„Orthodoxe Enzyklopädie“ publiziert bisher nicht veröffentlichte Dokumente über Vereinigung der Kiewer Metropolie mit Moskau

„Kein Anlass, von einer nur begrenzten Jurisdiktion des Moskauer Patriarchen über Kiew zu sprechen“ – Vollständige Publikation der auf Kiew bezüglichen Dokumente der Jahre 1676 bis 1686 aus den russischen Archiven

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Foto ©: Serge Serebro, Vitebsk Popular News (Quelle: Wikimedia, Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

Moskau, 30.05.19 (poi) Über die vieldiskutierte Vereinigung der Kiewer Metropolie mit dem Moskauer Patriarchat im 17. Jahrhundert hat die „Orthodoxe Enzyklopädie“ in Moskau jetzt eine neue Publikation herausgebracht, die neu zugänglich gemachte Archivmaterialien dokumentiert. In dem Buch „Die Wiedervereinigung der Kiewer Metropolie mit der russisch-orthodoxen Kirche. 1676-1686: Forschungen und Dokumente“ sind zahlreiche Dokumente enthalten, die bisher noch nie publiziert wurden.

Aus den Dokumenten gehe hervor, dass die Wiedervereinigung der Kiewer Metropolie mit der russischen Kirche 1686 nicht nur die ukrainische Orthodoxie gerettet habe, es sei in der wieder einheitlichen Kirche der Heiligen Rus auch zu einem kraftvollen Aufschwung der Theologie und der Bildung gekommen, stellen die Autoren des Bandes fest. Die Autorität des Vereinigungsaktes von 1686 sei von keiner einzigen orthodoxen Ortskirche in Zweifel gezogen worden, die Kirche von Konstantinopel selbst habe die volle Jurisdiktion der russischen Kirche über die Kiewer Metropolie anerkannt. Die jetzt veröffentlichten Dokumente gäben keinen Anlass, von einer „begrenzten Jurisdiktion“ des Moskauer Patriarchats über die Kiewer Metropolie zu sprechen, wie das Patriarchat von Konstantinopel im Vorjahr gemeint habe. Die Texte würden klar feststellen, dass Patriarch Joachim von Moskau das Recht zur Weihe des Kiewer Metropoliten ohne jede Einschränkung erhalten habe, dass dieses Recht auch seinen Nachfolgern zugekommen sei und dass die Unterordnung der Metropolie von Kiewer unter das Moskauer Patriarch außer Zweifel stand.

Die jetzt vorliegende Edition sei eine vollständige Publikation aller auf Kiew bezüglichen Dokumente der Jahre 1676 bis 1686 aus den russischen Archiven. Die bisher unveröffentlichten Dokumente würden ein neues Licht auf alle Abschnitte der Verhandlungen zur Wiederherstellung der Einheit der russischen Kirche werfen, auch auf die diesbezüglichen Dokumente und Akte der Kirche von Konstantinopel.

Der Moskauer Patriarch Kyrill I. hatte am 31. August des Vorjahrs bei seinem Besuch im Phanar die Abhaltung einer Konferenz mit Wissenschaftlern und Kirchenleuten zur Klärung der historischen Umstände der Unterstellung der Kiewer Metropolie unter die Autorität Moskaus vorgeschlagen. Patriarch Bartholomaios I. hatte dies aber abgelehnt, weil damit der Vorgang zur Zuerkennung der Autokephalie für eine neue ukrainische Kirche zu sehr verlangsamt würde.

Die Vereinigung der Kiewer Metropolie mit dem Moskauer Patriarchat erfolgte 1686 als Konsequenz des „Ewigen Friedens“ zwischen der polnisch-litauischen Doppelrepublik und dem Zaren. Mit diesem Frieden wurde die linksufrige Ukraine, die sich im Hetmanat der Kosaken von der polnisch-litauischen Herrschaft befreit hatte, Moskau unterstellt. Der größte –südliche – Teil der heutigen Ukraine war zu diesem Zeitpunkt als „Wildes Feld“ (dikoje pole) ein dünn besiedeltes Territorium, das im Auftrag der Osmanen vom Khanat der Krimtataren kontrolliert und als Ausgangsbasis für Sklavenjagden in die russischen und polnisch-litauischen Gebiete benützt wurde.