„Ökumenismus heißt miteinander gehen, miteinander beten“

Papst Franziskus teilte bei der „fliegenden Pressekonferenz“ mit, dass er in der orthodoxen Kathedrale beim rumänischen Vaterunser auf italienisch mitgebetet habe – „Die Leute sind weiter als wir Oberhäupter“

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Foto: © Meister des Göttinger Barfüßeraltars; Foto: Jean Louis Mazieres (Quelle: Wikimedia; Lizenz: public domain/ United States public domain)

Vatikanstadt-Bukarest, 03.06.19 (poi) Ökumenische Haltung bedeutet nicht „Ende der Diskussion“, Ökumenismus heiße vielmehr, miteinander gehen, miteinander beten: Dies betonte Papst Franziskus auf dem Rückflug von seiner Rumänien-Visite bei der üblichen „fliegenden Pressekonferenz“. Er sei sich da mit dem rumänisch-orthodoxen Patriarchen Daniel, den er „wie einen Bruder“ empfunden habe, ganz einig. Der Papst lüftete auch das Geheimnis um das doppelte Vaterunser-Gebet in der neuen orthodoxen Kathedrale in Bukarest, das zuerst auf Latein von Papst Franziskus und dann auf Rumänisch von Patriarch Daniel rezitiert wurde. Das orthodoxe Patriarchat hatte zwei Tage vor dem Ereignis zur Beruhigung ökumeneskeptischer Kreise öffentlich festgestellt, dass es im Hinblick auf die Bestimmungen des orthodoxen Kirchenrechts keine „gemeinsamen liturgischen Akte“ in der Kathedrale geben werde. „Ich bin nicht still geblieben, ich habe das Vaterunser auf Italienisch gebetet“, berichtete der Papst bei der „fliegenden Pressekonferenz“. Er habe auch beobachtet, dass die Mehrheit der Anwesenden sowohl bei der lateinischen als auch der rumänischen Fassung des „Gebetes des Herrn“ mitgebetet habe. „Die Leute sind weiter als wir Oberhäupter“, sagte der Papst wörtlich: „Wir müssen diplomatische Feinheiten beachten, damit wir gemeinsam gehen können, es gibt Gewohnheiten, diplomatische Regeln, es ist gut, sie zu bewahren, aber das Volk betet gemeinsam“. Auch die Oberhäupter der Kirchen würden gemeinsam beten, wenn sie allein sind, er habe die Erfahrung des Gebets mit vielen evangelischen und auch orthodoxen Geistlichen. Es gebe überall „etwas integralistische Gruppen“, man müsse beten, dass der Heilige Geist sie etwas weicher mache.

Wie schon öfter, betonte Papst Franziskus auch bei der „fliegenden Pressekonferenz“, dass man nicht darauf warten dürfe, bis sich die Theologen über die gemeinsame Eucharistie einig seien. Diesem Ziel nähere man sich täglich mit dem Gebet, mit der Erinnerung an das Blut der Märtyrer, mit den Werken der Nächstenliebe „und auch damit, dass man einander gern hat“.

Im Flugzeug nahm der Papst auch zur Situation der Europäischen Union Stellung. Er betonte die „Verantwortlichkeit“ aller Mitgliedsstaaten. „Europa wird welken, wenn es sich nicht den künftigen Herausforderungen stellt“, meinte er und wiederholte die schon in Straßburg ausgesprochene Warnung vor der Gefahr, dass Europa aus einer „Mutter“ zu einer „Großmutter“ wird, weil es alt geworden ist und die Illusion der Zusammenarbeit verloren hat. Man müsse sich auf die „Mystik der Gründerväter“ besinnen, so der Papst. Europa brauche seine Identität, seine Einheit, um dank „guter Politik“ die Spaltungen und die Grenzen zu überwinden. „Wir sehen Grenzen in Europa, das ist nicht gut“, so der Papst: „Es stimmt, dass jedes Land seine Kultur hat und sie bewahren muss, aber mit der Mystik der Vielfalt“. Es gebe eine Globalisierung, „wo die Kulturen aller respektiert werden“. Europa dürfe sich nicht vom Pessimismus und von den Ideologien überwältigen lassen. Diese Ideologien kämen von außerhalb Europas oder von „nicht großen“ Grüppchen innerhalb des Kontinents.