Orthodoxie: Alexandrien und Polen besorgt, aber versöhnlich

Gemeinsame Erklärung von Patriarch Theodoros II. und Metropolit Sawa – Arbeitsbesuch von Metropolit Hilarion in Warschau – Russische Auslandskirche (ROCOR) macht sich Maßnahmen des Moskauer Patriarchats in der Ukraine-Krise zu eigen

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Foto ©: Υπουργείο Εξωτερικών (Quelle: Wikimedia, Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Generic)

Warschau-London, 23.09.18 (poi) Der orthodoxe Patriarch von Alexandrien, Theodoros II., hat bei seinem Polen-Besuch gemeinsam mit dem Oberhaupt der polnischen orthodoxen Kirche, Metropolit Sawa (Hrycuniak), eine besorgte, aber versöhnliche Erklärung zur kirchlichen Situation in der Ukraine abgegeben. Wörtlich heißt es in der gemeinsamen Erklärung: „Als Oberhäupter von zwei Ortskirchen, die auf polnischem Territorium zusammengetroffen sind, sind wir uns angesichts der Erfahrung, die die Orthodoxie derzeit in der Ukraine erlebt, der Verantwortung für das Leben der Heiligen Orthodoxie in der gegenwärtigen Welt bewusst, für ihren Frieden, ihre Einheit und die Aufrechterhaltung der dogmatischen und kanonischen Ordnung. Im Geist brüderlicher Liebe appellieren wir an alle, von denen die Überwindung der kirchlichen Missverständnisse bezüglich der Autokephalie für die ukrainische Kirche abhängt: Bitte, tut, was in eurer Macht ist, um den die Frage betreffenden Konflikt abzuwenden und die kirchliche Ordnung auf dem ukrainischen Territorium herzustellen. Indem wir am Fest der Geburt der Allerseligsten Jungfrau Maria die Göttliche Liturgie zelebrieren, beten wir für die Einheit und den Frieden der ukrainischen Nation. Zugleich senden wir unsere brüderlichen Grüße an die Oberhäupter der orthodoxen Ortskirchen und die ganze Heilige Orthodoxie“.

Tags darauf stattete der Leiter des Außenamts des Moskauer Patriarchats, Metropolit Hilarion (Alfejew), Warschau einen Arbeitsbesuch ab. Er traf in Warschau mit Patriarch Theodoros und Metropolit Sawa zusammen. Aus dem Kommunique geht nur hervor, dass „viele Fragen der zwischenkirchlichen Beziehungen“ besprochen worden seien.

Der Heilige Synod der russischen Auslandskirche (ROCOR) – die seit Jahren wieder mit dem Moskauer Patriarchat in voller kirchlicher Einheit ist – hat sich bei seiner jüngsten Tagung in London die Entscheidungen des Heiligen Synods der russisch-orthodoxen Kirche vom 14. September im Hinblick auf die Ukraine-Krise zu eigen gemacht: Bischöfe der Auslandskirche werden nicht mehr mit Bischöfen des Ökumenischen Patriarchats konzelebrieren, ebenso zieht sich die Auslandskirche aus allen Bischofskonferenzen usw. zurück, wo konstantinopolitanische Hierarchen den Vorsitz führen.

Die ROCOR hat zugleich einen neuen Bischof für Westeuropa mit Sitz in London bestimmt: Den bisherigen Bischof von Sacramento (Kalifornien), Irinej (Steenberg). Der Bischof war in den letzten Jahren auch im ökumenischen Dialog hervorgetreten.