Ostkirchenexperte Winkler: Neuer Assyrischer Patriarch Mar Awa III. ökumenisch höchst aufgeschlossen

Kirchenoberhaupt war seit 2008 Mitglied der Kommission Forum Syriacum von PRO ORIENTE und im Rahmen verschiedener Forschungsprojekte mehrmals in Salzburg zu Gast

0
150
Foto: © موقع كنيسة المشرق الأشورية (Quelle: Wikimedia, Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International)

Salzburg, 28.09.21 (poi) Mit Mar Awa III. (Royel) steht künftig ein ökumenisch höchst aufgeschlossener Patriarch an der Spitze der Assyrischen Kirche des Ostens. Das hat der Ostkirchenexperte und Vorsitzende der Salzburger PRO ORIENTE-Sektion, Prof. Dietmar Winkler, betont. Winkler und den neuen Patriarchen verbindet eine langjährige Freundschaft; vor allem aufgrund der gemeinsamen wissenschaftlichen Arbeit. Mar Awa war seit 2008 Mitglied der Kommission Forum Syriacum von PRO ORIENTE, einer weltweit einzigartigen Plattform für den ökumenischen Dialog aller Kirchen der syrischen Kirchentraditionen. 

Zudem ist Salzburg über das „Zentrum zur Erforschung des Christlichen Ostens“ (ZECO) eine wichtige internationale Drehscheibe für die Forschung über die Assyrische Kirche. Mar Awa sei mehrmals in Salzburg gewesen, und habe sich in wissenschaftliche Projekte eingebracht; auch zu einem Zeitpunkt, als er bereits Bischof war, erinnerte Winkler gegenüber dem PRO ORIENTE-Informationsdienst.

Als Kirchenoberhaupt werde Mar Awa III. nicht mehr persönlich an den verschiedenen Dialog-Foren teilnehmen, bedauerte der Salzburger Ostkirchenexperte. Er hoffe deshalb sehr, dass der neue Patriarch einen ebenso aufgeschlossenen und gebildeten Nachfolger entsenden wird.

Den Dialog zwischen der Katholischen und Assyrischen Kirche bezeichnete Winkler als sowohl spannend wie auch gelungen. Die Assyrische Kirche habe sich weitestgehend unabhängig von der Kirche im Westen entwickelt. Am Beispiel dieser Kirche bzw. ihrer Theologie werde deutlich, „dass das Christentum auch anders rechtgläubig praktiziert werden kann“. Winkler sprach von einem „positiven Pluralismus des Christentums“.

Mar Awa Royel war am 8. September zum 122. Katholikos-Patriarchen der Assyrischen Kirche gewählt worden. Er folgt auf Gewargis III. (Sliwa), der aus gesundheitlichen Gründen sein Amt zurückgelegt hatte. Der neue Patriarch bekräftigte nach seiner Wahl, dass er seinen Sitz im Irak belassen werde. Der Patriarchatssitz war erst vor wenigen Jahren aus den USA zurück in den Irak verlegt worden. Prof. Winkler beurteilte das Vorhaben des Patriarchen sehr positiv. Die Präsenz im Stammland der Assyrischen Kirche solle damit gestärkt werden, auch wenn der Großteil der Gläubigen bereits in den USA, Kanada oder Australien lebt.

Mar Awa Royel kam 1975 in den USA zur Welt und war bisher Bischof der Diözese von Kalifornien der Assyrischen Kirche des Ostens. Er hatte bereits führende Aufgaben in der weltweiten Kirchenleitung der Assyrischen Kirche und deren Beziehungen zu anderen Kirchen inne.

Prof. Winkler wies auch auf den weiten theologischen und kirchlichen Horizont hin, den der Patriarch u.a. durch seine Ausbildung erwarb. So war er nach seinen theologischen Studien in den USA zum Erwerb des Doktorats an das Päpstliche Orientalische Institut nach Rom gekommen, wo er im Fach Sakramententheologie bzw. Liturgie dissertierte. Er lebte während dieser Zeit im Benediktinerkolleg von Sant’Anselmo.

Die Assyrische Kirche des Ostens geht zurück auf die Kirche des alten Perserreiches. Heute zählen zu der eigenständigen Kirche weltweit nur mehr rund 400.000 Gläubige. Die Assyrische Kirche ist seit 1948 Mitglied im Weltkirchenrat. Intensive Beziehungen gibt es etwa mit der Chaldäisch-katholischen Kirche und der Syrisch-orthodoxen Kirche. Seit 2018 unterhält die Kirche des Ostens auch einen offiziellen Dialog mit der Russisch-orthodoxen Kirche.