Orthodoxe Christen werden deutlich mehr

Linzer „Pro Oriente“-Sektion will vermehrt Brücken zu den wachsenden orthodoxen Gemeinden im Land bauen

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Foto: © Thomas Ledl (Quelle: Wikimedia, Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International )

Linz, 12.03.18 (poi) Die Zahl orthodoxer Christen in Oberösterreich ist in den vergangenen sechs Jahren rapide gestiegen – eine Herausforderung für die Gesellschaft und besonders für die Kirche. Wie die „KirchenZeitung“ der Diözese Linz berichtet, nimmt sich die Linzer Sektion der Stiftung „Pro Oriente“ verstärkt um dieses Thema an.

Da in der Volkszählung das Religionsbekenntnis nicht mehr erhoben wird, sind alle Zahlen Schätzungen, aber im Fall der orthodoxen Christen trotzdem aussagekräftig, so die „KirchenZeitung“. So ist die Zahl der Menschen, die aus Rumänien stammen und nun in Oberösterreich leben, von 21.280 im Jahr 2010 auf 30.280 im Vorjahr angewachsen. Da sich in Rumänien 87 Prozent der Bevölkerung zur rumänisch-orthodoxen Kirche bekennen, ist anzunehmen, dass unter den rumänischen Neu-Oberösterreichern eine nicht geringe Anzahl orthodoxer Christen ist. Ebenso verhält es sich mit der Zuwanderung aus Bulgarien. Hier ist die Anzahl von 2.400 im Jahr 2010 auf 3.585 gewachsen. Auch für Russland (von 4.220 auf 4.620), Georgien (von 640 auf 840) und Griechenland (von 620 auf 930) gibt es Zuwachs-Daten. Die Zahl der Serben ist mit 16.000 seit Jahren in etwa gleich geblieben.

Mit fünf Pfarren ist die serbisch-orthodoxe Kirche in Oberösterreich am besten organisiert. „Es gibt keine Informationen über unsere Gläubigen. Wir müssen sie uns selbst suchen“, sagt Erzpriester-Stavrophor Dragan Micic aus Linz. Der serbisch-orthodoxe Pfarrer spricht hier für alle seine orthodoxen Kollegen. Es ist unverzichtbar, ein Netzwerk zu schaffen und zu pflegen. Internet, Facebook und SMS sind dabei eine große Hilfe, so Micic, der die ehemalige Linzer Hafenkirche zu einem vollständig mit Fresken ausgemalten Gotteshaus umgestaltet hat, von dem sich Gläubige aus allen Ländern der Orthodoxie angezogen fühlen.

Die Linzer Serben gewähren auch einmal im Monat den Georgiern Gastfreundschaft für ihren Gottesdienst, zu dem bis zu 300 Gläubige kommen. Die „Griechen“ sind monatlich in der katholischen Kirche St. Michael in Linz-Bindermichl zum Gottesdienst zu Gast, die „Russen“ feiern wöchentlich in Pichling in der Pfarre St. Paul und die „Rumänen“ in Linz-Heiligste Dreifaltigkeit. Die „Bulgaren“ haben kein Gottesdienstangebot in Oberösterreich. „Unsere Leute gehen zu den Serben, Russen oder Georgiern“, sagt der Wiener bulgarische Pfarrer, Erzpriester Ivan Petkin.

Besonders die rumänisch-orthodoxe Gemeinde sucht in Linz ein Grundstück für den Bau einer eigenen Kirche und eines Gemeindezentrums. „Oder die katholische Kirche kann uns mit einem Kirchengebäude helfen“, erklärt Pfarrer Sorin Bugner: „Wir sind mit Stadt und Diözese im Gespräch. Aber es ist nicht leicht. Ein eigenes Zentrum würde uns sehr helfen.“ Das sehen auch die Russen so. „Wir sind glücklich, dass wir in St. Paul sein dürfen, aber eine eigene Kirche ist doch das Ziel“, betont Swetlana Malejew vom russischen Kirchenvorstand: „Manche unserer Leute weichen zu den Serben aus. Denn das ist eine richtige orthodoxe Kirche, sagen sie“.

„Die wachsenden orthodoxen Pfarren sind für die Stiftung ‚Pro Oriente‘ eine Herausforderung, der wir uns natürlich stellen“, sagt Landeshauptmann a. D. Josef Pühringer, der die „Pro Oriente“-Sektion Linz leitet: „Die Menschen wollen hier Wurzeln schlagen und wir werden im Geist von Kardinal König, der ‚Pro Oriente‘ gegründet hat, Brücken zu ihnen bauen“. „Pro Oriente“ will beitragen, dass Orthodoxe und Katholiken nicht nur friedlich „nebeneinander“, sondern „miteinander“ Kirche sein können.