Orthodoxes Kloster im Burgenland: Breiter Widerhall in der orthodoxen Welt

Grundsteinlegung mit Patriarch Bartholomaios I. am 26. September, Patroziniumsfeier am 12. Juli, dem Fest des Heiligen Paisios vom Berg Athos, eines der beliebtesten „neuen Heiligen“ der orthodoxen Weltkirche - In Newsletters und Blogs wurde u.a. auch die Spende von Papst Franziskus für den Bau des Klosters in St. Andrä am Zicksee hervorgehoben

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Foto: © FF St. Andrä/Zicksee (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

Eisenstadt-Konstantinopel, 05.07.20 (poi) Die Nachricht über die jetzt für 26. September festgelegte Grundsteinlegung des ersten orthodoxen Klosters in Österreich hat in der orthodoxen Welt breiten Widerhall gefunden. Die Titelzeilen in Nachrichtenagenturen, Newsletters und Blogs lauteten z.B. „Ökumenischer Patriarch errichtet erstes orthodoxes Kloster in Mitteleuropa“ oder „Der Papst von Rom unterstützt erstes orthodoxes Kloster in Österreich“. Die Grundsteinlegung wird Patriarch Bartholomaios I. am 26. September in St. Andrä am Zicksee (ungarisch: Moson Szentandrás) gemeinsam mit Metropolit Arsenios (Kardamakis), dem Eisenstädter Diözesanbischof Ägidius Zsifkovics und dem burgenländischen Landeshauptmann Hans Peter Doskozil vornehmen. Die Zeremonie war ursprünglich schon für 27. Juni vorgesehen, musste aber wegen der durch die Coronavirus-Pandemie bedingten Einschränkungen verschoben werden. Die eigentlichen Bauarbeiten sollen im Oktober beginnen.

Die „Orthodox Times“ schrieb unter Zitierung der griechischen Agentur ANA-MPA, Metropolit Arsenios habe bereits im Oktober 2014 bei der Ankündigung der Gründung des orthodoxen Klosters im Burgenland davon gesprochen, dass es sich um eine Brücke handle, „die Österreich mit Griechenland“ und „die katholische Kirche mit der Orthodoxie“ verbinden werde. Arsenios (Kardamakis) habe schon ab Beginn seiner bischöflichen Tätigkeit in Wien Ende 2011 an die Errichtung eines orthodoxen Klosters in seiner Metropolie gedacht.

In dem Bericht wird die kooperative Haltung von Bischof Zsifkovics gewürdigt und daran erinnert, dass der Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, Kardinal Kurt Koch, im Februar 2018 beim 50-Jahr-Gedenken des österreichischen Orthodoxengesetzes feierlich einen 100.000-Euro-Scheck von Papst Franziskus für den Bau des Klosters an Patriarch Bartholomaios und Metropolit Arsenios überreicht hatte.

In einem in den USA weit verbreiteten orthodoxen Blog wurde die Papst-Spende an die Spitze des Berichts über die bevorstehende Grundsteinlegung in St. Andrä am Zicksee gestellt. Der Titel lautete: „Der Papst von Rom hilft, das erste orthodoxe Kloster in Österreich zu gründen“.

Das Kloster-Projekt startete 2014, als die Diözese Eisenstadt ein Grundstück in St. Andrä zur Verfügung stellte. Beim Martinsfest am 11. November 2014 überreichte Bischof Zsifkovics die Schenkungsurkunde im Eisenstädter Dom persönlich an Patriarch Bartholomaios I. Im Anschluss bat Metropolit Arsenios (der nicht nur Metropolit von Austria, sondern auch Exarch von Ungarn ist) Abt Theoklitos und dessen Brüder im griechischen Kloster des Heiligen Arsenios von Kappadokien, das Kloster zu gründen. Seit August 2016 lebt  eine multinationale, jetzt zehnköpfige Mönchsgemeinschaft in einem angekauften Haus in St. Andrä am Zicksee, das als „Kellion“ dient, bis das Kloster beziehbar ist. Das Kloster Maria Schutz in St. Andrä am Zicksee wird aus vier Trakten bestehen, die in Form eines Quadrates angeordnet sind. In der Mitte des Quadrats wird die Kirche stehen. Bereits jetzt ist das „Kellion“ in St. Andrä Ziel vieler orthodoxer, aber auch katholischer oder evangelischer Pilger.

 

Reliquien aus Jasenovac

Am Fest der Apostel Petrus und Paulus hat Abt Paisios, der Obere von St. Andrä, mit P. Nektarios den serbisch-orthodoxen Bischof von Pakrac im kroatischen Slawonien, Jovan (Ćulibrk), besucht. Zur Eparchie von Bischof Jovan gehört auch die Gedenkstätte des einstigen faschistischen KZ Jasenovac, wo mit Juden und Roma auch viele orthodoxe Gläubige getötet wurden. Bischof Jovan übergab den Besuchern aus dem Burgenland Reliquien von Neumärtyrern von Jasenovac für das Kloster Maria Schutz.

Die Spiritualität des Klosters Maria Schutz ist von der Gestalt des Heiligen Paisios vom Berg Athos geprägt (1924-1994). Das Patrozinium des Klosters wird am Fest des Heiligen – 12. Juli – gefeiert. Heuer wird am Samstag, 11. Juli, um 16 Uhr in St. Andrä ein feierlicher Abendgottesdienst („Esperinos“) gesungen, anschließend wird um 17 Uhr die Krankensalbung zelebriert. Am Sonntag, 12. Juli, ist um 6 Uhr der Große Orthros (Morgengottesdienst) angesetzt, um 8.30 Uhr wird die Göttliche Liturgie gefeiert, um 17 Uhr leitet Abt Paisios einen großen „Esperinos“ mit Totengedächtnis für alle Wohltäter.

Der Heilige Paisios stammte aus Kappadokien, wo er in Pharasa am 25. Juli 1924 geboren wurde – also schon während des in Lausanne dekretierten „Bevölkerungsaustausches“, der in Kappadokien mit seiner gemischten Bevölkerung auf starken Widerstand stieß. Getauft wurde der künftige Mönch auf den Namen Arsenios vom Heiligen Arsenios von Kappadokien, der dem Kind eine monastische Berufung voraussagte. Die Familie landete schließlich in dem Bergstädtchen Konitsa nahe der albanischen Grenze. Dort besuchte Arsenios die Schule und machte eine Tischler-Lehre. In Konitsa – und dann später beim Militär – erlebte der junge Arsenios hautnah die dramatischen Zeitereignisse in Griechenland mit (Mussolinis Krieg gegen Griechenland ab Herbst 1940 mit nahtlosem Übergang in den Zweiten Weltkrieg, deutsche Besatzung, Bürgerkrieg von 1946 bis 1949).

1950 ging Arsenios auf den Athos, erst ins Kloster Koutloumousiou, dann ins Kloster Esfigmenou, wo er Mönch wurde. Bald danach ging er ins Kloster Filotheou, wo sein Onkel Mönch war und ihm 1957 der Mönchsname Paisios verliehen wurde. 1958 wurde er gebeten, einige Zeit in seinem Heimatdorf zu verbringen, um die Menschen seelsorglich und karitativ nach den Kriegsereignissen zu unterstützen, die in Griechenland fast zehn lange Jahre gedauert hatten.

1962 ging Paisios ins Katharinenkloster auf den Sinai, 1964 kehrte er zum Berg Athos zurück ins Kloster Iviron und zog nach einiger Zeit in eine Zelle in der Siedlung Katounakia. Diese musste er verlassen, weil er krank wurde, 1966 wurde ein Teil seiner Lungen entfernt. Im selben Jahr kehrte er zurück und ging in die Zelle des Heiligen Kreuzes, die zum Kloster Stavronikita gehört. 1979 ging er in die Zelle Panagouda, eine Einsiedelei des Klosters Koutloumousíou. 1993 wurde bei ihm Krebs diagnostiziert und operiert, nach seiner Genesung wurde er – weil sein Zustand eine Rückkehr auf den Athos nicht erlaubte – ins 1972 gegründete Johannes-Kloster bei Souroti gebracht, wo ihn die Nonnen pflegten und an dessen Gründung er ab 1967 mitgewirkt hatte.

Der zentrale Aspekt des Wirkens und Lehrens des Heiligen Paisios war das Doppelgebot der Gottes- und Nächstenliebe. Diese Ausrichtung trug dazu bei, dass er heute in der ganzen orthodoxen Welt einer der beliebtesten „neuen Heiligen“ ist. In seinen Schriften befasste er sich auch mit Buße, Spiritualität und – auf dem Hintergrund seiner dramatischen zeithistorischen Lebenserfahrung – geschichtlichen Themen. Das Grab des Heiligen wird im Johannes-Kloster bei Souroti verehrt. Am 13. Jänner 2015 erfolgte im Phanar seine Heiligsprechung, nach Meinung von Experten die zweitschnellste Heiligsprechung in der jüngeren Kirchengeschichte.

Der Bau der Klosterkirche in St. Andrä am Zicksee ist ausfinanziert, für die weiteren Vorhaben werden von Seiten der orthodoxen Kirche noch Spenden erbeten. (Spendenkonto: Griechisch-orientalische Metropolis von Austria; IBAN: AT98 1919 0000 0027 7806, Kennwort: „Spende Klosterbau“; weitere Infos: www.orthodoxes-kloster-maria-schutz.at bzw. www.freunde-des-klosters.net).