Ökumenischer Patriarch Bartholomaios I. reist im Juli in die USA

Erzbischof Demetrios (Trakatellis) soll demnächst abgelöst werden – Probleme im bevölkerungs- und ressourcenreichsten Teil des Ökumenischen Patriarchats betreffen die Parallel-Jurisdiktionen und die finanzielle Gestion der “griechisch-orthodoxen Erzdiözese von Amerika”

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Foto: © Massimo Finizio (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution 3.0 Unported)

Konstantinopel-Washington, 24.02.19 (poi) Der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. wird im Juli die USA besuchen, berichten orthodoxe Websites. Der Patriarch entspricht damit einerseits einer Einladung des US-amerikanischen Außenministers Michael Pompeo zur Teilnahme an einer großen ökologischen Konferenz. Andererseits geht es auch um die Nachfolgeregelung an der Spitze der “griechisch-orthodoxen Erzdiözese von Amerika”, heute der bevölkerungs- und ressourcenreichste Teil des Ökumenischen Patriarchats. Der jetzige Erzbischof Demetrios (Trakatellis) ist 91 Jahre alt, er ist seit 20 Jahren “Erzbischof von Amerika”.

In der “Blogosphäre” wurde seit längerem über eine Ablösung von Erzbischof Demetrios spekuliert. Im November des Vorjahrs hatte die New Yorker griechische Zeitung “National Herald” berichtet, Bartholomaios I. habe den Erzbischof bereits zum dritten Mal zur Resignation aufgefordert. Der Patriarch habe schließlich eingewilligt, aber gebeten, seinen Rücktritt bis auf die Zeit nach Ostern verschieben zu können. Am 17. Februar sagte dann der Ökumenische Patriarch in Konstantinopel bei den üblichen Ankündigungen nach der Göttlichen Liturgie selbst, dass “demnächst” für die Erzdiözesen des Ökumenischen Patriarchats in Amerika, Australien und Großbritannien neue Oberhäupter bestimmt werden sollen. Diese Wahlen – die vom Heiligen Synod der Kirche von Konstantinopel vorgenommen werden – seien Teil der “heiligen Verantwortung der Mutterkirche”. Die Ankündigung wurde auch auf dem “Facebook”-Account des Ökumenischen Patriarchats publiziert.

In der „griechisch-orthodoxen Erzdiözese von Amerika“ haben sich in den letzten Jahren zwei Probleme herauskristallisiert. Einerseits geht es um das in den USA besonders heikle und vielfältige Problem der Parallel-Jurisdiktionen. In den Gebieten mit stärkerer orthodoxer Präsenz – in den Neuengland-Staaten, im Mittleren Westen und in Kalifornien – gibt es in vielen Städten bis zu zehn Bischöfe unterschiedlicher Jurisdiktionen, was zu Spannungen führen kann, obwohl es eine gemeinsame Bischofskonferenz der kanonischen Hierarchen gibt. Andererseits kommt es immer wieder zu – auch öffentlich geführten – Auseinandersetzungen um die finanzielle Gestion der „Erzdiözese von Amerika“.

Eine besondere Rolle spielt in diesem Zusammenhang die Finanzierung der im Bau befindlichen neuen St. Nicholas Greek Orthodox Church im Bereich des World Trade Centers. Die alte St. Nicholas-Kirche wurde beim Terroranschlag auf das World Trade Center am 11. September 2001 zerstört. 2014 wurde der Grundstein für den Neubau gelegt, das neue St. Nicholas soll zugleich auch ein „National Shrine“ der orthodoxen Christen der USA und „eine Heimstätte und ein Ort der Begegnung“ für Menschen unterschiedlicher religiöser oder weltanschaulicher Herkunft sein. Die Pläne für den eindrucksvollen Neubau – die auch das traditionelle Motiv der orthodoxen Kuppelkirche zitieren –  stammen von dem Stararchitekten Santiago Calatrava. Erzbischof Demetrios hatte sich gewünscht, bis zur Weihe der neuen St. Nicholas-Kirche im Amt bleiben zu können.

Die alte St. Nicholas-Kirche war bei all ihrer Kleinheit eines der berührendsten Gotteshäuser New Yorks. Es handelte sich um ein typisches spätklassizistisches New Yorker „Townhouse“, erbaut 1832 und zunächst als Wohnhaus genutzt. Eine griechisch-orthodoxe Gemeinde in Manhattan erwarb das Haus 1916 und baute es zur Kirche mit einem kleinen Glockentum um. Die Ikonen und sakralen Geräte der kleinen Kirche stammten aus einer Schenkung des letzten russischen Zaren, Nikolaus II.