Patriarch Sako möchte beim Papstbesuch im Irak Begegnung mit den Schiiten

Papst Franziskus soll die „Heilige Stadt“ Nadschaf besuchen und mit Großayatollah al-Sistani zusammentreffen – Aus Ur, der Heimatstadt Abrahams, soll eine Botschaft an die ganze Welt hinausgehen: „Im Glauben sind wir alle Kinder Abrahams“

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Foto ©: Mar Louis Raphael I Sako / Facebook

Bagdad, 18.12.20 (poi) Der chaldäisch-katholische Patriarch, Kardinal Mar Louis Raphael Sako, setzt sich weiterhin dafür ein, dass in das Programm des Irak-Besuchs von Papst Franziskus (5. bis 8. März 2021) auch eine Visite in der schiitischen „Heiligen Stadt“ Nadschaf im Südirak und eine Begegnung mit dem dort residierenden Großayatollah Ali al-Sistani einbezogen wird. Die Begegnung zwischen Papst und Großayatollah war von Anfang an Bestandteil des Konzepts von Kardinal Sako für den Papstbesuch. Er plädiert dafür, dass Papst Franziskus mit al-Sistani ein Dokument promulgiert, wie er es am 4. Februar 2019 in Abu Dhabi getan hatte, als er dort mit dem Großimam der Al-Azhar-Universität, Ahmed al-Tayyeb, die „Gemeinsame Erklärung über Brüderlichkeit aller Menschen für ein friedliches Zusammenleben in der Welt“ unterzeichnete.

Im Gespräch mit der italienischen katholischen Nachrichtenagentur SIR berichtete der Kardinal-Patriarch, dass „Verantwortliche aus Nadschaf“ um den Besuch des Papstes gebeten hätten. Er habe diesen Wunsch an den Heiligen Stuhl weitergeleitet, weil er wisse, dass Papst Franziskus „ein Mann des Dialogs“ ist. Der Papst sei mit der höchsten sunnitischen geistlichen Autorität zusammengetroffen, jetzt sei es besonders wichtig, dass es auch eine Begegnung mit einer der höchsten schiitischen Autoritäten gebe, so Sako. Das könne „enorme Auswirkungen“ auf internationaler Ebene auf „das friedliche Zusammenleben und den Dialog“ haben. Das am 4. Februar 2019 in Abu Dhabi unterzeichnete Dokument sei ein „universaler Text“, da werde man „nichts ändern müssen“. Kardinal Sako verwies darauf, dass Papst Franziskus in seiner am 4. Oktober veröffentlichten dritten Enzyklika „Fratelli tutti“ gerade auf diese gemeinsame Erklärung Bezug genommen habe. Auch aus diesem Grund werde im Logo des Papstbesuchs im Irak auf aramäisch, arabisch, englisch und kurdisch der Vers „Ihr alle aber seid Brüder“ aus dem Matthäus-Evangelium (Kapitel 23, Vers 8) zitiert.

Papst Franziskus werde am 5. März in Bagdad ankommen, wo zunächst eine Begegnung mit den Spitzenpersönlichkeiten der irakischen Politik vorgesehen sei. Anschließend werde der Papst mit dem katholischen Klerus zusammentreffen. Am Morgen des 6. März ist der Transfer nach Ur, in die Heimat Abrahams, vorgesehen, wo eine interreligiöse Feier stattfinden wird – „mit Christen und Muslimen, aber auch Juden, Mandäern und Jesiden“, wie Sako betonte. Im Mittelpunkt der Feier stehe Abraham, auf den sowohl in der jüdischen und christlichen Bibel, als auch im Koran zahlreiche Passagen Bezug nehmen. Kardinal-Patriarch Sako: „Von Ur könnte eine Botschaft an die ganze Welt hinausgehen: Im Glauben sind wir alle Kinder Abrahams“. Am Abend erfolge dann die Rückkehr nach Bagdad, wo Papst Franziskus in der chaldäischen Kathedrale die Messe feiern wird. Am Sonntag, 7. März, werde Papst Franziskus nach Erbil, in die Hauptstadt der kurdischen autonomen Region, fahren. Anschließend seien Etappen in Mosul und Bagdida (Qaraqosh) vorgesehen. Dort werde der Papst die Christen ermutigen, in der Hoffnung auszuharren “und das Vertrauen wieder aufzubauen“. Am Abend sei die sonntägliche Liturgiefeier im Stadion der kurdischen Hauptstadt vorgesehen. Am Montag, 8. März werde dann von Bagdad aus die Rückkehr nach Rom erfolgen. Der chaldäische Patriarch hofft, dass am Montagvormittag Zeit für die Visite in Nadschaf gefunden wird. Die Papstvisite in der schiitischen „Heiligen Stadt“ wäre ein überaus wichtiges Signal, so Sako. Die irakischen Muslime hätten großen Respekt vor Papst Franziskus. Erst vor kurzem habe er ein Gespräch mit einem wichtigen schiitischen Würdenträger gehabt, der den Wunsch der Schiiten nach Beteiligung am Papstbesuch betont hätte, berichtete der Patriarch. Kardinal Sako verfügt über gute Kontakte in schiitische Milieus. Erst am 16. Dezember wurde er mit dem „Hani-Fahs-Preis“ für Dialog und Verteidigung des Pluralismus ausgezeichnet. Der Politologe Syyed Hani Fahs gehörte dem Hohen Schiitischen Rat des Libanons an und war Gründungsmitglied des „Arabischen Komitees für den islamisch-christlichen Dialog“. 

Sehr zufrieden äußerte sich der Kardinal-Patriarch über die Erfahrungen mit dem erstmals im Irak als nationaler Feiertag begangenen Weihnachtsfest. Die Anerkennung des Festes der Geburt Christi als nationaler Feiertag sei für alle Christen sehr wichtig, weil das bedeute, dass ihre Geschichte und ihr Glaube anerkannt werden. Bei der Mitternachtsmette in der chaldäischen Kathedrale in Bagdad sei Staatspräsident Barham Salih anwesend gewesen, der auch eine Ansprache gehalten habe. Auch schiitische religiöse Repräsentanten, Diplomaten und sonstige wichtige Persönlichkeiten waren in der Kathedrale. Die Präsenz dieser Repräsentanten im christlichen irakischen Volk sei eine Geste von großer Bedeutung. „Ich kann sagen, dass eine neue Phase begonnen hat“, stellte der Kardinal-Patriarch fest.

In einem Interview mit „AsiaNews“ am 15. Dezember hatte Sako angekündigt, dass die Kirchen im Irak zu Weihnachten selbstverständlich offen sein würden: „Die Christbäume sind geschmückt, wir werden das Fest feiern, aber die sanitätspolizeilichen Auflagen – „social distancing“, Masken usw. – genau einhalten. Das Coronavirus kann Weihnachten nicht stoppen, es wird mehr Messfeiern geben, die auch im Fernsehen und über die ‚Social media‘ übertragen werden“. Corona werde auch den Papstbesuch nicht beeinträchtigen können: „Papst Franziskus wird die Herzlichkeit der Leute sehen, ihre Liebe, eine Aufnahme, die viel positive Emotionen auslösen wird“. Der Besuch des Papstes werde den Menschen im Irak Trost wegen der Leiden der Vergangenheit bringen, aber auch Vertrauen in die Zukunft, einen neuen Impuls zur Parteinahme für das Gute, zur Lösung der Probleme in einer Perspektive der gleichen Bürgerrechte für alle und des Zusammenlebens. „Wir sind Brüder im gemeinsamen Haus Mesopotamien, dem Land von Abraham, Ezechiel, Jonah…viele Texte der Bibel handeln im Irak, der ein Heiliges Land ist wie Palästina. Die Kirche dieses Landes ist eine der ältesten“.