Oratorium über Andrei Rubljow wurde in Moskau aufgeführt

Autor ist der römische Priester-Komponist Marco Frisina – Teil der kulturellen Kooperation zwischen dem Moskauer Patriarchat und dem Heiligen Stuhl

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Foto: © mos.ru (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International)

Moskau, 29.11.19 (poi) Das neue Oratorium “Andrej Rubljow” über den weltberühmten russischen Ikonenmaler erlebte jetzt am 24. November in der Moskauer “Zarjadie”-Konzerthalle seine erste russische Aufführung. Autor des Oratoriums ist der römische Priester-Komponist Msgr. Marco Frisina. Die Aufführung erfolgte im Rahmen der kulturellen Kooperation zwischen dem Moskauer Patriarchat und dem Heiligen Stuhl. Msgr. Frisina dirigierte selbst. Das Oratorium wurde vom Moskauer Synodalchor, dem Synodal-Jugendchor, dem Chor der Moskauer Epiphanie-Kathedrale und dem “Voce Anima”-Orchester sowie mehreren herausragenden Solisten zu Gehör gebracht. An der Orgel war die Organistin der Moskauer katholischen Marienkathedrale, Anna Wetlugina.

Für das russische Publikum hatte der Priester Aleksij Dikarew den italienischen Text des Oratoriums – der aus Anlass des 30. Jahrestages der Heiligsprechung von Andrej Rubljow entstanden war – ins Russische übertragen. Msgr. Farina bezeichnete den Ikonenmaler als einen der “eindrucksvollsten christlichen Künstler”: “Andrej Rubljow vereinigt in der Erfahrung der Kunst Schönheit und Spiritualität. Er hat uns eine besondere Vision des göttlichen Geheimnisses geschenkt und uns ein Fenster eröffnet, um die Schönheit des Himmels zu sehen”. Die russische Seite war an der Aufführung des Oratoriums besonders interessiert, weil das Werk Rubljows von den traditionellen Werten der Nächstenliebe und des gegenseitigen Verständnisses inspiriert sei, wie der Leiter des Moskauer Synodalchors, Aleksij Puzakow, sagte.

Andrej Rubljow (1360-1430) hat vermutlich vor 1405 das Mönchsgelübde abgelegt und den Namen Andrej angenommen. Er lebte im Andronnikow-Kloster in einer Gemeinschaft Moskauer „Ikonenschreiber“. Erst nach der 1904 erfolgten Entdeckung seiner Dreifaltigkeitsikone, die vermutlich 1411 entstanden ist, begann die Erforschung seines Werkes. Heute ist die Ikone in der Tretjakow-Galerie in Moskau ausgestellt.

Die Komposition der Ikone zeigt die Szene aus der Bibel, in der drei Engel Sara und Abraham besuchen. Rubljow konzentrierte sich auf die Darstellung der drei Gestalten. Die Deutung des Werkes ist vielschichtig. Es handelt sich einerseits um eine spirituell tiefgründige Darstellung der Heiligen Dreifaltigkeit, es wird aber auch als ein Appell an die Einigkeit während einer Zeit voller Konflikte unter den Fürsten interpretiert.

Im Plot des Oratoriums wird dargestellt, wie Andrej Rubljow, der in der schwierigen Zeit des “Tatarischen Jochs” lebte, die Versuchung der grausamen Wirklichkeit durch das “innere Bewusstsein der wahren Schönhet” überwand, die aus der Liebe Gottes zu seiner Schöpfung erwächst. Die Premiere des Oratoriums fand am 20. Jänner des heurigen Jahres in der römischen Basilika San Giovanni in Laterano statt.