„Orientalische Christen bei Rückkehr in den Nahen Osten unterstützen“

Wiener syrisch-orthodoxer Chorbischof Emanuel Aydin in Budapest bei 2. Internationaler Konferenz über Christenverfolgung: Lob für ungarische Politik zu Gunsten der verfolgten Christen, die von erfolgreichen Traditionen und christlichen Moralprinzipien geprägt ist – Rückblick auf die Entwicklung der Zusammenarbeit zwischen katholischer und syrisch-orthodoxer Kirche in Wien

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Foto: © Mahmud Balî (VOA) (Quelle: Wikimedia; Lizenz: public domain)

Budapest-Wien, 27.11.19 (poi) Für eine tatkräftige Unterstützung der Rückkehrbestrebungen der orientalischen Christen, die in Europa Zuflucht gefunden haben, hat sich der in Wien wirkende syrisch-orthodoxe Chorbischof Emanuel Aydin am Dienstag bei der 2. Internationalen Konferenz über Christenverfolgung in Budapest ausgesprochen. Die Dschihadisten im Nahen Osten seien zwar „weitgehend zurückgedrängt“ worden, aber viele Christen, die in den letzten mehr als zehn Jahren verfolgt, vertrieben oder ihrer Existenz beraubt wurden, hätten Syrien und den Irak verlassen und in Europa Zuflucht suchen müssen. Diese Menschen hätten ihre alte Heimat sehr gegen ihren Willen verlassen und würden „lieber heute als morgen“ in ihre angestammten Dörfer und Städte zurückkehren, sagte Aydin: „Schließlich sind die Regionen, aus denen sie kommen, die Quellgebiete des Christentums und der christlichen Kultur“. Die gesamte Levante sei bereits in den ersten nachchristlichen Jahrzehnten „friedlich christianisiert“ worden. Es müsse daher das Bestreben aller sein, die orientalischen Christen bei ihrem Wunsch nach mittelfristiger Rückkehr in die alte Heimat zu unterstützen: „Das hilft dem Christentum insgesamt und den Ländern des Nahen Ostens“.

Man dürfe nicht vergessen, dass in vielen konfessionell christlich-islamisch gemischten Ländern auf den Schultern der Christen wesentliche Anteile des Wirtschafts- und Kulturebens ruhen „beziehungsweise noch in der jüngsten Vergangenheit ruhten“, so der Chorbischof. In Ägypten seien die koptischen Christen, die einen Bevölkerungsanteil von zehn Prozent stellen, für eine Wertschöpfung von rund 30 Prozent des Bruttoinlandsprodukts verantwortlich. In ähnlicher Form hätten in den letzten Jahrzehnten Christen die Leistungselite in Syrien und im Irak gestellt. Sie seien aber auch in einem besonders hohen Ausmaß Ziel der terroristischen Gewalt dschihadistischer Organisationen geworden.

Chorbischof Aydin würdigte die ungarischen Initiativen für die verfolgten Christen. Diese Politik sei nicht von Sozialexperimenten geprägt, sondern von erfolgreichen Traditionen und christlichen Moralprinzipien. Für die Initiativen, die von Seiten Ungarns bereits seit einigen Jahren mit großem Erfolg umgesetzt werden, seien die orientalischen Kirchen und ihre Gläubigen aufrichtig dankbar. Ungarn helfe Flüchtlingen, die es wirklich brauchen, und es unterstütze sie bei der Verwirklichung ihres Zieles, sich so bald wie möglich in den Dienst des Wiederaufbaus in ihrer alten Heimat zu stellen. Damit stehe Ungarn in der Tradition seiner Vorbilder und Helden. Der erste Märtyrer der Kirche, der Heilige Diakon Stephanus, sei wegen seiner Standhaftigkeit und seines Jesus-Bekenntnisses gesteinigt worden. In seiner Tradition habe sich der Heilige Stephan I. aus der Dynastie der Arpaden gesehen, „der die Magyaren christianisierte und den ungarischen Staat begründete“.

Im Gespräch mit „poi“ bedauerte Aydin, dass er an der gleichzeitigen 25-Jahr-Feier des „Syrischen Dialogs“ von „Pro Oriente“ in Wien nicht teilnehmen konnte, weil die „Bilokation (die gleichzeitige Anwesenheit an zwei verschiedenen Orten) nur den ganz großen Heiligen vorbehalten ist“. Aber sein Herz gehöre „Pro Oriente“. Der syrisch-orthodoxe Patriarch Ignatios Jakoub III. habe ihn im Oktober 1972 bei seinem ersten Besuch in Wien in Anwesenheit von Kardinal Franz König eingeladen, Priester zu werden wie sein Vater, erinnert sich der Chorbischof. Der Patriarch habe ihm damals gesagt, „wir beginnen in Wien, hier gibt es eine großartige Einrichtung wie ‚Pro Oriente‘ und der Kardinal wird Dir helfen“. Am 17. Dezember 1973 habe ihn Ignatios Jakoub III. dann zum Priester geweiht, 1974 wurde die syrisch-orthodoxe Gemeinde begründet, Kardinal König vertraute ihr die alte Lainzer Pfarrkirche als Gottesdienststätte an.

Im Juni 1984 war dann der Nachfolger von Jakob III. – Patriarch Ignatios Zakka I. Iwas – in Wien. Aydin im Rückblick: „Es gab eine gemeinsame Erklärung. Der Patriarch schenkte Kardinal König seinen Bischofsstab und sagte: ‚Sie sind auch Bischof meiner Gemeinde in der österreichischen Hauptstadt‘“. Kardinal Christoph Schönborn habe die Haltung seines Vorvorgängers, Kardinal Franz König, fortgesetzt, betont der Chorepiskopos: „Die katholische Kirche in Österreich unterstützt die syrisch-orthodoxe Kirche. Es gibt großartige Fortschritte auf dem Weg zur Einheit“.