Papst an Rumänen: „Ich komme als Pilger und Bruder“

Kardinal-Staatssekretär Parolin und Nuntius Maury Buendia setzen große Hoffnungen auf die ökumenischen Auswirkungen des Papstbesuchs in Bukarest, der Moldau und Transilvanien

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Foto: © Hektor894 (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Attribution-Share Alike 4.0 International)

Vatikanstadt-Bukarest, 30.05.19 (poi) „Ich komme in das schöne und anziehende Land Rumänien als Pilger und Bruder“: Mit diesen Worten beginnt die Videobotschaft von Papst Franziskus an das rumänische Volk aus Anlass seines Besuches von 31. Mai bis 2. Juni. In der Botschaft unterstreicht der Papst die Verbundenheit im Glauben zwischen „Petrus und Andreas“, der den christlichen Glauben in das heutige Rumänien (in die Dobrudscha) gebracht habe. Die beiden Apostel seien „Brüder dem Blute nach“ gewesen, „sie waren es auch, indem sie ihr Blut für Christus vergossen haben“. In Rumänien gebe es so viele Märtyrer, auch in jüngster Vergangenheit, wobei der Papst ausdrücklich die sieben griechisch-katholischen (unierten) Bischöfe erwähnt, die er am Sonntag in Blaj selig sprechen wird. Sie waren Opfer des kommunistischen Regimes, das nach der Absetzung von König Michael an der Jahreswende 1947/48 die Macht an sich riss.

Er komme nach Rumänien im Sinn des Mottos „Gehen wir gemeinsam“, so Papst Franziskus: „Wir gehen gemeinsam, wenn wir lernen, die Wurzeln und die Familie zu bewahren, wenn wir uns um die Zukunft der Kinder und der Brüder annehmen, die mit uns sind, wenn wir Angst und Verdacht überwinden, wenn wir die Barrieren niederreissen, die uns von den anderen trennen“. Besonders  freue er sich auf die Begegnung mit dem rumänisch-orthodoxen Patriarchen Daniel und den Mitgliedern des Heiligen Synods der rumänisch-orthodoxen Kirche.

Mit seinem Besuch in dem mehrheitlich orthodoxen Land wolle der Papst auch ökumenische Akzente setzen, erläuterte Kardinal-Staatssekretär Pietro Parolin im Gespräch mit „Vatican News“. Parolin erinnerte an den Rumänienbesuch von Johannes Paul II. vor genau 20 Jahren. Der damalige Ruf nach Einheit – „Unitate“ – sei bis heute unvergessen: „Das war sicherlich ein erster grundlegender Schritt. Und auch der Weg von Papst Franziskus will ein Schritt in diese Richtung sein, eine Lanze für die Ökumene brechen.“

Aus ökumenischer Sicht müsse hervorgehoben werden, dass Rumänien als lateinisches Land mehrheitlich orthodoxen Glaubens ein Kreuzungspunkt zwischen Ost- und Westeuropa sei, betonte Parolin. Es gebe aber auch den Aspekt des gemeinsamen Zeugnisses: „Es gab bereits eine Ökumene: die Ökumene des Blutes, wie Franziskus sie nennt. Gläubige der katholischen wie der orthodoxen Kirche hatten unter dem atheistischen Regime zu leiden, das die Religionsfreiheit, die Rechte der Gläubigen mit Füßen getreten hat“.

Eine wichtige Etappe der Rumänien-Reise sei der Marienwallfahrtsort Sumuleu-Ciuc im Szeklerland. Schon Johannes Paul II. habe Rumänien als einen „Garten Mariens“, ein „Land der Begegnung“ bezeichnet, in dem Menschen unterschiedlicher Sprache und Konfession zusammenleben, erinnerte Parolin: „Ich glaube, dass der Papst einen Appell in diesem Sinne aussprechen und zur Achtung der Einheit im Land aufrufen wird“. In Sumuleu Ciuc werde dieser Appell besonders laut widerhallen: der Aufruf, gemeinsam unterwegs zu sei und in der Einheit des gemeinsamen Glaubens historische Trennungen zu überwinden“.

Seit 2007 sei Rumänien Mitglied der Europäischen Union, erinnerte Parolin. Erst vor Kurzem habe man bei einem Gipfeltreffen in Sibiu hervorgehoben, welch lange Friedensperiode die Europäische Union beschert habe, wie viel Wohlstand und Fortschritt damit ermöglicht worden seien: „Der Papst wird natürlich an die Grundwerte dieses Europas, an seine christlichen Wurzeln, erinnern. Wir dürfen nicht vergessen, dass Werte wie Menschenwürde und Solidarität gerade auf diesem christlichen Erbe gründen. Der Besuch des Papstes wird also ein Ansporn dazu sein, weiterhin unseren Beitrag zum Aufbau eines Europas zu leisten, das hoffentlich immer solider wird und auf christlichen Werten beruht“.

 

„Wort an Europa“

Es gebe in Rumänien große Hoffnungen im Hinblick auf den Besuch von Papst Franziskus, „nicht nur in der katholischen Gemeinschaft, sondern im ganzen Volk“, betonte auch der Apostolische Nuntius in Bukarest, Erzbischof Miguel Maury Buendia, im Gespräch mit der italienischen katholischen Nachrichtenagentur ACI. Der Nuntius erinnerte daran, dass vor 20 Jahren der Besuch von Johannes Paul II. der erste Papstbesuch in einem mehrheitlich orthodoxen Land war. Seither gebe es große Fortschritte. Heute sei Rumänien nicht nur EU-Mitglied, die EU-Präsidentschaft Bukarests im ersten Halbjahr 2019 gehe fast gleichzeitig mit dem Besuch von Papst Franziskus zu Ende. Es gebe die Hoffnung, dass der Papst von Bukarest aus ein „Wort der Hoffnung“ an ganz Europa richten werde.

Vor 20 Jahren sei Rumänien noch ein sehr verschlossenes Land gewesen, das gerade die totalitäre kommunistische Herrschaft überwunden gehabt habe, betonte Nuntius Maury Buendia. Heute hätten viele Rumänen in Europa die katholische Kirche kennengelernt, wie sie wirklich ist, nicht wie sie die kommunistischen Machthaber dargestellt hätten. Daher gebe es heute eine andere Haltung gegenüber der katholischen Kirche, gegenüber dem Papst.

Einen großen Unterschied zur Reise von Johannes Paul II. im Jahr 1999 könne man darin sehen, dass der Papst vor 20 Jahren nur nach Bukarest kommen konnte, erinnerte der Apostolische Nuntius. Die katholische Gemeinschaft in verschiedenen Regionen – wie in Transilvanien oder in der Moldau – sei damals sehr enttäuscht gewesen, dass sie der Nachfolger des Heiligen Petrus nicht besucht habe. Jetzt sei das anders, es gebe den ersten Papstbesuch in diesen beiden Regionen.

Als besonders wichtig bezeichnete Erzbischof Maury Buendia das Vaterunser-Gebet des Papstes mit Patriarch Daniel in der neuen orthodoxen Kathedrale von Bukarest. Schließlich sei Johannes Paul II. vor 20 Jahren der erste Spender für den Bau der neuen Kathedrale gewesen. Das sei ein Hinweis darauf, dass man bisweilen „mehr das unterstreichen muss, was uns eint, als das, was uns trennt“.

Zweifellos gebe es in Rumänien noch einige „offene Kapitel“, es könne Generationen dauern, bis die lange offen gebliebenen Wunden verheilen können, so der Nuntius. Aber man müsse sich auch immer bewusst sein, dass unter der Verfolgung durch die Kommunisten alle Christen gelitten haben.

Die Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und Rumänien bezeichnete Maury Buendia als „gut“. Der Nuntius sei Doyen des Diplomatischen Corps. Es gebe einen Dialog mit der Orthodoxie, aber auch den reformatorischen Kirchen. Die „offenen Kapitel“ würden vor allem Fragen der Rückgabe von Immobilien betreffen, die unter dem KP-Regime enteignet wurden. Dabei handle es sich um juridische Fragen „mit vielen Nuancen“.

Es gebe aber einen „guten Geist der Zusammenarbeit“, so der Nuntius. In der Vorbereitung auf den Besuch von Papst Franziskus habe er eine außerordentliche Bereitschaft zur Zusammenarbeit auch in jenen Bereichen der Gesellschaft gespürt, die normalerweise keine große Beziehung zur katholischen Kirche haben. Daher könne man sich vom Besuch des Papstes in Rumänien auch „Früchte der Einheit“ erwarten. Dabei gehe es oft um spirituelle Früchte, die man nicht auf den ersten Blick sehe, die aber „umso mehr zählen“.