Ökumenischer Patriarch Bartholomaios I. in Venedig

Begegnung mit dem katholischen Patriarchen Francesco Moraglia im Markusdom – Venedig als „Ort der Begegnung, des Zusammenlebens und des Dialogs“

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Foto: © Nino Barbieri (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 2.5 Generic)

Venedig, 18.11.18 (poi) Der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. ist am Freitag mit dem Patriarchen von Venedig, Francesco Moraglia, zusammengetroffen. Die beiden Patriarchen beteten im Markusdom gemeinsam angesichts der Reliquien des Heiligen Evangelisten Markus. Anschließend schritten sie zur Pala d’Oro, dem berühmten, aus Gold, Silber, Email und Edelsteinen gefertigten Retabel und zur Ikone der Madonna Nicopeia. Bartholomaios I. brachte seine Freude über seinen neuerlichen Venedig-Besuch zum Ausdruck und dankte für die freundliche Aufnahme in der Lagunenstadt. Patriarch Moraglia erinnerte daran, dass Venedig seit jeher ein „Ort der Begegnung, des Zusammenlebens und des Dialogs“ zwischen Personen und Gemeinschaften ist, die verschieden sind – auch in ihrem religiösen Bekenntnis -, „aber deswegen nicht einander fremd oder gar feindlich“.

In einer Zeit der verbreiteten Säkularisierung seien die christlichen Kirchen berufen, der Welt „ein glaubwürdiges und gläubiges Zeugnis der Wahrheit und der Gnade“ anzubieten. Wörtlich fügte der Patriarch von Venedig hinzu: „Der Glaube und das Leben in Christus drängen uns, darzulegen, wie die religiöse Dimension eine wahre Bereicherung für das Leben einer Gesellschaft und ständiger Antrieb auf der Suche nach Wegen der Einheit, des Friedens und der Versöhnung ist, auch angesichts von Verletzungen und Konflikten“. Im Hinblick auf das Engagement des Ökumenischen Patriarchen für die Schöpfung unterstrich Moraglia die für die Venezianer „angesichts der Schönheit und Verletzlichkeit ihrer Stadt“ immer wieder spürbare Notwendigkeit einer „globalen Vision des Menschen in seiner Beziehung zu Gott, zu den anderen und zur Natur“. Es gehe um die Bewahrung des „gemeinsamen Hauses“. „Im gemeinsamen Gebet bitten wir, das uns der tiefgehende Sinn für Gott erhalten bleibt“, sagte der Patriarch von Venedig und erinnerte daran, wie sehr das Stadtbild der „Serenissima“ mit seinen Kirchen und Palästen, seinen Straßen und Wasserwegen für die verändernde Kraft des Evangeliums Zeugnis ablege.

Anlass für den Venedig-Besuch des Ökumenischen Patriarchen war das Fest des Heiligen Gennadios von Konstantinopel am 17. November. Der orthodoxe Metropolit von Italien, Gennadios (Zervos), feiert an diesem Tag seinen Namenstag. Bartholomaios I. wollte den Metropoliten mit seinem Besuch besonders ehren. Höhepunkt des Patriarchenbesuchs war am 17. November die Feier der Göttlichen Liturgie in der orthodoxen Kathedrale San Giorgio dei Greci in Venedig.

 

Auf den Spuren der Märtyrer

Nach dem Besuch des Ökumenischen Patriarchen steht in Venedig ein kirchliches Fest mit starkem ostkirchlichen Bezug bevor: Es ist das Fest der Madonna della Salute, der die große Kuppelbasilika am Eingang des Canal Grande geweiht ist. Die Madonna della Salute ist die berühmte byzantinische Ikone der „Mesopanditissa“, sie wurde ursprünglich auf Kreta verehrt und zwar im Zeichen der Brüderlichkeit zwischen Griechen und Venezianern. Als die Osmanen die Insel eroberten, wurde die kostbare Ikone nach Venedig gebracht. Die Behörden von Venedig beschlossen zum Dank für die Überwindung der Pestepidemie in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts den Bau der Basilika am Canal Grande. Seither wird alljährlich das Fest der Madonna della Salute gefeiert.

Heuer steht das Fest im Zeichen der verfolgten Christen in aller Welt. Bereits am 20. November, dem Vorabend des Festes, führt Patriarch Moraglia eine große Jugendprozession unter dem Titel „Maria, starke Frau des Glaubens“ vom Markusplatz zur Basilika der Madonna della Salute. Dabei wird er – gemeinsam mit dem koptisch-katholischen Bischof von Minya, Boutros Fahim Awad Hanna – die Teilnehmenden einladen, darüber nachzudenken, was so viele junge Menschen in verschiedenen Teilen der Welt motiviert, ihre Zugehörigkeit zu Christus mit „dem einfachen und sicheren Glauben Mariens“ bis in die äußersten Konsequenzen zu leben. Zum Abschluss der Prozession werden die Basilika der Madonna della Salute und andere wichtige Gebäude der Lagunenstadt wie Ca‘ Pesaro, Ca‘ Rezzonico und die Rialto-Brücke in rotem Licht erstrahlen, um an das Blut der Märtyrer zu erinnern. Ähnliche Aktionen hatte die italienische Sektion des päpstlichen Hilfswerks „Kirche in Not“ in den letzten Jahren auch in anderen Städten durchgeführt.

Am 21. November, dem eigentlichen Festtag, feiert Patriarch Moraglia, dann den Festgottesdienst in der Basilika der Madonna della Salute.