Neuer Nuntius für Bagdad geweiht

Der Wunsch von Papst Franziskus nach einem Irak.-Besuch ist offensichtlich aufrecht – Chaldäisch-katholischer Patriarch Mar Louis Raphael Sako traf mit dem irakischen Ministerpräsidenten Mustafa al-Kadhimi zusammen – Regierungschef lädt vertriebene oder geflüchtete Christen zur Rückkehr ein

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Foto: © Aziz1005 (Quelle: Wikimedia, Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International)

Laibach-Bagdad, 18.08.20 (poi)  Der neue Apostolische Nuntius in Bagdad, Erzbischof Mitja Leskovar, wurde am 1. August in der slowenischen Hauptstadt Laibach (Ljubljana), zum Bischof geweiht. Hauptkonsekrator war der slowenische Kardinal Franc Rode.  In seiner Predigt erinnerte Kardinal Rode daran, dass der neue Nuntius das Oberhaupt der katholischen Kirche in einem Land zu vertreten habe, das  Papst Franziskus  besonders am Herzen liege und das er „heuer besuchen wollte“. Die Reisepläne des  Papstes waren zunächst durch die dramatische politische Protestbewegung und dann durch die Corona-Pandemie blockiert worden. Der derzeitige irakische Präsident Barham Salih – ein kurdischer Politiker – war zwei Mal von Papst Franziskus im Vatikan empfangen worden, am 24. November 2018 und am 25. Jänner 2020.  Bei den beiden Begegnungen ging es zentral um die Rolle der Christen in Mesopotamien, die auf eine 2.000-jährige Geschichte zurückblicken können. Der heutige Irak – damals überwiegend Teil des Persischen Reiches – war im ersten christlichen Jahrtausend der Brennpunkt der „ostsyrischen“ Christenheit mit dem Primatialsitz zunächst in der sassanidischen Hauptstadt Seleukia-Ctesiphon, dann in Bagdad. Von dort ging eine panasiatische Missionsbewegung aus, die bis Zentralasien, Indien, Indonesien, China und Japan reichte. Das Bewusstsein für die Bedeutung der „syrischen“ Tradition des Christentums – die besonders nahe am Urchristentum ist – steigt in den letzten Jahren sowohl im Orient als auch in der westlichen Christenheit.

Am 2. August traf der neue irakische Ministerpräsident Mustafa al-Kadhimi mit dem chaldäisch-katholischen Patriarchen, Kardinal Mar Louis Raphael Sako, und einer Gruppe von dessen Bischöfen zusammen. Dabei unterstrich al-Kadhimi, dass der Irak „eine Nation für alle“ sei und dass die Christen „die ursprünglichen Bewohner Mesopotamiens“ sind. Ausdrücklich rief er die vertriebenen oder geflüchteten Christen zur Rückkehr auf. Es gebe keine Unterschiede, da alle „ zum Aufbau der Zukunft des Irak“ berufen seien. Die Regierung nehme ihr Versprechen ernst, den rückkehrwilligen vertriebenen Christen bei der Lösung ihrer Probleme helfen zu wollen.  Al-Kadhimi betonte: „Wir erhoffen einen neuen Irak, der an den Frieden glaubt und die Gewalt zurückweist“.

Der chaldäische Kardinal-Patriarch betonte seinerseits, er setze auf die Haltung des Ministerpräsidenten im Hinblick auf die Erwartungen der Bevölkerung. Die chaldäische Kirche unterstütze al-Kazemi in seinen Bemühungen für Sicherheit und Stabilität im Irak. Die Christen des Landes fühlten sich bestärkt durch die Art und Weise, wie al-Kadhimi die Situation der Christen angehe.

Wie es alle orientalischen christlichen Patriarchen in den letzten Jahren tun, erneuerte auch Kardinal Mar Louis Raphael Sako im Gespräch mit al-Kadhimi den Wunsch nach Trennung von Religion und Staat und nach gleichen Rechten und Pflichten für alle Einwohner, unabhängig von konfessioneller oder ethnischer Zugehörigkeit.

„Wir haben dem Regierungschef und seinen Mitarbeitern gesagt, dass die Stimme der Demonstranten gehört werden muss“, berichtete Kurialbischof Basil Yaldo nach dem Gespräch mit al-Kadhimi im Hinblick auf die gegen „die politische Klasse“ gerichteten Proteste vor dem Amtsantritt des neuen Ministerpräsidenten. An den Protesten hatten auch der Kardinal-Patriarch und chaldäische Bischöfe teilgenommen.