Papst Franziskus und Patriarch Johannes X. beraten über Nahen Osten

Oberhaupt des griechisch-orthodoxen Patriarchats von Antiochien nimmt an Libanon-Gipfel im Vatikan teil und wurde vorab vom Papst zu Privatgespräch empfangen

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Foto ©: Υπουργείο Εξωτερικών, Ministry of Foreign Affairs, Greece (Quelle: Wikimedia, Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Generic)

Vatikan, 01.07.21 (poi) Papst Franziskus ist mit dem griechisch-orthodoxen Patriarchen von Antiochien, Johannes X. Yazigi, zusammengetroffen. Der Patriarch hält sich derzeit aufgrund des Libanon-Gipfels im Vatikan auf, der auf Einladung des Papstes am Donnerstag stattfindet. Bei dem Gespräch zwischen Papst und Patriarch am Mittwoch ging es aber über den Libanon hinaus um die aktuelle Situation im gesamten Nahen Osten, wie das Patriarchat von Antiochien im Anschluss mitteilte.

So informierte Johannes X. das katholische Kirchenoberhaupt unter anderem über die aktuelle Situation in Syrien und benannte einmal mehr die westlichen Wirtschaftssanktionen, die aufgehoben werden müssten, da sie die Lebensgrundlagen der syrischen Bevölkerung zerstörten. Der Patriarch kam auch auf die beiden 2013 entführten syrischen Erzbischöfe Mor Gregorios Yohanna Ibrahim und Boulos Yazigi zu sprechen, über deren Schicksal man nach wie vor nichts weiß. Johannes X. rief die internationale Staatengemeinschaft auf, in dieser Causa endlich mehr Engagement zu zeigen.

Der Patriarch dankte dem Papst für seine Initiative zum vatikanischen Libanon-Gipfel und seine Forderung nach der raschen Bildung einer handlungsfähigen libanesischen Regierung. Er erhoffe sich von den Treffen am Donnerstag eine starke Ermutigung, um weiterhin für den Libanon bzw. dessen Bevölkerung zu arbeiten, so Johannes X. Zugleich sollte es eine Warnung zur Umkehr für all jene sein, die nicht die Interessen des Libanon und seiner Menschen im Sinn hätten. Der Libanon brauche Einheit und Toleranz. Dafür stehe auch das Patriarchat von Antiochien.

Zu dem „Libanon-Gipfel“ im Vatikan am Donnerstag werden neben Patriarch Johannes X. unter anderen der Patriarch der Melkitischen Griechisch-katholischen Kirche, Joseph Absi, der maronitische Patriarch Kardinal Bechara Boutros Raï, und der Patriarch der Syrisch-katholischen Kirche von Antiochien, Ignatius Youssef III. Younan, erwartet; weiters der armenische apostolische Katholikos Aram I., der syrisch-orthodoxe Patriarch Ignatius Aphrem II. sowie Joseph Kassabhas, Präsident des Obersten Rates der evangelischen Gemeinschaft in Syrien und im Libanon.

Patriarch Johannes X. hat im Rahmen seines Vatikan-Besuchs auch am Festgottesdienst zu Peter und Paul am 29. Juni im Petersdom teilgenommen, dem Papst Franziskus vorstand. Der Patriarch traf zudem zu Arbeitsgesprächen mit dem päpstlichen Außenbeauftragten Erzbischof Paul Gallagher und weiteren hochrangigen Kurienvertretern zusammen.

Das Griechisch-orthodoxe Patriarchat von Antiochien zählt gegenwärtig rund drei Millionen Gläubige und ist vor allem in Syrien und im Libanon präsent. Es gibt aber auch Diaspora-Diözesen in den USA, in Lateinamerika und in Westeuropa. Die kleine antiochenisch-orthodoxe Kirchengemeinde in Wien gehört beispielsweise zur antiochenisch-orthodoxen Metropolie von Deutschland und Mitteleuropa. Der Sitz des Patriarchen befindet sich in der syrischen Hauptstadt Damaskus.