Patriarch von Jerusalem betont Doppelgebot der Liebe

Gottesdienste des orthodoxen Patriarchats in der Osterzeit wurden über Livestream von Millionen Menschen mitverfolgt

0
147
Foto: © Michał Józefaciuk (Quelle: Wikimedia, Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Poland)

Jerusalem, 28.04.20  (poi) Die zentrale Bedeutung der Nächstenliebe hat der orthodoxe Patriarch von Jerusalem, Theophilos III., in einem Interview mit der Kommunikationsdirektorin des Weltkirchenrechts, Marianne Ejdersten, betont. Der Patriarch verwies auf den Ersten Johannes-Brief: „Wenn jemand sagt: Ich liebe Gott, aber seinen Bruder hasst, ist er ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, kann Gott nicht lieben, den er nicht sieht“. Zugleich unterstrich der Patriarch, dass die orthodoxe Kirche im Sinn des Jesus-Worts „Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört“ auch in Zeiten des Corona-Virus ihr gottesdienstliches Leben bewahre, „aber innerhalb der von den Behörden festgesetzten Grenzen“, d.h. ohne die physische Anwesenheit der Gläubigen.

Jesus habe im Doppelgebot der Gottes- und Nächstenliebe „das Gesetz und die Propheten“ zusammengefasst, so Theophilos III. Dieses Gebot bestimme auch die Aktivität  des orthodoxen Patriarchats von Jerusalem. Das diakonische Handeln des Patriarchats gelte vor allem den älteren und den verletzlichen Menschen. Zugleich sei das Gebet auf die Befreiung von der Corona-Pandemie ausgerichtet, so Theophilos III.

In der Osterzeit seien die über Livestream übertragenen Gottesdienste des orthodoxen Patriarchats von Jerusalem von Millionen Interessenten aus aller Welt mitverfolgt worden, stellte Theophilos III. fest. Die Menschen – „sowohl mit orthodoxem als auch mit anderskonfessionellem oder mit nichtreligiösem Hintergrund“ – hätten eine tiefe Sehnsucht nach Verbindung mit den „Heiligen Orten“. Die Tatsache, dass an diesen  Orten für das Heil aller Menschen – und auch für die Befreiung vom Virus – gebetet werde, sei tröstlich für alle. Die Hoffnung der Auferstehung gelte dem Sieg Gottes über alles Böse. Die Überwindung des Dunkels durch das Licht Gottes sei das „Unterpfand des ewigen Lebens bei Gott“.

Die christlichen Kirchen in der Heiligen Stadt seien ein „lebendiges Zeugnis“ des  Gebets am Ort der Kreuzigung, des Begräbnisses und der Auferstehung Jesu, so Patriarch Theophilos III. Als Hirten der Herde Christi seien die Bischöfe berufen, den Geist lebendig zu halten und die Botschaft der Hoffnung zu verbreiten. Gerade in der jetzigen Situation hätten die Bischöfe die Aufgabe, die Kleinmütigen, die Schwachen und Kranken zu ermutigen und alle in Augenblicken der Ungewissheit, der Angst und des Leids zu stärken.  Zugleich müssten die Bischöfe aber auch die Gläubigen dringend einladen, die Richtlinien der Behörden zu befolgen, die im Interesse von Sicherheit und Gesundheit der Menschen erlassen worden seien.