Papst hofft auf „Wiederherstellung der vollen kirchlichen Einheit“

Trotz Corona reiste hochrangige vatikanische Delegation unter Leitung von Kardinal Koch zum Andreas-Fest nach Konstantinopel – Bei der Liturgie in der Georgskathedrale im Phanar wurde das handschriftliche Schreiben des Papstes an den Ökumenischen Patriarchen verlesen - Papst Franziskus nahm Bezug auf die berühmte Ökumene-Enzyklika des Heiligen Synods des Ökumenischen Patriarchats von 1920

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Foto: © bph / Werner Kaiser (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution 3.0 Unported)

Konstantinopel-Vatikanstadt, 30.11.20 (poi) Seine Hoffnung auf „Wiederherstellung der vollen kirchlichen Einheit in der Teilnahme am selben eucharistischen Altar“ betonte Papst Franziskus in einer handschriftlichen Botschaft an den Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I., die am Montag beim feierlichen Gottesdienst zum Andreas-Fest – dem Fest des Patrons der Kirche von Konstantinopel – in der Georgskathedrale im Phanar verlesen wurde. Die Botschaft wurde vom Präsidenten des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, Kardinal Kurt Koch, überbracht, der in Begleitung des Sekretärs des Rates, Bischof Brian Farrell, und des Vizesekretärs, Msgr. Andrea Palmieri, an den Bosporus gekommen war. Dem Papst war es ein Anliegen, dass trotz der Corona- Restriktionen eine vatikanische Delegation zum Andreas-Fest nach Konstantinopel reist. In den gegenseitigen Besuchen zu den Patronatsfesten der Kirchen von Konstantinopel und von Rom soll zum Ausdruck kommen, dass Petrus und Andreas Brüder waren und dass diese Brüderlichkeit auch für heute gilt. In seiner Botschaft erinnerte Papst Franziskus daran, dass er selbst bei den verschiedenen Begegnungen mit dem Ökumenischen Patriarchen diese Brüderlichkeit erlebt habe. Zugleich stellte er fest, dass „der Wunsch nach einer größeren Nähe und Verständigung zwischen den Christen“ im Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel schon offenbar war, bevor sich die katholische Kirche und die anderen Kirchen im Dialog engagierten. Dies sei klar ersichtlich aus der vor genau 100 Jahren – 1920 – vom Heiligen Synod des Ökumenischen Patriarchats an die Kirchen in aller Welt gerichteten Enzyklika. Der Papst zitierte aus diesem Dokument: „Wenn die verschiedenen Kirchen von der Liebe geprägt sind und diese in ihrem Urteil über die anderen und in den Beziehungen untereinander vor alles andere stellen, können sie die bestehenden Meinungsverschiedenheiten möglichst vermindern statt sie zu vergrößern und auszuweiten. Durch das brüderliche Interesse am Zustand, an der Stabilität und am Wohl der anderen Kirchen können sie jedesmal, wenn sich die Gelegenheit ergibt, die hilfreiche Hand reichen und viele gute Dinge zum Nutzen der ganzen Christenheit und des Fortschritts der Einheit verwirklichen“.

Gott sei Dank seien die Beziehungen zwischen der katholischen Kirche und dem Ökumenischen Patriarchat während der letzten 100 Jahre stark gewachsen, auch wenn das Ziel „der Wiederherstellung der vollen Einheit in der Teilnahme am selben eucharistischen Altar“ weiterhin nur ein Wunsch sei, so der Papst. Trotz der noch verbliebenen Hindernisse vertraue er aber darauf, dass auf dem „gemeinsamen Weg in der gegenseitigen Liebe“ und in Fortführung des theologischen Dialogs das Ziel erreichbar sei.

Am Beginn seines Schreibens verwies Papst Franziskus auf seine Freude über die Anwesenheit von Bartholomaios I. beim Assisi-Folgetreffen in Rom am 20. Oktober. Zugleich brachte der Papst seine Sorge darüber zum Ausdruck, dass zugleich mit den Herausforderungen der Corona-Pandemie viele Teile der Welt vom Krieg betroffen sind und neue bewaffnete Konflikte unzähligen Menschen das Leben rauben. Alle nationalen und internationalen Initiativen zur Förderung des Friedens seien nützlich und notwendig, aber Konflikte und Gewalt würden niemals aufhören, solange die Menschen nicht ein tieferes Bewusstsein dafür gewinnen, dass sie „als Brüder und Schwestern eine wechselseitige Verantwortung tragen“, betonte Papst Franziskus. In diesem Zusammenhang hätten die christlichen Kirchen – gemeinsam mit den anderen religiösen Traditionen – „die erstrangige Pflicht, ein Beispiel des Dialogs, des gegenseitigen Respekts und der praktischen Zusammenarbeit zu geben“.

An der Liturgie in der Georgskathedrale nahmen auch eine Delegation der autonomen orthodoxen Kirche von Finnland und der ukrainische Ministerpräsident Denys A. Schmyhal teil.