Orthodoxe Kirche in Österreich bedeutet „Einheit in Vielfalt“

Metropolit Arsenios bei Neujahrs-Vesper der serbisch-orthodoxen Kirche – „Landessprachen in der Göttlichen Liturgie, verschiedene Kalenderformen und ähnliche Details bedeuten keine Unterscheidung und keine Wertung“ – Serben betonen „Bereitschaft zum Brückenbau“

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Foto: © Bwag (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International)

Wien, 15.01.19 (poi) „Als orthodoxe Kirche in Österreich sind wir eine Einheit in Vielfalt“: Dies betonte Metropolit Arsenios (Kardamakis) am Montagabend beim Vespergottesdienst zum Neuen Jahr nach Julianischem Kalender in der serbisch-orthodoxen  Auferstehung Christi-Kirche in Wien-Leopoldstadt. Diese Einheit sei im neuen Jahr notwendiger denn je, unterstrich der Vorsitzende der orthodoxen Bischofskonferenz. Jeder orthodoxe Christ sei dafür mitverantwortlich. Christus reiche allen „seine Hand der Errettung“. Diese Errettung wachse in Nächstenliebe, täglichem Gebet, aufrichtigen und frommen Taten, Gedanken an das Gute im eigenen Selbst und im Mitmenschen. Metropolit Arsenios unterstrich zugleich, dass die Ökumene „gute Früchte“ bringe.

Er sei der Einladung der serbisch-orthodoxen Kirche, das neue Jahr mit einer gemeinsamen Vesper im Gebet zu beginnen, mit „aufrichtiger Freude“ gefolgt, stellte der Metropolit fest, der zum Episkopat des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel zählt. Durch die Geburt Christi sei der Welt „das Licht der Erkenntnis aufgegangen“. Die Zeit vom adventlichen Fasten bis zum hohen Feiertag der Theophanie am 6. Jänner bedeute für die orthodoxen Christen eine „Zeit der besonderen Freude“. Es gehe darum, die Seele für Christus zu öffnen. Wörtlich sagte der Metropolit: „Wir sind dazu aufgerufen, das eigene ‚Ich‘, die Selbstbezogenheit, den Egoismus zurückzudrängen, damit wir mit unseren geistlichen Augen erkennen, worum es in unserem irdischen Leben geht“. Worte des Streites und der Auseinandersetzung seien zu vermeiden beziehungsweise zu überwinden, betonte Metropolit Arsenios und fügte hinzu: „Unter uns Orthodoxen gibt es keinen Unterschied. Wie alle Christen weltweit stehen wir in Gemeinschaft vor Christus und bitten Ihn um Seine Liebe und Seine Gnade. Die einzelnen Landessprachen der Göttlichen Liturgie, die unterschiedliche Berechnung  des Kirchenkalenders und ähnliche Details bedeuten keine Unterscheidung und keine Wertung“.

Eingangs der Vesper mit ihren Psalmengebeten, Hymnen und Fürbitten hatte Pfarrer Drago Vujic – in Vertretung des serbisch-orthodoxen Bischofs Andrej (Cilerdzic), der wegen kirchlicher Verpflichtungen in Belgrad erst gegen Ende des festlichen Neujahrscocktails im Pfarrsaal der Auferstehung Christi-Kirche eintreffen konnte – betont, dass die serbische Kirche mit der traditionellen Neujahrsfeier auch ihre Bereitschaft zur Bewältigung der gesellschaftlichen Herausforderungen dartun wolle. Es gehe um „menschliche Solidarität, eine tragfähige Lebensordnung und die Bereitschaft zum Brückenbau“. Auch in der Ökumene müsse man sich den „Herausforderungen der Gegenwart“ stellen und versuchen, „geistliche und moralische Elemente“ in das Ringen um die Neugestaltung der gesellschaftlichen Verhältnisse einzubringen.