Orthodoxer Erzbischof von Amerika reichte Rücktritt ein

Der 91-jährige Demetrios (Trakatellis) hatte bisher alle dringlichen Einladungen des Ökumenischen Patriarchen zum Amtsverzicht abgelehnt – Die amerikanische Eparchie ist der bevölkerungs- und ressourcenreichste Teil des Ökumenischen Patriarchats

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Foto: © Υπουργείο Εξωτερικών (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Attribution-Share Alike 2.0 Generic)

Konstantinopel-New York, 06.05.19 (poi) Erzbischof Demetrios (Trakatellis), der die wichtigste Eparchie des Ökumenischen Patriarchats – Nord- und Südamerika – leitet, hat am 4. Mai dem Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. im Phanar sein Rücktrittsgesuch überreicht. Der Heilige Synod von Konstantinopel wird bei seiner Sitzung, die am 9. Mai beginnt, die Wahl eines Nachfolgers diskutieren und entscheiden. Nach Angaben der nordamerikanischen griechischen Zeitung “National Herald” habe Erzbischof Demetrios noch einmal eine Verlängerung seiner Amtszeit angestrebt, Bartholomaios I. habe aber abgelehnt. Erzbischof Demetrios, der die amerikanische Eparchie seit 20 Jahren leitete, ist in den letzten Jahren heftig kritisiert worden. Seine Kritiker warfen ihm (beziehungsweise seiner Umgebung) vor, die Eparchie in den finanziellen, administrativen und spirituellen Bankrott zu steuern. Dabei ging es insbesondere um zwei Projekte:  Den Neubau des St. Nicholas National Shrine in New York nach einem Entwurf des Stararchitekten Santiago Calatrava (der Vorgängerbau war dem 9/11-Anschlag auf das World Trade Center zum Opfer gefallen) und die Weiterführung des “Hellenic College Holy Cross” (HCHC) in Boston.

Laut “National Herald” hat Patriarch Bartholomaios I. Erzbischof Demetrios drei Mal – am 3. September 2017, am 30. Mai 2018 und am 20. November 2018 – dringlich zur Resignation eingeladen. Der – mittlerweile 91-jährige – Hierarch hatte aber immer abgelehnt, weil er offensichtlich die Weihe des St. Nicholas National Shrine noch selbst vornehmen wollte. Auch jetzt hatte Erzbischof Demetrios weder die Eparchialsynode noch den Eparchialrat (mit seiner starken Beteiligung der Laien) informiert. Nach seinem kurzen Besuch im Phanar kehrte er noch in der Nacht von Samstag auf Sonntag nach New York zurück. Die Probleme um die Nachfolgeregelung für den “Erzbischof von Amerika” sind deshalb besonders heikel, weil es sich um den bevölkerungs- und ressourcenreichsten Teil des Ökumenischen Patriarchats handelt.

Die griechische Website “Romfea” berichtete am Sonntag, dass Metropolit Elpidophoros (Lambriniadis) von Bursa (Broussa) und Metropolit Kleopas (Strongylis) von Schweden die aussichtsreichsten Kandidaten für die Nachfolge von Erzbischof Demetrios seien. Die Amtseinführung des neuen “Erzbischofs von Amerika” werde der Ökumenische Patriarch selbst durchführen, wenn er Juni/Juli auf Einladung des US-amerikanischen Außenministers Michael Pompeo zu einer großen  Umweltkonferenz in die Vereinigten Staaten kommt.