Negative islamische Reaktion auf Erdogans Hagia Sophia-Pläne

Ägyptisches Dar-al-Fetwa bezeichnet die osmanische Eroberung von Konstantinopel als „Besatzung“

0
462
Foto: © Dean Strelau (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution 2.0 Generic)

Kairo-Konstantinopel, 12.06.20 (poi) Die neue Diskussion um die vom türkischen Präsident Recep T. Erdogan angestrebte Umwandlung des Hagia Sophia-Museums in ein islamisches Gotteshaus löst weiterhin negative Reaktionen aus. Das ägyptische islamisch-sunnitische Ordinariat (Dar-al-Fetwa) bezeichnete die osmanische Eroberung von Konstantinopel als „Besatzung“ und die Umwandlung der Kathedrale in eine Moschee als unglückliche Entscheidung. Die Entscheidung des Dar-al-Fetwa erfolgte unter dem Vorsitz des ägyptischen Großmufti. Politische Beobachter sehen einen Zusammenhang mit dem „geopolitischen Tauziehen“ zwischen Kairo und Ankara wegen der Situation im vom Bürgerkrieg zerrissenen Libyen.

Auch in der türkischen Presse gibt es negative Kommentare im Hinblick auf eine „Re-Islamisierung“ der Hagia Sophia. So schrieb Orhan Bursal, Kolumnist der Zeitung “Cumhuriyet”, die Hagia Sophia-Frage werde vom Establishment um Präsident Erdogan für Wahlzwecke instrumentalisiert, um „mögliche Feinde“ zu identifizieren und so das Unbehagen der türkischen Öffentlichkeit im Hinblick auf die coronabedingte Wirtschaftskrise auf ein anderes Ziel abzulenken.