Patriarchen von Jerusalem zur Coronavirus-Epidemie

Beten und Anweisungen der Zivilbehörden respektieren – Die Geburtsbasilika in Bethlehem ist bereits seit 5. März wegen der Epidemie auf unbestimmte Zeit geschlossen

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Foto ©: Andrew Shiva (Quelle: Wikimedia, Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International)

Jerusalem, 16.03.20 (poi) Angesichts der Coronavirus-Pandemie haben die Patriarchen und Bischöfe von Jerusalem an die Gläubigen appelliert, die Anweisungen der israelischen und palästinensischen Zivilbehörden zu respektieren. In einem gemeinsamen Kommunique, das am 16. März veröffentlicht wurde, publizierten die christlichen Patriarchen und Bischöfe auch gemeinsam ein Gebet, in dem die Hilfe Gottes für die leidende Welt erfleht wird. Wörtlich heißt es in dem Kommunique: „Die Christen sind aufgerufen, diese Zeit im Vertrauen auf Gott, den Vater zu leben, der sich um alle seine Geschöpfe kümmert. Es ist daher gut, das persönliche Gebet, Fasten und karitative Werke zu intensivieren und im Licht der Liebe Gottes zu wandeln“.

Die Coronavirus-Epidemie trifft die Gegend um Bethlehem besonders heftig. Die Stadt, in der Jesus geboren wurde, ist seit zehn Tagen unter Quarantäne gestellt, nachdem in der Region die ersten 16 Fälle von infizierten Personen diagnostiziert wurden. Die erste Infektion wurde in einem Hotel in Beit Jala registriert, in dem einige vom Virus betroffene griechische Pilger untergebracht waren. Wie andere von der Epidemie betroffene Städte gleicht Bethlehem seit Tagen einer Geisterstadt. Auch die Studenten des Lateinischen Patriarchats von Jerusalem verließen das Hauptseminar von Beit Jala und wurden erstmals seit 1936 in das Seminar des Lateinischen Patriarchats in Jerusalem verlegt.

Die Geburtsbasilika in Jerusalem wurde bereits am Nachmittag des 5. März auf Anordnung des palästinensischen Gesundheitsministeriums auf unbestimmte Zeit geschlossen, nachdem im „Angel“-Hotel in Beit Jala Corona-Verdachtsfälle unter dem Personal entdeckt worden waren. Die Verdachtsfälle wurden mit einer griechischen Pilgergruppe in Zusammenhang gebracht, die Ende Februar in Beit Jala untergebracht war. Bei zwei Mitgliedern der Gruppe wurde später eine Coronavirus-Infektion diagnostiziert.  Nach der Anordnung des palästinensischen Gesundheitsministeriums wurde von kirchlicher Seite sofort betont, dass die Entscheidung zu respektieren sei, „weil Sicherheit und Gesundheit Vorrang haben“. Das „Angel“-Hotel steht unter Quarantäne.

Am 5. März folgten die Maßnahmen Schlag auf Schlag. Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas rief einen 30-tägigen Ausnahmezustand für die palästinensischen Gebiete aus, der am 6. März in Kraft trat. Ein- und Ausreisen nach Bethlehem waren seit 5. März abends – und bis auf weiteres – für Israelis und Palästinenser nicht mehr möglich. Der palästinensische Ministerpräsident Mohammed Schtajjeh kündigte am Abend des 5. März an, alle religiösen und Bildungseinrichtungen sowie Nationalparks in den palästinensischen Gebieten zu schließen. Hotelreservierungen für ausländische Touristen würden aufgehoben und alle geplanten Konferenzen gestrichen werden. Er rief dazu auf, Reisen zwischen palästinensischen Städten auf „Fälle dringender Notwendigkeit“ einzuschränken. Größere Versammlungen wurden verboten.

In enger Kooperation zwischen israelischen und palästinensischen Behörden wurde damals eine „Abriegelung“ Bethlehems vereinbart. Die Corona-bedingten israelischen Einreisebestimmungen haben die Situation für den Pilgertourismus vollends unmöglich gemacht: Wer über keinen israelischen Pass verfügt und zudem nicht nachweisen kann, dass er über eine Möglichkeit für die obligate zweiwöchige Heim-Quarantäne verfügt, wurde seit dem 12. März nicht mehr ins Land gelassen.

In normalen Zeiten wird die Geburtsbasilika von bis zu 10.000 Pilgern und Touristen pro Tag aufgesucht. In der Osterzeit steigt die Zahl noch wesentlich. Davon ist jetzt keine Rede mehr. Sofort nach dem Alarm in Beit Jala waren Touristen in Bethlehem und Umgebung aufgefordert worden, die Region nach Ablauf ihres vorbestellten Aufenthalts zu verlassen. Außer der Geburtsbasilika wurden auch andere heilige Stätten für 14 Tage (also bis 19. März) geschlossen. Derzeit ist nicht abzusehen, ob diese Stätten ab 20. März wieder zugänglich sein werden.

Auch Bischöfe blieben angesichts der Corona-Pandemie nicht verschont: Der Jerusalemer Weihbischof Giacinto-Boulos Marcuzzo wurde nach der Heimkehr von einer Italienreise sofort unter Quarantäne gestellt. Die erzwungene Freizeit nutze er zum „Lesen, Beten, Schreiben und Ordnen in der Bibliothek und im Archiv“, erklärte Marcuzzo in einem Schreiben an die Nachrichtenagentur „AsiaNews“. Es gehe ihm gut und er befolge gerne die Anweisungen der Autoritäten des Landes.