„Nur die Nutzung als christliches Gotteshaus respektiert die wahre Berufung der Hagia Sophia“

Ökumenischer Patriarch Bartholomaios I. stellt in Brief an die „Archonten“ in den USA klar, dass das berühmte Gotteshaus architektonischer Ausdruck des christlichen Glaubens an den dreifaltigen Gott und an die Menschwerdung des Wortes Gottes ist - Kein wie auch immer gearteter Eingriff sei imstande, die vom Evangelium inspirierte Botschaft und Mission dieser Kirche „zu verdunkeln, zu verändern oder auszulöschen“

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Foto ©: Ökumenisches Patriarchat

Konstantinopel, 02.09.20 (poi) „Der einzige Gebrauch der Hagia Sophia, der ihre wahre Berufung respektiert und veranschaulicht, ist ihre Nutzung als christliches Gotteshaus“: Dies betont der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. in einem Brief an Anthony Limberakis, den „Archon Aktouarios“ der Kirche von Konstantinopel und Oberhaupt des „Order of St. Andrew“. Dieser hatte namens der im „Order of St. Andrew“ zusammengefassten „Archonten“ aus den USA die tiefe Trauer über die Rückumwandlung der Hagia Sophia in eine Moschee zum Ausdruck gebracht. Der Brief des Patriarchen an Limberakis wurde jetzt von „Orthodox Times“ im Wortlaut veröffentlicht.

Christliche Kirchenarchiktektur sei eine „unüberholbare theologische Sprache“, die durch architektonische Inspiration den Glauben der Kirche an den dreifaltigen Gott, an die erlösende Menschwerdung des Wortes Gottes und an die endzeitliche Erfüllung zum Ausdruck bringt, schreibt Bartholomaios I. Die Hagia Sophia stelle diese Wahrheit in einmaliger Weise dar. Kein wie auch immer gearteter Eingriff sei imstande, die vom Evangelium inspirierte Botschaft und Mission dieser Kirche „zu verdunkeln, zu verändern oder auszulöschen“. Mit Recht sei erklärt worden, dass diese Kirche den „architektonischen Ausdruck“ des beim Konzil von Chalcedon im Jahr 451 definierten Dogmas darstelle, wonach Jesus Christ wahrhaft Gott und wahrhaft Mensch ist und dass in seiner Person die menschliche und die göttliche Natur „unvermischt, unverändert, ungeteilt und ungetrennt“ sind (diese Definition gilt bis heute für die katholische, orthodoxe und evangelische Kirche).

Die Nutzung der „wunderbaren heiligen Struktur“ der Hagia Sophia als christliches Gotteshaus entspreche ihrem Wesen und ihrem „heilenden Zeugnis“, stellt der Ökumenische Patriarch fest. Wörtlich schreibt Bartholomaios I. als „Erzbischof von Konstantinopel, dem Neuen Rom“ weiter: „In diesem ganzheiligen Raum preisen alle Dinge Christus, das menschgewordene Wort Gottes…Diese Wahrheit, das Herzstück des christlichen Glaubens an den dreifaltigen Gott, wird vom Islam zurückgewiesen. 481 Jahre hindurch haben die Muslime, als die Hagia Sophia zur Moschee umgewandelt war, in einer christlichen Kirche gebetet, in einer christlichen Umgebung, auch wenn die Ikonographie verdeckt war“.

Die Kirche der Heiligen Weisheit Gottes gehöre als „architektonischer Ausdruck der Erlösung der Schöpfung in Christus“ der ganzen Menschheit, unterstreicht der Patriarch. Die Anerkennung als Stätte des Weltkulturerbes bringe diese Wahrheit indirekt zum Ausdruck, sie könne nicht nur mit der unvergleichlichen Großartigkeit der Architektur des Gotteshauses, seiner Ikonographie und reichen Ausschmückung in Zusammenhang gebracht werden.

Abschließend betont Bartholomaios I., dass der Geist der Hagia Sophia „allezeit im Leben und im täglichen Zeugnis des Ökumenischen Patriarchats“ präsent sei, in dessen „unerschütterlichem Glauben an die apostolische Tradition und der unermüdlichen Sorge für jede menschliche Person“.