Päpstlicher Rückenwind für katholisch-orthodoxen Irenäus-Arbeitskreis

Franziskus würdigt bei Audienz die Arbeit der katholischen und orthodoxen Theologen – PRO ORIENTE-Vizepräsident Prokschi hofft auf noch bessere Rezeption dieser Arbeit

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Foto: © Eldhorajan92 (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International)

Rom, 08.10.21 (poi) Päpstlichen Rückenwind für den katholisch-orthodoxen Irenäus-Arbeitskreis ortet PRO ORIENTE-Vizepräsident Prof. Rudolf Prokschi. Papst Franziskus hat am Donnerstag die Teilnehmer des Arbeitskreises, die derzeit in Rom tagen, in Privataudienz empfangen. Dabei rief er die katholischen und orthodoxen Theologen auf, gemeinsam Mauern niederzureißen und Brücken der Kommunion zu bauen. Dem Papst gefiel auch, dass sich die Gruppe nicht als Kommission oder Komitee verstehe, sondern eben als Arbeitskreis; eine Gruppe, die sich in einem brüderlichen und geduldigen Dialog als Experten unterschiedlicher Kirchen und Länder austausche. Dabei hätten alle die Einheit als Ziel.

Papst Franziskus kündigte bei der Audienz zudem an, dass der Namensgeber des Arbeitskreises, der heilige Irenäus von Lyon, zum Kirchenlehrer erhoben wird. Irenäus lebte von ungefähr 135 bis 200 nach Christus und wird der 37. Heilige, den die Kirche mit dem Titel „Kirchenlehrer“ ehrt. Franziskus beschrieb den Heiligen als „große geistige und theologische Brücke zwischen östlichen und westlichen Christen“.

Prof. Prokschi äußerste im Anschluss an die Audienz im Gespräch mit dem PRO ORIENTE-Informationsdienst die Hoffnung, dass die Ergebnisse des Irenäus-Arbeitskreises künftig auch stärker rezipiert würden. Bei ihrer letzten Tagung in Graz 2018 verabschiedeten die Mitglieder des Arbeitskreises das Dokument „Im Dienst an der Gemeinschaft. Das Verhältnis von Primat und Synodalität neu denken“, das in den Jahren davor erarbeitet wurde. 2018 hofften die Theologen, dass der Text einen Beitrag zum theologischen Dialog zwischen der Katholischen und der Orthodoxen Kirche leisten wird. Nun zeige sich, dass er auch für den von Papst Franziskus eröffneten synodalen Prozess in der Katholischen Kirche von Relevanz sein könnte.

Prokschi wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die PRO ORIENTE-Kommission für den orthodox-katholischen Dialog für den 4. November (19:00 Uhr, Stephansplatz 3) eine Veranstaltung in Wien plane, in deren Rahmen das Dokument einem breiteren Publikum präsentiert und von den Vorsitzenden der katholischen und orthodoxen Bischofskonferenz sowie von fachkundigen orthodoxen und katholischen Theologinnen und Theologen analysiert werden solle.

Prof. Prokschi betonte, dass der Primat und das synodale Element in der Kirche zusammengehörten. Sie seien nicht zu trennen und dürften auch nicht gegeneinander ausgespielt werden.

Das Dokument „Im Dienst an der Gemeinschaft. Das Verhältnis von Primat und Synodalität neu denken“ wurde bereits in mehrere Sprachen übersetzt. Papst Franziskus erhielt bei der Audienz von Kardinal Kurt Koch alle bisher erschienenen Sprachausgaben als Geschenk. Die Teilnehmer des Arbeitskreises hatten vor der Papstaudienz den Präsidenten des Päpstlichen Einheitsrates besucht, er begleitete sie zum Papst. Der rumänisch-orthodoxe Metropolit Serafim (Joanta) – er steht gemeinsam mit dem Magdeburger Bischof Gerhard Feige dem Arbeitskreis vor – überreichte Papst Franziskus als Gastgeschenk eine Ikone.

Dem Irenäus-Arbeitskreis gehören 13 orthodoxe und 13 katholische Theologen an, die sich um Fortschritte im ökumenischen Dialog bemühen. Die bereits 17. Jahrestagung des Arbeitskreises ist kirchlichen Schismen und deren Überwindung gewidmet. Die Tagung ist bis Sonntag anberaumt. Aus Österreich nimmt neben Prof. Prokschi auch der Grazer Ökumene-Experte und PRO ORIENTE-Konsultor Prof. Basilius Jacobus Bert Groen an den Beratungen teil. Auch der Dekan der Grazer Theologischen Fakultät, Prof. Pablo Argarate, ist Mitglied des Arbeitskreises.

Der PRO ORIENTE-Konsultor und Vorsitzende der Kommission für den Dialog zwischen den orientalisch-orthodoxen Kirchen und der katholischen Kirche der Stiftung PRO ORIENTE kann allerdings an der aktuellen Tagung nicht teilnehmen. Die Mitglieder des Arbeitskreises werden nicht als Delegierte von ihren Kirchen entsandt, sondern aufgrund ihrer theologischen Kompetenz in den Arbeitskreis berufen.