Orthodoxer Theologe und Generalsekretär des Weltkirchenrats Sauca als Friedensstifter ausgezeichnet

"Bridge Builder Award" in Oslo verliehen - Prof. Sauca betont Bedeutung des interreligiösen Dialogs

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Foto ©: Unbekannt (Weltkirchenrat?)

Oslo/Genf, 01.12.21 (poi) Der orthodoxe Theologe und Generalsekretär des Weltkirchenrats (ÖRK), Prof. Ioan Sauca, ist in diesen Tagen in Oslo mit dem „Bridge Builder Award“ für Beiträge zum Welt-Gemeinwohl ausgezeichnet worden. Die Auszeichnung wurde von der Jury des „14th August Committee Norway“ in Zusammenarbeit mit dem „Nobel Peace Center“ in Oslo verliehen.

In seiner Dankesrede erläuterte der orthodoxe Theologe die vielfältigen Bemühungen des ÖRK zum Dialog und zur Zusammenarbeit zwischen den Kirchen und Religionen. Neben Sauca wurden auch Mohammad Bin Abdulkarim Al-Issa, Generalsekretär der Islamischen Weltliga, und Oberrabbiner Michael Melchior von der „Religious Peace Initiative“ ausgezeichnet.

„Wir sind uns bewusst, dass die größten Herausforderungen der Welt fast alle eine interreligiöse Dimension umfassen“, sagte ÖRK-Generalsekretär Sauca. „Ob wir uns mit internationalen Angelegenheiten befassen oder mit der Umwelt, der globalen wirtschaftlichen Gerechtigkeit, den Rechten von Frauen und Kindern, Rassismus, den Bedürfnissen von Flüchtlingen und nicht zuletzt mit der Aufgabe der theologischen Ausbildung in unseren Kirchen: In all diesen und noch vielen weiteren Aspekten unserer Arbeit streben wir danach, die aktuellen interreligiösen Realitäten zu berücksichtigen.“

Der interreligiöse Dialog und die Zusammenarbeit seien Voraussetzungen, um gemeinsam Konflikte anzugehen, aber auch, um vorbeugend Frieden zu bewahren, „und den Frieden auch in den Herzen der Menschen zu verankern“.
Freilich räumte Sauca ein: „Wir können nicht so tun, als ob der Weg des interreligiösen Dialogs, der interreligiösen Zusammenarbeit und der Friedenskonsolidierung ein einfacher sei.“ Doch es gelte, dem Ruf Gottes zu folgen, und das sei alternativlos.

Erster orthodoxer ÖRK-Generalsekretär

Ioan Sauca ist der erste orthodoxe Christ in der Funktion des ÖRK-Generalsekretärs. Er wurde 1956 in Valea Mare im Banat geboren, besuchte das orthodoxe Seminar im nah gelegenen Caransebes und studierte danach in Sibiu (Hermannstadt) und Bukarest Theologie. 1984/85 war er Stipendiat des ÖRK-Instituts Bossey; 1987 promovierte er in Birmingham.

Nach der politischen Wende in Rumänien wurde Sauca zum Diakon und Priester geweiht; 1990 wurden ihm im Bukarester Patriarchat das kirchliche Kommunikationswesen und die Auslandsbeziehungen der rumänisch-orthodoxen Kirche anvertraut. 1998 ging er als Professor nach Bossey, 2001 wurde er Vorstand des Instituts. Seit 2014 war er einer der Stellvertreter im ÖRK-Generalsekretariat in Genf. Seit 2020 ist er (interimistisch) Generelsekretär.

Dem 1948 gegründeten Weltkirchenrat gehören rund 350 evangelische, orthodoxe, anglikanische, altkatholische und orientalisch-orthodoxe Kirchen an. Der Weltkirchenrat vertritt damit rund 500 Millionen Christinnen und Christen auf der ganzen Welt. Der ÖRK-Sitz befindet sich in Genf. Die Katholische Kirche ist nicht Mitglied, arbeitet aber in bestimmten Gremien mit.