgedehnten Baugeländes an die orthodoxe Kirche, 2011 begannen die Bauarbeiten. Der Bau der Kathedrale ist in Rumänien nicht unumstritten, obwohl sich bei einer Meinungsumfrage im Frühjahr 61 Prozent der Befragten für die Errichtung des imposanten Gotteshauses aussprachen.

Im Bau der Kathedrale kommt auch die starke Verbindung der Realisierung Großrumäniens im Jahr 1918 mit der Kirche zum Ausdruck. Bereits die Proklamation der Vereinigung der Bukowina mit dem Königreich Rumänien erfolgte am 28. November 1918 im Synodalsaal der Residenz des Metropoliten von Cernauti (Czernowitz), der in der österreichisch-ungarischen Doppelmonarchie für alle orthodoxen Christen in der cisleithanischen Reichshälfte zuständig gewesen war. Wenige Tage später erfolgte am 1. Dezember 1918 die „Resolution von Alba Julia“. Bei der Nationalen Versammlung in Alba Julia votierten tausende Rumänen aus Siebenbürgern und dem Banat für die Vereinigung mit dem Königreich Rumänien. Am 3. Dezember überbrachte eine Delegation, der neben Politikern auch der orthodoxe Erzbischof Miron Cristea und der unierte griechisch-katholische Bischof Iuliu Hossu angehörten, die „Resolution von Alba Julia“ an König Ferdinand. Durch ein königliches Dekret wurde am 25. Dezember 1918 der Staat Großrumänien (Romania mare) proklamiert.

Die Nationale Kathedrale ist noch nicht zur Gänze fertig gestellt. Am 13. November wurde eine der schwierigsten Bauphasen bewältigt: Die Installation der Glocken. Die größte dieser Glocken wiegt 25 Tonnen und wurde von „Grassmayr“ in Innsbruck gegossen. Sie wird das erste Mal am Samstag beim Gottesdienst zu Ehren der „Helden Rumäniens“ erklingen.