Offener Brief von drei emeritierten Bischöfen von Jerusalem

Die Bischöfe machen sich im Hinblick auf die israelischen Annexionspläne den jüngsten Appell ihrer derzeit die Verantwortung tragenden Amtsbrüder zu eigen - Anwendung des internationalen Rechts und Anerkennung der Grundrechte aller Bürger des Heiligen Landes – Friede in Jerusalem werde Frieden für die ganze Welt bedeuten

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Foto ©: Andrew Shiva (Quelle: Wikimedia, Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International)

Jerusalem, 21.06.20 (poi) Drei emeritierte Bischöfe von Jerusalem – Michael Sabbah (früherer lateinischer Patriarch), Riah Abu El Assal (früherer anglikanischer Bischof) und Munib A. Younan (früherer evangelisch-lutherischer Bischof) – stellen in einem gemeinsamen Offenen Brief fest, die Coronavirus-Pandemie habe im Heiligen Land die Aufmerksamkeit von den Fragen der Gerechtigkeit und des Friedens zu den Problemen von Leben und Tod verlagert. „Wir teilen die allgemeine Sorge und erbitten Gottes Barmherzigkeit“, schreiben die drei Bischöfe in dem Offenen Brief, der von der italienischen katholischen Nachrichtenagentur „AsiaNews“ veröffentlicht wurde, „aber wir können auch die alten Übel nicht vergessen, die unsere Heimat heimsuchen, vor allem die Auseinandersetzung zweier Völker um ein Land“. Es sei höchste Zeit, dass die führenden politischen Persönlichkeiten der Welt handeln, um „dem Prozess der Versöhnung aufzuhelfen“. Die emeritierten Bischöfe machen sich den kürzlich veröffentlichten Appell ihrer derzeit die Verantwortung tragenden Amtsbrüder zu eigen, in dem die Bewahrung der Heiligkeit des Landes durch die Anwendung des internationalen Rechts und die Anerkennung der Grundrechte aller Bürger des Heiligen Landes verlangt wird.

Für die emeritierten Bischöfe, die neues Leid und Unrecht durch die israelischen Annexionspläne befürchten, ist Jerusalem „Schlüssel“ nicht nur für den Frieden zwischen Israelis und Palästinensern, sondern auch ganz allgemein zwischen Christen, Juden und Muslimen. Heute sei Jerusalem leider nicht eine Stadt des Friedens, sondern eine Stadt der Kämpfe und Konflikte. Aber die Stadt müsse ein Ort „der Versöhnung, der Gerechtigkeit und der Gleichheit“ werden, denn Friede in Jerusalem werde sich zu „Frieden für die ganze Welt“ wandeln.

Israel müsse den Druck herausnehmen und sich an die Resolutionen der UNO halten, denn die militärische Besatzung und der Ausbau der Siedlungen seien die Ursache des dauernden Konflikts, stellen die emeritierten Jerusalemer Bischöfe fest. Die Lösung für den schon so lang dauernden Konflikt sei bereits vor vielen Jahren formuliert worden und finde sich in den zahlreichen Resolutionen der UNO. Wörtlich fügten die Bischöfe hinzu: „Die meisten Nationen erkennen sowohl den Staat Israel als auch den Staat Palästina an. Wir bitten, das anzuwenden, was auf internationaler Ebene schon anerkannt ist: Helft Israel, seine Sicherheit zu haben, und Palästina, die Unabhängigkeit zu erlangen“. Beide Staaten sollten „Seite an Seite“ in Frieden, Gerechtigkeit, Gleichheit und Demokratie leben können. Abschließend heißt es in dem Offenen Brief: „Schluss mit Hass und Tod, es geht um Gerechtigkeit, Gleichheit, Leben“.