Pastoralbesuch des serbischen Patriarchen im Kosovo

Das Oberhaupt der serbisch-orthodoxen Kirche appellierte an die Gläubigen, auch unter schwierigen Bedingungen auszuharren – Besuche u.a. in Pec, Decani und Prizren, aber auch in kleineren serbischen Enklaven

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Foto: © Micki (Quelle: Wikimedia, Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

Pristina, 16.04.19 (poi) Der serbische Patriarch Irinej hat dem Kosovo und der Metochie einen Pastoralbesuch abgestattet. Erste Station war das Patriarchenkloster in Pec (der eigentliche Sitz des serbischen Patriarchats), wo Patriarch Irinej am 12. April vom Bischof von Raska und Prizren, Teodosije (Sibalic), empfangen wurde. Mit seinen Kirchen, Kunstschätzen und Schreinen gilt das Patriarchenkloster, dessen älteste Bauteile auf die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts zurückgehen, als Schatzkammer serbischer Geschichte und heiligster Ort der serbisch-orthodoxen Kirche. Im Juli 2006 wurde es in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen.

Patriarch Irinej ging mit seiner Begleitung durch die Straßen der Stadt und sprach mit vielen Gläubigen; dabei besuchte er auch die Metropolitankirche, die vor 15 Jahren beim März-Pogrom zerstört worden war und jetzt wieder aufgebaut werden konnte. Er rief die Serben immer wieder dazu auf, im Kosovo zu bleiben und bekundete seine Freude darüber, dass unter den Gläubigen so viele Kinder waren. Im Patriarchat empfing er Gymnasiasten aus verschiedenen serbischen Orten, diskutierte ausführlich mit ihnen und machte sie darauf aufmerksam, dass sie berufen seien, die Verantwortung für die serbische Gemeinschaft im Kosovo und in der Metochie zu übernehmen.

Am 13. April war der Patriarch zu Gast im Kloster Decani, wo er von Abt Sava Janjic herzlich empfangen wurde. Das Kloster Visoki Decani ist das bedeutendste Kloster des Kosovo, Grablege des heilig gesprochen serbischen Königs Stefan Uros III. Die Klosterkirche, eine fünfschiffige Basilika, ist vollständig mit Fresken ausgeschmückt; diese zwischen 1335 und 1350 entstandenen Fresken gehören zu den bedeutendsten Beispielen der „Paläologischen Renaissance“.

In der Zeit des Kosovo-Krieges erlangte Kloster Decani internationale Notorietät durch die Tätigkeit von Abt Sava, der als „Cyber Monk“ bekannt wurde und die Internet-Präsenz des Klosters aufbaute. Der Abt prangerte die Vertreibung der serbischen Bevölkerung aus den umliegenden Orten durch die Banden des albanischen Extremisten (und späteren kosovarischen Ministerpräsidenten) Ramush Haradinaj an, nahm aber auch viele von den serbischen Sicherheitskräften verfolgte Albaner im Kloster auf. Mehrfach wies Sava Janjic albanische Unterstellungen zurück, die das Kloster diskreditieren sollten, etwa als behauptet wurde, im Kloster Decani hätten serbische paramilitärische Einheiten Unterschlupf gefunden oder der serbische Nationalistenführer Vojislav Seselj habe sich mit den Mönchen getroffen. Nach dem Einmarsch der NATO-Truppen blieb die Sicherheitslage für Decani extrem angespannt. Seit 1999 gab es Dutzende Überfälle albanischer Extremisten auf das Kloster, die nur dank der Wachsamkeit der in Decani stationierten NATO-Einheiten abgewehrt werden konnten.

Patriarch Irinej verehrte in Decani die Reliquien des heiligen Königs Stefan und nahm am Vespergebet der Mönche teil. In seiner Predigt hob der Patriarch die Bedeutung des Klosters Decani hervor, dessen Mönche Jahrhunderte hindurch ohne Furcht den wahren Glauben an Jesus Christus bekannt hätten. Das Kloster sei von größter Wichtigkeit für Geschichte, Gegenwart und Zukunft der serbisch-orthodoxen Kirche und des Kosovo. Aus Anlass des Besuches von Patriarch Irinej hatten sich zahlreiche serbische Pilger in Decani eingefunden, aber auch eine Gruppe japanischer Touristen, die ihren Respekt für den Patriarchen und das serbische Volk bekundeten.

Am 14. April besuchte der serbische Patriarch eine Reihe von serbischen Enklaven im Kosovo, deren Bewohner unter schwierigen Bedingungen leben müssen. Der erste Besuch galt Orahovac, wo Patriarch Irinej die Göttliche Liturgie in der örtlichen Kirche der Entschlafung der Muttergottes feierte. Anschließend fuhr der Patriarch auch in die Ortschaften  Velika Hoca und Zociste. Überall bekundete er seine Freude über die Begegnung mit dem “treuen serbischen Volk” und ermutigte die orthodoxen Christen, dem Glauben und der Heimat treu zu bleiben.

Einen Höhepunkt der Pastoralreise bildete am 15. April der Besuch in Prizren, wo Patriarch Irinej zunächst im Erzengelkloster unweit der Stadt betete; Abt Mihailo erläuterte dem Kirchenoberhaupt den Fortgang der Restaurierungsarbeiten an dem schwer beschädigten Kloster, das eine Stiftung des serbischen Kaisers Dusan ist. In Prizren betete der Patriarch in der Bogorodica Leviska-Kirche (die er als eine der schönsten orthodoxen Kirchen weltweit bezeichnete), feierte den Abendgottesdienst in der Georgskathedrale mit und “visitierte” das orthodoxe Priesterseminar. Irinej hatte selbst dort studiert und war dann länger als ein Jahrzehnt Lehrer und Regens an diesem Seminar mit seiner angesehenen theologischen Schule.

Anschließend besuchte der Patriarch die Enklaven von Strbac und Stanishor, wo er von hunderten Gläubigen vor der Musikschule „Stevan Hristic“ willkommen geheißen wurde. Lehrer und Schüler gaben ein Konzert, bei dem sich junge Talente präsentierten, die schon bei zahlreichen Wettbewerben Preise gewonnen hatten. Bei strömendem Regen besuchte Patriarch Irinej dann das Kloster Draganac, wo zahlreiche Pilger auf ihn warteten. Weitere Stationen waren die Enklaven Bostan und Prekovac (wo die Suppenküche der Diözese Raska-Prizren besichtigt wurde). Von dort ging es dann nach Gracanica unweit von Pristina, wo Bischof Teodosije seinen Sitz hat.