Patriarchen und Bischöfe von Jerusalem in tiefer Trauer über Terror in Sri Lanka

Auch die traditionelle österliche Begegnung zwischen den Franziskanern der Heiligen Stadt und den Delegationen der örtlichen Kirchen stand ganz im Zeichen der Erschütterung über die Bluttaten

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Foto: © Wayne McLean, user jgritz (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution 2.0 Generic)

Jerusalem, 24.04.19 (poi) Die Patriarchen und Bischöfe von Jerusalem haben in einer gemeinsamen Erklärung die Terrorattacken auf Kirchen in Sri Lanka scharf verurteilt. „Wir sind zutiefst betrübt über die schrecklichen Gewaltakte gegen schuldlose und gläubige Menschen während der Ostergottesdienste“, heißt es in der Erklärung: „Die Kirchen von Jerusalem bringen gegenüber den christlichen Gemeinden, den Familien und Freunden der Todesopfer und Verletzten ihre tief empfundene Anteilnahme zum Ausdruck“. Die Patriarchen und Bischöfe der Heiligen Stadt seien solidarisch mit der ganzen Bevölkerung von Sri Lanka, vor allem mit den direkt von den terroristischen Akten Betroffenen. Das Gebet gelte der Hoffnung, dass Gott dem Volk von Sri Lanka den wahren Frieden und seinen Trost zuwenden wird und „Gewalt und Blutvergießen in aller Welt unterbinden“ möge. Die Erklärung trägt u.a. die Unterschriften des orthodoxen Patriarchen Theophilos III., des Apostolischen Administrators des lateinischen Patriarchats, Erzbischof Pierbattista Pizzaballa, und des Franziskaner-Kustos des Heiligen Landes, P. Francesco Patton.

Auch die traditionelle österliche Begegnung zwischen den Franziskanern von Jerusalem und den Delegationen der örtlichen Kirchen stand ganz im Zeichen der Erschütterung über die Bluttaten in Sri Lanka. Der orthodoxe Patriarch Theophilos III. gedachte bei seinem Besuch im Kloster San Salvatore in bewegten Worten der Opfer der Attentate in Sri Lanka. Zugleich erinnerte er daran, dass die Pilgerfahrt nach Jerusalem für Christen aus aller Welt eine Quelle des Trostes sei. Viele Pilger kämen erschöpft in der Heiligen Stadt an „und machen hier die Erfahrung einer neuen Energie, die sie erneuert und stärkt“. Der armenisch-apostolische Patriarch Nourhan Manougian stellte fest, dass die Christen an diesem Osterfest sowohl durch den Brand der Pariser Kathedrale Notre-Dame als auch durch die Terrorattentate in Sri Lanka zutiefst betrübt seien. Im Hinblick auf die Attentate betonte der Patriarch, dass Gewalt niemals ein Mittel der Problemlösung sein könne. Vielmehr gehe es darum, die neuen Generationen zum Dialog zu erziehen, damit es nicht nur bei Gipfeltreffen bleibt, sondern möglichst viele Menschen erreicht werden. Nur so könne an die Stelle des unmoralischen Verhaltens des Terrors die Nächstenliebe treten.  Der koptisch-orthodoxe und der (neugeweihte) syrisch-orthodoxe Erzbischof riefen zum Gebet für die verfolgten Christen auf, denn die Christenheit sei „ein Leib und wenn einzelne Glieder leiden, leiden alle mit“.

Erzbischof Pizzaballa, der mit einer Delegation der katholischen Kirche das Salvator-Kloster besuchte, erinnerte daran, dass in den letzten Jahren die wichtigsten christlichen Feste oft von Tragödien überschattet seien, „gleichsam als ob die Besinnung auf Geburt, Tod und Auferstehung Jesu eine Störung sei“. Umso wichtiger sei es, dass die Christen „fröhliche Zeugen des auferstandenen Christus“ seien.

„Internationale Kräfte hinter den Attentaten“

Der Erzbischof von Colombo, Kardinal Albert Malcolm Ranjith, hat inzwischen in einem Interview mit der italienischen katholischen Nachrichtenagentur SIR scharfe Kritik an Versäumnissen des ceylonesischen Sicherheitsapparates geübt. Der Kardinal nahm u.a. auf die Nachricht Bezug, dass Funktionäre des Geheimdienstes von Sri Lanka konkrete Informationen über die Möglichkeit von Anschlägen nicht beachtet hätten. „Das ist eine überaus schwerwiegende Sache, denn das bedeutet, dass das Massaker hätte vermieden werden können“, so der Erzbischof von Colombo im SIR-Interview. Viele Menschen in Sri Lanka seien zornig, „aber was können wir tun, wenn die Sicherheitsbehörden nicht ihre Pflicht erfüllen“. Was die Menschen jetzt von der Regierung erwarteten, sei eine minuziöse Aufklärung der Verbrechen und die entsprechende Bestrafung der Schuldigen.

Wenig abgewinnen kann der Kardinal der Theorie, dass es sich bei den Anschlägen in Sri Lanka um eine „Vergeltung“ für das Blutbad in zwei Moscheen im neuseeländischen Christchurch handle: „Wenn das so wäre, hätten die Attentäter das australische Heimatland des Massenmörders von Christchurch treffen müssen. Sri Lanka hat mit dem nichts zu tun“. Ranjith äußerte die Befürchtung, dass hinter den Attentaten in Sri Lanka internationale Kräfte stehen, „die sich in unserem Land breitmachen wollen und die Terroristen dazu benützen, um uns einzuschüchtern“. Der Kardinal glaubt nicht, dass es durch die Attentate zu einer Verschlechterung des interreligiösen Klimas in der Inselrepublik kommen könnte: „Die Terroristen sind keine gläubigen Muslime, sondern Verbrecher, die den Islam benützen. Es gibt keine Probleme zwischen den Religionsgemeinschaften, hier geht es vielmehr um Politik“.

Ranjith verweist auf die geographische Situation der Insel in unmittelbarer Nähe zum indischen Subkontinent, hier könnten große „geopolitische und wirtschaftliche Interessen“ im Spiel sein. Möglicherweise hätten die Terroristen in irgendjemandes Auftrag gehandelt, „es ist schrecklich“. Die katholische Gemeinschaft der Inselrepublik sei zutiefst betroffen. Die Überwindung des Traumas werde lang dauern und viel Arbeit verlangen: „Wir werden alles tun, um im Gebet und durch konkrete Hilfe nahe bei den Menschen zu sein“. Erst wenn die Begräbnisse der Opfer abgeschlossen sind, werde es konkrete Pläne geben. Aus Sicherheitsgründen gibt es kein großes gemeinsames Begräbnis aller Opfer, sondern viele Begräbnisse, die teils vom Kardinal, teils von den Weihbischöfen gehalten werden. Am Donnerstag sollen die letzten Begräbnisse stattfinden.

Seine Mitbürger rief der Erzbischof von Colombo in dem Interview auf, sich von widersprüchlichen Gerüchten nicht in die Irre führen zu lassen, niemanden zu attackieren, sich für Gerechtigkeit für die Opfer einzusetzen, die Harmonie aufrecht zu erhalten und für einen dauerhaften Frieden in der Inselrepublik zu arbeiten. An das Ausland appellierte der Kardinal, sich nicht einzumischen, sondern das Land und seine Entscheidungen zu respektieren und Hilfe zu leisten, wo es notwendig ist.