Ökumenischer Patriarch lädt Bischöfe der ukrainisch-orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats zum „Vereinigungskonzil“

Im Brief von Bartholomaios I. an Metropolit Onufrij wird dessen Rang als Metropolit von Kiew in Frage gestellt – Einladungsbriefe wurden an den Phanar zurück gesandt - Heiliger Synod der ukrainisch-orthodoxen Kirche stellt klar: „Niemand ist beauftragt, die ukrainisch-orthodoxe Kirche am 15. Dezember beim ‚Vereinigungskonzil‘ zu vertreten“

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Foto: © Vadim Chuprina (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International)

Konstantinopel-Kiew, 08.12.18(poi) Der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. hat an den Metropoliten von Kiew, Onufrij (Berezowskij), und an die anderen Bischöfe der ukrainisch-orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats Briefe geschrieben, in denen sie dringend zur Teilnahme am „Vereinigungskonzil“ am 15. Dezember in der Kiewer Hagi Sophia eingeladen werden. Die vom 1. Dezember datierten Briefe aus dem Phanar wurden an die Leiter der Provinzverwaltungsbehörden in der Ukraine versandt, von wo die Bischöfe sie abholen mussten, wobei sie „ermutigt“ wurden, am „Vereinigungskonzil“ teilzunehmen.

In den Briefen an dieukrainisch-orthodoxen Bischöfe wird hervorgehoben, dass jeder Bischof einen Priester sowie einen Mönch oder Laien zum Konzil mitnehmen könne, alle würden im Hinblick auf die Verabschiedung des Statuts der neuen ukrainischen Kircheunter dem Omophorion des Patriarchen von Konstantinopel sowie bei der Erstellung der „Terna“ (des Dreiervorschlags) für die Wahl des Primas der neuen Kirche Stimmrecht haben. Den Vorsitz beim Konzil werde der speziell für diesenZweck ernannte Exarch – der Pariser Metropolit Emmanuel (Adamakis) – führen. Im Hinblick auf den guten Ablauf des Konzils werde er von den beiden bereits nach Kiew entsandten Exarchen – Erzbischof Daniel (Zelinskyj) und Bischof Hilarion (Rudnyk) – unterstützt werden. Ehrenhalber werde auch der ukrainische Präsident Petro Poroschenko anwesend sein.

Als Beilage zu den Einladungsbriefen an die ukrainisch-orthodoxenBischöfe versandte der Phanar die Kopie eines Briefes von Bartholomaios I. an Metropolit Onufrij vom 12. Oktober. In diesem Brief wurde darauf hingewiesen, dass die Metropolie von Kiew „zu allen Zeiten“ zur Jurisdiktion der Mutterkirche von Konstantinopel gehört habe. Er habe die entsprechenden Entscheidungen des Heiligen Synods von Konstantinopel vom 11. Oktober durch seine nach Kiew entsandten Exarchen Metropolit Onufrij zur Kenntnis bringen wollen, doch habe sich dieser „leider geweigert“, mit den Exarchen Kontakt aufzunehmen, hieß es in dem Brief des Ökumenischen Patriarchen weiter. Nach der Wahl des Primas der neuen orthodoxen Kirche in der Ukraine werde Onufrij „in ekklesiologischer und kirchenrechtlicher Sicht“ nicht mehr den Titel eines „Metropoliten von Kiew“ beanspruchen können, den er jetzt „unter Verletzung der offiziellen Texte von 1686“ trage. Nur aus Gründen „der ‚Economia‘ und der Barmherzigkeit“ habe er Onufrij als ‚Eure Eminenz, Metropolit von Kiew“ angeschrieben, stellte der Patriarch fest. Onufrij könne aber am „Vereinigungskonzil“ teilnehmen und seine Kandidatur als Primas präsentieren.

Zugleich forderte Bartholomaios I. den Kiewer Metropoliten und seine Bischöfe auf, die Gemeinschaft mit dem „Kiewer Patriarchen“ Filaret (Denisenko) und Erzbischof Makarij (Maletytsch) und deren Episkopaten wiederaufzunehmen. Denn Konstantinopel habe auf Grund der Kanones 9 und 17 des Konzils von Chalcedon den Rekurs der beiden Bischöfe gegen ihre von Moskau verfügte Laisierung und Exkommunikation aufgehoben, wodurch sie wieder in ihre bischöfliche Würde eingesetzt wurden, „ohne aber ihre derzeitigen Titel anzuerkennen“. Bei der Rehabilitierung der beiden Bischöfe handle es sich selbstverständlich nicht um eine „Legalisierung des Schismas“, sondern um eine Möglichkeit, es zu heilen.

Abschließend hieß es in dem Brief von Patriarch Bartholomaios I., er vertraue darauf, dass Metropolit Onufrij die Entscheidung des Ökumenischen Patriarchats, das ukrainische Schisma durch die Schaffung einer neuen orthodoxen Kirche zu heilen, anerkennen werde. Der Patriarch forderte den Metropoliten auf, „im Geist der Eintracht und Einigkeit“ mit seinen Bischöfena m „Vereinigungskonzil“ teilzunehmen.

Nach Mitteilung der „Union orthodoxer Journalisten“ haben Metropolit Onufrij und die meisten anderen ukrainisch-orthodoxen Bischöfe die Briefe aus Konstantinopel ohne Antwort in den Phanar zurückgesandt.

Am 7. Dezember tagte der Heilige Synod der ukrainisch-orthodoxenKirche des Moskauer Patriarchats in Kiew. Hauptthemen waren die Ankündigung des „Vereinigungskonzils“ vom 15. Dezember durch Präsident Poroschenko und die Einladungsbriefe des Ökumenischen Patriarchen. Die Bischöfe beschlossen eine Resolution, in der es u.a. heißt, dass die Staatsmacht in der Ukraine trotz aller Appelle weiterhin grob in das kirchliche Leben eingreife. Der ukrainische Heilige Synod macht sich die Entschließung des Bischofsrates dieser Kirche vom 13. November zu eigen, in der festgehalten ist, dass die ukrainisch-orthodoxe Kirche die Entscheidungen Konstantinopels vom 11. Oktober – insbesondere die Ausdehnung der Jurisdiktion des Phanars auf die Ukraine und die Aufhebung der Laisierung und Exkommunikation von „Patriarch“ Filaret (Denisenko) und „Erzbischof“ Makarij (Maletytsch) – nicht anerkenne. Ausdrücklich wird festgehalten, dass der Patriarch von Konstantinopel keinerlei Recht habe, in der Ukraine kirchliche Versammlungen zu organisieren und die ukrainisch-orthodoxen Bischöfe dazu einzuladen. Das „Vereinigungskonzil“ am 15. Dezember sei als eine „illegale Versammlung“ anzusehen, weil daran auch die Schismatiker teilnehmen. Bischöfe, Kleriker, Mönche und Laien der ukrainisch-orthodoxen Kirche hätten keine Erlaubnis, an dieser Versammlung teilzunehmen. Niemand sei beauftragt, die ukrainisch-orthodoxe Kirche bei der Versammlung am 15. Dezember zu repräsentieren. Die ukrainisch-orthodoxe Kirche werde alle Entscheidungen des sogenannten „Vereinigungskonzils“ als ungültig betrachten, es komme ihnen keinerlei gesetzliche oder kanonische Bedeutung zu. Ein Konzil der ukrainisch-orthodoxen Kirche könne nur durch den Primas der Kirche, Metropolit Onufrij von Kiew und der ganzen Ukraine, einberufen werden. Derzeit gebe es keinerlei Entscheidung im Hinblick auf die Einberufung eines solchen Konzils. Am 6. Dezember war der Heilige Synod des bisher als schismatisch betrachteten „Patriarchats von Kiew“ zusammengekommen. Bei dieser Versammlung wurde deutliche Kritik an den Vorstellungen Konstantinopels geübt. U.a. wurde festgestellt, dass nur die Bischöfe beim „Vereinigungskonzil“ das Stimmrecht haben könnten, nicht aber Priester, Mönche und Nonnen sowie Laien. Im Präsidium des Konzils müsse „Patriarch“ Filaret Sitz und Stimme haben. Neuerlich wurde die Forderung erhoben, dass die neue orthodoxe Kirche in der Ukraine den Rang eines Patriarchats haben müsse, weil es sich um eine der größten orthodoxen Kirchen handle, deren Wurzeln im Hinblick auf die missionarische Tätigkeit des Heiligen Apostels Andreas, des Erstberufenen, im südlichen Bessarabien, am Dnjestr und auf der Krim in apostolische Zeit zurückreichen. Im Hinblick auf die aktuellen Umstände sei man aber bereit, den Anspruch auf Anerkennung der Patriarchatswürde „zeitweise“ zurückzustellen, ihn aber aufrechtzuerhalten und im internen Gebrauch weiterhin die Bezeichnung Patriarchat zu verwenden. Ausdrücklich unterstützte der Heilige Synod die Erklärung von „Patriarch“ Filaret vom 19. November, dass er seine Entscheidung, ob er die von seiner Kirche vorgeschlagene Kandidatur als Primas annehmen werde, erst beim „Vereinigungskonzil“ bekanntzugeben gedenkt.