Papst Franziskus will im März den Irak besuchen

Corona-Situation wird in die Reiseplanung einbezogen – Stationen werden u.a. Ur, die Heimat Abrahams, Erbil und Mosul sein

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Foto: © kyselak (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Attribution-Share Alike 4.0 International)

Vatikanstadt-Bagdad, 07.12.20 (poi) Papst Franziskus wird im März 2021 den Irak besuchen. Dies wurde am Montag offiziell im Vatikan bestätigt. Matteo Bruni, der Leiter der „Sala Stampa“ des Heiligen Stuhls, erklärte, dass der Papst die Einladung der Republik Irak und der katholischen Ortskirche angenommen habe und das Zweistromland von 5. bis 8. März besuchen werde. Als Stationen seien Ur – die Heimat Abrahams -, die kurdische Regionalhauptstadt Erbil, die Tigris-Metropole Mosul und die Stadt Bagdida (Qaraqosh) in der Ninive-Ebene vorgesehen. Das genaue Programm werde in Übereinstimmung mit der Entwicklung der gesundheitspolitischen Situation veröffentlicht werden.

Die chaldäisch-katholischen Bischöfe hatten bei ihrem Ad-limina-Besuch im Februar 2018 die Einladung an Papst Franziskus ausgesprochen. Der Patriarch Mar Louis Raphael Sako legte bereits damals einen detaillierten Reiseplan vor: Ur, die Heimat Abrahams, im Zeichen der Gemeinsamkeiten mit den Muslimen, Bagdad für die Begegnung mit der Politik, Erbil wegen der vielen christlichen Flüchtlinge, die dort Zuflucht gefunden haben, Mosul im Hinblick auf die reiche christliche Geschichte der Stadt und die Bemühungen der Dominikaner, den Geist der Tigris-Metropole nach der Unterdrückung durch die Islamisten wiederzubeleben. Kardinal-Staatssekretär Pietro Parolin stattete zu Weihnachten 2018 dem Irak einen Besuch ab, bei dem auch über die Möglichkeit einer Papstreise in das Land an Euphrat und Tigris gesprochen wurde. Im jetzt veröffentlichten provisorischen Reiseplan scheint Nadschaf, die schiitische Heilige Stadt, nicht auf. Mar Louis Sako hatte diese Etappe vorgeschlagen, nachdem am 4. Februar 2019 von Papst Franziskus und dem Großimam der Al-Azhar-Universität, Ahmed al-Tayyeb, in Abu Dhabi die „Gemeinsame Erklärung über Brüderlichkeit aller Menschen für ein friedliches Zusammenleben in der Welt“ unterzeichnet worden war. Der chaldäische Patriarch ist der Ansicht, dass der Papst auch mit den Schiiten ein ähnliches Dokument wie mit dem Großimam der Al-Azhar aushandeln sollte.

Am 24. Juni des heurigen wurde die irakische Botschafterin in Italien, Safia Taleb al-Souhail, von Papst Franziskus empfangen. Es gab damals kein Kommunique. Am 11. September überreichte der neue irakische Vatikan-Botschafter Rahman F. al-Amiri sein Beglaubigungsschreiben. Al-Amiri traf bereits als designierter Botschafter am 3. September mit dem Protokollchef des vatikanischen Staatssekretariats, Msgr.Joseph Murphy, zusammen. Der irakische Diplomat bekundete – laut Kommunique seiner Botschaft – seine Freude über die Aufgabe als irakischer Vertreter beim Heiligen Stuhl und seinen Wunsch, an der Intensivierung des Dialogs zwischen Bagdad und dem Vatikan mitarbeiten zu dürfen. Vor seiner Abreise nach Rom war al-Amiri am 1. Juli mit Kardinal-Patriarch Sako zusammengetroffen; laut Patriarchat ging es im Gespräch nicht nur um die bilateralen Beziehungen zwischen Bagdad und dem Vatikan, sondern auch um die Verbreitung der „Werte der menschlichen Brüderlichkeit und des Zusammenlebens“ im Irak und um die Möglichkeit des Papstbesuchs im Zweistromland.

Eine „Quelle großer Freude“

Für die Kirche im Irak – „für die Christen und das ganze Land, einschließlich der Muslime“ – sei die Ankündigung des Papstbesuchs im März eine „Quelle großer Freude“. Dies stellte der chaldäische Auxiliarbischof Basil Yaldo, einer der engsten Mitarbeiter von Kardinal-Patriarch Mar Louis Raphael Sako, wenige Minuten nach Bekanntwerden der Nachricht in einem Telefonat mit der katholischen Nachrichtenagentur „AsiaNews“ fest. Im Irak habe man seit vielen Jahren auf diese Nachricht gewartet, „eigentlich seit dem Jahr 2000, als es erste Überlegungen für einen Besuch von Papst Johannes Paul II. im Zweistromland gab“. Bischof Yaldo ist der kirchliche Koordinator im Irak für de Papstbesuch. Er erinnerte daran, dass es schon 2019 intensive Gespräche über einen Besuch von Papst Franziskus gegeben habe, aber die Bedingungen seien nicht entsprechend gewesen, „noch weniger als jetzt mit den Schwierigkeiten durch die Covid-19-Pandemie“.
Der Papstbesuch sei eine Bestätigung für die „größere Stabilität der Nation“, was der Arbeit von Staatspräsident Barham Salih und Premierminister Mustafa al-Kadhimi zu verdanken sei, die es verstanden hätten, viele kritische Situationen der Vergangenheit zu überwinden. Der Auxiliarbischof verwies in diesem Zusammenhang auf die Aufmerksamkeit des Staatspräsidenten (der kurdischer Herkunft ist) für Papst Franziskus. Diese Aufmerksamkeit sei auch in zwei offiziellen Besuchen im Vatikan in wenig mehr als einem Jahr zum Ausdruck gekommen. Der Besuch des Papstes sei ein Zeichen „profunder Solidarität mit der ganzen irakischen Nation“, des Friedens und der Brüderlichkeit. Die Muslime seien vielleicht „noch zufriedener als die Christen“ mit der Nachricht, die ganze Nation freue sich. Schon seit geraumer Zeit sei er von muslimischen Führungspersönlichkeiten immer wieder gefragt worden, wann der Papst kommen werde, berichtete Bischof Yaldo. Jetzt sei dieser Moment gekommen.
Das „Herz“ des Papstbesuchs sei die Etappe in Ur, weil Abraham für Christen, Muslime und Juden der „Prophet aller Religionen“ sei, unterstrich der Auxiliarbischof. Abraham sei das „Zeichen der Einheit“ für alle, die in Mesopotamien leben. Der Besuch im Herkunftsort Abrahams sei ein „enormes Symbol der Einheit“ für die monotheistischen Religionen. Die Papstvisite sei ein Anstoß für die Zukunft des Landes und garantiere den Christen, ihrer Präsenz und ihrem Leiden eine große Sichtbarkeit. Besondere Bedeutung schreibt der Koordinator des Papstbesuchs auch der Visite in Mosul zu, denn gerade dort hätten sich die „schlimmsten Barbareien des dschihadistischen Wahns“ ereignet. Der Papst wolle bewusst nach Mosul kommen, um für die Opfer des IS und aller Gewalttaten in der Stadt zu beten.
Im Hinblick auf den Papstbesuch hätten die Christen im Irak ein „besonderes Weihnachten“ vor sich, betonte der Auxiliarbischof: „Wir müssen intensiv arbeiten, damit der Besuch den historischen, kulturellen und religiösen Wert erhält, den er verdient“, sagte Bischof Yaldo abschließend.

„Schluss mit den Kriegen“

„Die Ankündigung des Papstbesuchs hat uns mit großer Freude erfüllt“, sagte der chaldäisch-katholische Patriarch, Kardinal Mar Louis Raphael Sako, im Gespräch mit den Vatikan-Medien: „Wenn der Papst zu uns kommt, dann bedeutet das, dass er den Christen des Orients, den Menschen im Nahen Osten, die seit längerem in Unsicherheit und Angst leben, seine Unterstützung bringt, aber auch Hoffnung auf eine bessere Situation“. Der Besuch von Papst Franziskus sei eine Pilgerfahrt, die „eine Botschaft menschlicher Brüderlichkeit enthält“. Die Enzyklika „Fratelli tutti“ habe nicht nur für die Christen Sinn, sondern für alle Menschen in den nahöstlichen Ländern, so der chaldäische Patriarch: „Schluss mit den Kriegen, Schluss mit den Konflikten, Schluss mit dem Tod, der Zerstörung und der Korruption“. Es gehe vielmehr darum, Vertrauen, Frieden, Stabilität und menschliche Solidarität aufzubauen. Der Besuch im Irak sei von Seiten des Papstes ein „starker Augenblick“ der Verkündigung der Wahrheit: „Es ist ein sehr mutiger Akt, vor allem in dieser Zeit“.
Der Papst habe seit längerem den Wunsch gehabt, das Land Abrahams zu besuchen, sagte der Kardinal-Patriarch. Aber erst jetzt gebe es eine entsprechende Haltung der irakischen Regierung. Der irakische Präsident sei mit dem Papst zusammengetroffen und habe ihn eingeladen. Er hoffe, dass jetzt alles für die Verwirklichung des Besuchs positiv sei., so Mar Louis Raphael Sako. Papst Franziskus habe am Beginn seines Pontifikats gesagt, er sei bereit, überallhin zu gehen, wo es notwendig erscheint. Das verwirkliche er jetzt. Wörtlich fügte Mar Louis Raphael Sako hinzu: „Wir Christen im Nahen Osten, im Irak, in Syrien, im Libanon haben kein anderes Mittel zu unserer Verteidigung als Gebet und Hoffnung. Das einzige, was uns Kraft verleiht, ist unser Glaube“. Die Christen seien eine Minderheit in Schwierigkeiten, im Verlauf der letzten 20 Jahre hätten sie im Irak so viel gelitten: „Und wenn man dann noch an Syrien, den Libanon denkt – es ist eine Katastrophe“. Der Papst werde eine prophetische Botschaft verkünden, um den Augen der irakischen Bürger, „aber auch denen der Bürger der umliegenden Länder“ einen neuen Horizont der „Brüderlichkeit, des Respekts, des harmonischen Zusammenlebens“ zu eröffnen.
Der Kardinal-Patriarch räumte ein, dass er „seit mehr als einem Monat“ vom Entschluss des Papstes Kenntnis gehabt habe. Schon da hätten die Vorbereitungen begonnen. Der Besuch des Papstes sei „wie ein neues Weihnachten“. Der Papst sei ein Vater für alle, „auch die Muslime respektieren ihn. Die Leute erwarten ungeduldig diesen Besuch, um den Papst zu hören“.