Neue Hagia Sophia an der Einfahrt von Athen?

Vorschlag des Metropoliten von Mesogaia – Stellungnahme des Metropoliten von Navpaktos: Umwandlung der Hagia Sophia in eine Moschee ist eine „religiöse Vergewaltigung“ - Wie bringt die türkische Religionsbehörde den Namen der Hagia Sophia mit ihrer Theologie unter einen Hut, die die Gottheit Christi ablehnt?

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Foto: © A.Savin (Wikimedia Commons · WikiPhotoSpace) (Quelle: Wikimedia; Lizenz: e Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported, 2.5 Generic, 2.0 Generic and 1.0 Generic license)

Athen, 25.07.20 (poi)  Im Hinblick auf die „Entweihung“ der Hagia Sophia durch den islamischen Freitagsgottesdienst am 24. Juli hat der orthodoxe Metropolit von Mesogaia (Griechenland), Nikolaos (Hadzinikolaou), vorgeschlagen, in Athen – in unmittelbarer Nähe zum Venizelos-Flughafen – eine neue Hagia Sophia zu erbauen. Wörtlich stellte der Metropolit fest: „Vielleicht ist jetzt der richtige Zeitpunkt – als Antwort auf die türkische Provokation und Beleidigung der Umwandlung der historischen christlichen Hagia Sophia-Kathedrale in eine Moschee – ein neues eindrucksvolles Gotteshaus der ‚Weisheit Gottes‘ zu errichten“. Dies würde die Erfüllung eines uralten Gelübdes der „heroischen Vorfahren“ bedeuten. Die Initiative sollte vom Heiligen Synod der Kirche von Griechenland ausgehen und vom griechischen Staat und der ganzen Bevölkerung unterstützt werden.

Die neue Hagia Sophia sollte nach Ansicht des Metropoliten am „Eingang Griechenlands“ beim Venizelos-Flughafen genau auf jenem Chousmouza Paiania-Hügel errichtet werden, wo vor 20 Jahren eine Moschee errichtet werden sollte, die aber nie zustande kam.

Überaus scharf nahm der Metropolit von Navpaktos (Lepanto), Hierotheos (Vlachos), zu den Vorgängen in Konstantinopel Stellung. Er äußerte die Vermutung, dass die türkische Führung „ohne Unterstützung durch einige bedeutende ausländische Staatsmänner“ den Griff nach der Hagia Sophia nicht gewagt hätte.  Die Umwandlung der Hagia Sophia in eine Moschee stelle jedenfalls eine „religiöse und kulturelle Vergewaltigung“ dar, „in einer Zeit, die durch die Respektierung der Religionsfreiheit charakterisiert ist“.

Unerklärlich sei, wie die türkische Religionsbehörde die jetzige offizielle Bezeichnung der Hagia Sophia als „Ayasofya-i-Kebir Cami-i-Serifi“ (Großmoschee Hagia Sophia) mit ihrer Theologie unter einen Hut bringen wolle.  Metropolit Hierotheos verwies auf einen Hagia Sophia-Text des großen russischen Theologen Georgij Florowskij (1893-1979). Der Theologe habe dargelegt, dass der biblische Begriff „Sophia“, Weisheit, auf Christus als das Wort Gottes bezogen ist. Im Grunde sei die erste Hagia Sophia des 4. Jahrhunderts nichts anderes als eine architektonische Übersetzung der feierlichen Proklamation des Ökumenischen Konzils des Jahres 381 gewesen, die als „Nicäno-konstantinopolitanisches Glaubensbekenntnis“ bis heute für alle christlichen Kirchen Gültigkeit hat. Dort heiße es über Christus u.a.: „Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott, gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater; durch ihn ist alles geschaffen“. Er stelle sich die Frage, wie ein Gotteshaus, das im Namen Christus als Gott bekennt, als Moschee dienen könne, wenn der Islam ausdrücklich die Gottheit Christi ablehne, was offensichtlich auf die von Mohammed übernommenen Elemente des Arianismus zurückzuführen sei. Metropolit Hierotheos erinnerte zugleich an die Dialoge des Heiligen Gregorios Palamas mit islamischen Theologen im 14. Jahrhundert. Dabei habe der Heilige deutlich gemacht, dass er die Ausbreitung des Islams auf „Krieg, Schwert, Gewalt und Lust“ zurückführe, was den Unterschied zwischen orthodoxem Christentum und Islam vor Augen führe.

Die Hagia Sophia sei ein Gotteshaus mit einer tiefen Theologie, in der durch mehr als 1.000 Jahre die Göttliche Liturgien zelebriert worden sei und nicht einfach ein „Monument mit einem großen kulturellen und universalen Erbe“, unterstrich der Metropolit von Navpaktos. Wenn der Existenzzweck eines Gotteshauses radikal verändert werde, dann handle es sich um eine religiöse Vergewaltigung. Die Hagia Sophia sei die „Große Kirche“ (megali ekklesia), nach der auch das Ökumenische Patriarchat den Titel der „Großen Kirche“ trage.  Abgesehen davon, dass sie Kriegsbeute war, habe die Hagia Sophia mit dem Islam oder der osmanischen Tradition nichts zu tun.

Der Metropolit stellte die Frage, was nach dem „dritten Fall“ der Hagia Sophia (nach der lateinischen Eroberung von 1204 und der osmanischen Eroberung von 1453) vom „rhomäischen“ (oströmischen) Standpunkt aus geschehen sollte: „Wir müssen uns über die theologischen und kirchlichen Grundlagen unseres Seins klar werden“. (ende)