Orthodoxe Kirche von Zypern zur Vermittlung in der Ukraine-Krise bereit

Aber das Kiewer Außenministerium hatte die Aussage von Erzbischof Chrysostomos II. so wiedergegeben, als hätte sich das Oberhaupt der zypriotischen Kirche für die Zuerkennung der Autokephalie an schismatischer Gruppen in der Ukraine ausgesprochen

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Foto: © Presidential Press and Information Office/Kremlin.ru (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution 3.0 Unported)

Nicosia, 28.09.18 (poi) Das Oberhaupt der orthodoxen Kirche von Zypern, Erzbischof Chrysostomos II., hat die Bereitschaft seiner Kirche bekundet, in der Ukraine-Krise eine Vermittler-Rolle zu übernehmen, um die befürchtete Spaltung in der weltweiten Orthodoxie zu vermeiden. Erzbischof Chrysostomos II. äußerte sich in seiner Residenz in Nicosia bei einer Begegnung mit dem ukrainischen Botschafter in Zypern, Boris Gumeniuk. Bei dem Gespräch unterstrich der zypriotische Erzbischof seine tiefe Sorge über die andauernde Unruhe im kirchlichen Leben der Ukraine und die möglichen Auswirkungen auf die gesamte Orthodoxie. Es bestehe die Möglichkeit, dass ein Schisma entstehe, das die Einheit der ganzen Orthodoxie schädigen würde.

Die Aussage des Oberhaupts der orthodoxen Kirche von Zypern wurde allerdings auf der Website des ukrainischen Außenministeriums so wiedergegeben, als hätte sich Chrysostomos II. für die Zuerkennung der Autokephalie an die ukrainischen Schismatiker ausgesprochen. Die Version des Außenministeriums machte dann die Runde in ukrainischen Medien, was in Nicosia mit Missbehagen zur Kenntnis genommen wurde. Auf der Website des ukrainischen Außenministeriums hieß es, der Erzbischof und der Botschafter hätten die Situation in der Ukraine „im Kontext der andauernden russischen Aggression, des Vereinigungsprozesses der ukrainischen Orthodoxie und der Frage des ‚Tomos‘ über die Zuerkennung der Autokephalie an eine ukrainische orthodoxe Kirche“ diskutiert. Chrysostomos II. habe seine Unterstützung für die Ukraine und das ukrainische Volk zum Ausdruck gebracht und vor allem „das Recht der Ukraine als einer großen unabhängigen Macht auf eine eigene unabhängige autokephale Kirche“.

In Nicosia wurde darauf verwiesen, dass sich die Haltung von Erzbischof Chrysostomos II. nicht geändert habe, seit sein Delegat bei den 1.030-Jahr-Feiern der Taufe der Rus in Moskau, Metropolit Georgios (Papachrysostomou) von Paphos, im Juli dem russisch-orthodoxen Patriarchen Kyrill I. versichert hatte, dass die Kirche von Zypern im Hinblick auf Autokephalie für die Ukraine immer die Position der russischen Kirche unterstützen werde.

 

Patriarch Theodoros II. in Odessa

Ähnliche Interpretationsprobleme wie auf Zypern ergaben sich auch mit dem gemeinsamen Versöhnungs-Aufruf des Patriarchen von Alexandrien, Theodoros II., und des Oberhaupts der polnischen orthodoxen Kirche, Erzbischof Sawa. Dieser Aufruf wurde in ukrainischen Medien als Unterstützung für die Verleihung der Autokephalie „zur Herstellung der kanonischen Ordnung im kirchlichen Leben der Ukraine“ dargestellt. Patriarch Theodoros II. reiste aber umgehend von Warschau nach Odessa, wo er bei einem Gottesdienst „für die Einheit der Kirche Christi und für den Frieden im leidenden ukrainischen Land“ in der Verklärungskathedrale vor tausenden orthodoxen Gläubigen wörtlich sagte: „Bleibt im orthodoxen Glauben, in der kanonischen Kirche…In diesen schwierigen Tagen in der Ukraine gibt es eine kanonische Kirche, die von Seiner Seligkeit Metropolit Onufrij geleitet wird, einem von Gott gesegneten Menschen und wahren Mönch“. Weiter führte der Patriarch aus, dass er in Polen mit Erzbischof Sawa ein Dokument unterschrieben habe, „in dem wir erklärten, dass wir gemeinsam für die kanonische orthodoxe Kirche der Ukraine eintreten. Wir werden mit denen sein, die die Einheit der Orthodoxie in der Ukraine wollen“.

Bei seiner Ankunft in Odessa war der Patriarch von Alexandrien vom örtlichen Metropoliten, Agafangel (Sawwin), dem Metropoliten von Donezk, Hilarion (Schukalo), und weiteren Bischöfen der autonomen ukrainisch-orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats empfangen worden. Theodoros II. ist besonders mit Odessa verbunden, weil er dort von 1985 bis 1990 die Repräsentanz des Patriarchats von Alexandrien in der Ukraine geleitet hatte. Am Freitag zelebrierte er die Göttliche Liturgie in der griechischen Dreifaltigkeitskathedrale in Odessa, seiner damaligen Wirkungsstätte.

Metropolit Agafangel sagte, dass die orthodoxen Gläubigen auf den Patriarchen von Alexandrien hoffen, weil er das Land aus seiner früheren Tätigkeit kenne, „das gläubige ukrainische Volk, seinen Glauben und seine Hoffnung“. Der Besuch des Patriarchen könne dazu beitragen, die Probleme zu lösen, denn es sei „nicht die Zeit, zu spalten, sondern vielmehr die Zeit, die Einheit der Kirche zu bewahren und Ausschau nach dem zu halten, was dem Frieden und der gegenseitigen Auferbauung dient“.

Im Juli hatte der Patriarch von Alexandrien erklärt, der selbsternannte „Patriarch“ von Kiew, Filaret (Denisenko), könne in die Kirche zurückkehren, wenn er zur Buße bereit sei. Gott sei barmherzig mit den Büßenden und die Kirche umarme alle mütterlich, die zur Buße bereit sind. Zugleich hielt Theodosios II. damals fest, dass der Eingriff von Politikern in kirchliche Angelegenheiten eher schädlich als hilfreich sei.