Papst für „Wiederherstellung der vollen Gemeinschaft“ zwischen Ost und West

Vatikanische Delegation unter Leitung von Kardinal Koch bei Andreas-Gottesdienst in der Georgskathedrale in Konstantinopel

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Foto: © Klearchos Kapoutsis from Santorini (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution 2.0 Generic)

Konstantinopel-Vatikanstadt, 30.11.19 (poi) Die „Wiederherstellung der vollen Gemeinschaft“ zwischen den Christen des Ostens und des Westens bezeichnete Papst Franziskus in seiner Botschaft zum Andreas-Fest an den Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomaios I., als „unerschütterliche Absicht der katholischen Kirche“. Der Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, Kardinal Kurt Koch, hat am Samstag die Botschaft des Papstes zum Andreas-Fest – dem Patronatsfest der Kirche von Konstantinopel – an Bartholomaios I. übergeben. Papst Franziskus erinnert in seiner Botschaft „mit großer Freude und in tiefer Gemeinschaft des Glaubens und der Liebe“ an die Gründung der „Internationalen Kommission für den theologischen Dialog zwischen der katholischen Kirche und der orthodoxen Kirche“ vor 40 Jahren. Diese Kommission habe „viele wichtige Fortschritte“ erzielt, so der Papst. Daher wolle er allen früheren und gegenwärtigen Mitgliedern von Herzen für ihren engagierten Einsatz danken. Papst Johannes Paul II. habe 1979 im Phanar die Frage gestellt, ob „wir das Recht haben, getrennt zu bleiben“ statt über darüber zu diskutieren, „wie wir die vollständige Gemeinschaft wiederherstellen können“. Diese Frage, die nur scheinbar rhetorisch sei, fordere die Kirchen weiterhin heraus und fordere, dass alle Gläubigen mit einer Erneuerung ihrer Haltung und ihres Verhaltens antworten.

Die Suche nach der vollen Einheit zwischen Katholiken und Orthodoxen beschränke sich nicht auf den theologischen Dialog, sondern werde auch in anderen Bereichen des kirchlichen Lebens wirksam, so Papst Franziskus. Diese Beziehungen würden vor allem durch „authentische Gesten des gegenseitigen Respekts und der Wertschätzung genährt“. Solche Handlungen zeigten eine gemeinsame Treue zum Wort Jesu Christi und den Willen, „in seiner Liebe zusammen zu bleiben“. Diese Nächstenliebe sei eine Frucht des Heiligen Geistes und ein Zeichen echten christlichen Lebens.

Die katholische und die orthodoxe Kirche hätten die vielversprechende ökumenische Reise bereits angetreten, wie „die gemeinsamen Initiativen bezeugen“, stellte Papst Franziskus fest: „Ich vertraue darauf, dass wir alle in lokalen Kontexten den täglichen Dialog zwischen Liebe und Leben in gemeinsamen spirituellen, pastoralen, kulturellen und karitativen Projekten verstärken werden“.

Die katholische Delegation, der der Sekretär des Päpstlichen Ökumene-Rates, Bischof Brian Farrell, und Vizesekretär Andrea Palmieri angehörten, nahm am Festgottesdienst in der Georgskathedrale teil. Anschließend sei man zu einem Gespräch mit dem Patriarchen zusammengetroffen, ebenso mit der Kommission, die für den Dialog mit der katholischen Kirche zuständig ist. Bei dem Treffen waren der emeritierte Metropolit von Pergamon,  Ioannis (Zizioulas),  und der Kovorsitzende der katholisch-orthodoxen Dialogkommission,  Erzbischof Job (Getcha; er ist auch Repräsentant des Ökumenischen Patriarchats beim Weltkirchenrat), anwesend.

Beim Vespergottesdienst zum Andreas-Fest waren in der Georgskathedrale auch der Patriarch von Alexandrien, Theodoros II., und eine Delegation der neugegründeten autokephalen „Orthodoxen Kirche der Ukraine“ anwesend. Theodoros II. ersuchte darum, die „Grüße der historischen Patriarchate“ an die Ukraine zu übermitteln. Im Hinblick auf die kritischen Anfragen um die Begründung der „Orthodoxen Kirche der Ukraine“ sagte Theodoros II., die „historischen Patriarchate“ wie Alexandrien stellten keine Fragen nach der „historischen Evidenz“, weil sie selbst Geschichte seien.  Wenige könnten die Ukraine so verstehen wie er, sagte Theodoros II.  im Hinblick auf seine mehrjährige Tätigkeit als alexandrinischer Exarch in Odessa.