Österreichs Bischöfe hoffen auf Frieden für Berg-Karabach

Appell von Erzbischof Lackner bei der Pressekonferenz zur Präsentation der Ergebnisse der Herbstsession des österreichischen Episkopats: „Beten wir für einen gerechten Frieden in Berg-Karabach“ – Bischöfe betonen historische Verbindungen Österreichs mit dem Südkaukasus, dieser „kulturell so bedeutsamen Region des größeren Europa“, und würdigen die Haltung des Wiener armenisch-apostolischen Bischofs Tiran Petrosyan beim „Friedensgebet für den Südkaukasus“ in der Wiener Michaelerkirche

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Foto: © Thomas Ledl (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International)

Wien, 13.11.20 (poi)  Die österreichischen Bischöfe haben bei ihrer – virtuell abgehaltenen – Herbstsession ihre „Hoffnung auf Frieden im Südkaukasus“ – in der Auseinandersetzung um die armenisch geprägte Region Berg-Karabach (Artsach) – zum Ausdruck gebracht. Die Erklärung der Bischöfe hat folgenden Wortlaut: „Die österreichischen Bischöfe sehen mit großer Sorge die Situation in Berg-Karabach (Artsach) im Südkaukasus, auf europäischem Boden. Sie machen sich die Worte von Papst Franziskus beim Angelus-Gebet am Fest Allerheiligen zu eigen: „Vergessen wir nicht, was in Berg-Karabach geschieht, wo auf fragile Waffenstillstände bewaffnete Auseinandersetzungen folgen, mit einer tragischen Erhöhung der Zahl der Opfer, Zerstörungen von Wohnhäusern, Infrastrukturen und Gotteshäusern. Es ist tragisch!“

Diesem Appell des Papstes schließen sich die österreichischen Bischöfe – die sich allen Leidenden in der Region, der schwer getroffenen Zivilbevölkerung wie auch den jungen Soldaten, nahe fühlen – aus ganzem Herzen an. Sie bitten die Katholiken unseres Landes, dieses Anliegen im Gebet mitzutragen. Die Bischöfe hoffen, dass der neue Waffenstillstand hält.

Die österreichischen Bischöfe fühlen sich von dem Geschehen im Südkaukasus so sehr betroffen, weil es vielfache historische Verbindungen Österreichs mit dieser kulturell so bedeutsamen Region des größeren Europa gibt, und auch weil Wien Sitz der ‚Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa‘ (OSZE) ist, der im Ringen um Frieden im Südkaukasus eine sehr wichtige Bedeutung zukommt.

Eine besondere Beziehung besteht auch zu den geistlichen Verantwortungsträgern im Südkaukasus, insbesondere zum armenisch-apostolischen Katholikos-Patriarchen Karekin II., der in Wien studiert hat. Er hat sich am 16. Oktober mit einem dramatischen Aufruf an die internationale Staatengemeinschaft gewandt, um eine Beendigung der seit 27. September andauernden Kampfhandlungen zu erreichen.

Tags darauf, am 17. Oktober, hat der Wiener armenisch-apostolische Bischof Tiran Petrosyan beim ‚Friedensgebet für den Südkaukasus‘ in der Wiener Michaelerkirche, zu dem die Stiftung „Pro Oriente“ und der Ökumenische Rat der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) eingeladen hatten, bewegende Worte gefunden. Bischof Tiran erinnerte daran, dass die ‚Sehnsucht nach Gottes Frieden‘ größer sei als alle menschliche Vernunft.

Die österreichischen Bischöfe hoffen, dass eine echte Friedenslösung in der Region zustande kommt. Sie sind überzeugt, dass der Schutz der Zivilbevölkerung – samt der Bewahrung der Gotteshäuser – vordringliche Bedeutung hat. Die bereits eingeleiteten humanitären Maßnahmen für die vielfach zur Flucht gezwungene Zivilbevölkerung müssen fortgesetzt und intensiviert werden.

In diesem Zusammenhang werden sich auch die österreichischen kirchlichen Hilfsorganisationen – die seit dem Erdbeben von Gyumri im Jahr 1988 über Erfahrung in der Region verfügen – nach Kräften engagieren, um rasch Hilfe für die in Not befindlichen Menschen zu leisten“.

Der Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz, der Salzburger Erzbischof Franz Lackner,  beendete am Freitag bei der Pressekonferenz im Wiener Churhaus am Stephansplatz, bei der Ergebnisse und Erklärungen der Herbstsession des österreichischen Episkopats präsentiert wurden, mit einem innigen Appell an die Katholiken und alle Menschen guten Willens: „Beten wir für einen gerechten Frieden in Berg-Karabach“.