Nordmazedonische Politiker beim Ökumenischen Patriarchen

Es ging um die Frage der Autokephalie für die nicht anerkannte „mazedonisch-orthodoxe Kirche“

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Foto: © Julian Nitzsche (Quelle: Wikimedia, Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International)

Konstantinopel, 15.01.20 (poi) Der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. hat laut „Romfea“ am Montag prominente nordmazedonische Politiker empfangen, um mit ihnen über die Frage der von der Weltorthodoxie nicht anerkannten „mazedonisch-orthodoxen Kirche“ zu sprechen, die sich 1967 mit tatkräftiger Unterstützung des tito-kommunistischen Regimes vom serbischen Patriarchat losgelöst hat. Die Gesprächspartner des Ökumenischen Patriarchen waren Ministerpräsident Oliver Spasovski, dessen Vorgänger Zoran Zajev sowie Assistenten der beiden nordmazedonischen Spitzenpolitiker. Mit Bartholomaios I. empfingen der orthodoxe Metropolit von Paris, Emmanuel (Adamakis), sowie die Metropoliten Maximos (Ugenopoulos) von Silivri (Selymbria) und Amphilochios (Stergios) von Edirne (Adrianopel) die Gäste aus Skopje.

Die Mehrheit der orthodoxen Gläubigen in Nordmazedonien gehört der „mazedonisch-orthodoxen Kirche“ an, das serbisch-orthodoxe Patriarchat hat aber seine Struktur in dem Staat mit der Erzeparchie von Ohrid wiederaufgebaut. Bei der Begegnung in Konstantinopel wurde nach Angaben von „Romfea“ vereinbart, dass das Ökumenische Patriarchat Repräsentanten des serbisch-orthodoxen Patriarchats und der „mazedonisch-orthodoxen Kirche“ zu „Konsultationen“ in den Phanar einladen wird, um eine „beidseitig akzeptable Lösung“ zu finden.

Die beiden nordmazedonischen Politiker betonten vor Journalisten ihren „Respekt“ und ihr „Vertrauen“ im Hinblick auf das Ökumenische Patriarchat nach der „warmherzigen und aufrichtigen“ Diskussion mit Bartholomaios I. und den konstantinopolitanischen Metropoliten. Der nordmazedonische Blog „Religija“ berichtete, seitens des Ökumenischen Patriarchats sei betont worden, man habe nach wie vor den Wunsch, die Frage der mazedonischen Autokephalie trotz des Widerstandes der serbischen und der russischen Kirche zu lösen. In dem Gespräch mit Bartholomaios I. sei auch die Forderung aus Skopje behandelt worden, dass die „mazedonisch-orthodoxe Kirche“ zu ihrem kanonischen Namen „Erzeparchie von Ohrid“ zurückkehren möge. Im September 2018 erklärte der Ökumenische Patriarch, dass er niemals eine Kirche anerkennen würde, die „mazedonisch“ in ihrer Bezeichnung trägt. Einen Monat später betonte Bartholomaios I., dass die Frage der „mazedonisch-orthodoxen Kirche“ in der Kompetenz des serbisch-orthodoxen Patriarchats liege.

Die „mazedonisch-orthodoxe Kirche“ wandte sich im November 2017 an das bulgarisch-orthodoxe Patriarchat mit der Bitte um Unterstützung bei den Bestrebungen zur kanonischen Anerkennung (von bulgarischer Seite waren die slawischen Mazedonier seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ethnisch und kirchlich stets als Bestandteil der bulgarischen Nation und Kirche in Anspruch genommen worden). Das bulgarisch-orthodoxe Patriarch äußerte sich positiv zu der Bitte aus Skopje, was in kirchlichen Kreisen Belgrads, Athens und Konstantinopels Befremden auslöste. Im Mai 2018 appellierte die „mazedonisch-orthodoxe Kirche“ an das Ökumenische Patriarchat, damit der kanonische Status der Kirche von Skopje geregelt werde. Aus dem Phanar kam die Antwort, man werde entsprechende Maßnahmen unter der Bedingung setzen, dass die historischen kanonischen Befugnisse und die Privilegien des Ökumenischen Patriarchats beachtet werden.

Beobachter in Skopje registrierten im Oktober des Vorjahrs mit Aufmerksamkeit, dass der US-amerikanische Außenminister Michael Pompeo bei seiner Europareise auch mit dem Oberhaupt der „mazedonisch-orthodoxen Kirche“, Erzbischof Stefan (Veljanovski), zusammentraf. Erzbischof Stefan erklärte danach, die USA seien bereit, die „mazedonisch-orthodoxe Kirche“ zu schützen. Auch auf diesem Hintergrund wurde die Begegnung des Ökumenischen Patriarchen mit den nordmazedonischen Politikern im kirchlichen Belgrad mit Sorge verfolgt: „Wir fühlen uns an die ersten Besuche des mittlerweile abgewählten ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko in Konstantinopel erinnert“.