Patriarchentreffen im Phanar: „Wir glauben an die Kraft des Dialogs“

Die Begegnung zwischen Bartholomaios I. und Kyrill I. begann mit einer brüderlichen Umarmung – „Es war ein Gespräch zwischen zwei Brüdern“

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Foto ©: www.kremlin.ru (Quelle: Wikimedia, Lizenz: Creative Commons Attribution 4.0 License)

Istanbul, 31.08.18 (poi) Mit einer brüderlichen Umarmung begann am Freitag die Begegnung des Moskauer Patriarchen Kyrill I. mit dem Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. im Phanar, dem Amtssitz des Patriarchen von Konstantinopel.  An dem Gespräch im Thronsaal des Phanar nahmen u.a. auch der Leiter des Außenamts des Moskauer Patriarchats, Metropolit Hilarion (Alfejew), und die Mitglieder des Heiligen Synods des Patriarchats von Konstantinopel – unter ihnen der Metropolit von Paris, Emmanuel (Adamakis) – teil. Bei der Begrüßung sagte Bartholomaios I. laut Bericht der italienischen katholischen Nachrichtenagentur SIR wörtlich: „Wir sind glücklich, heute im Phanar Seine Heiligkeit, Patriarch Kyrill von Moskau und ganz Russland mit seiner Delegation zu empfangen. Jedesmal, wenn wir einander begegnen, ist es eine Freude für beide, weil wir die Möglichkeit haben, Fragen von gemeinsamem Interesse zu diskutieren. Wir glauben an die Kraft des Dialogs. Wenn die Politiker den Dialog benützen, um die Probleme ihrer Ländern zu lösen, müssen wir religiösen Führungspersönlichkeiten den Dialog umso mehr einsetzen, um die Probleme zu lösen. Der Dialog ist der Weg, den uns Gott selbst gewiesen hat“.

Ebenso herzlich waren die Worte von Patriarch Kyrill, der vor der Begegnung mit dem Ökumenischen Patriarchen die Georgskathedrale im Phanar besucht hatte, um dort kurz zu beten. Wörtlich sagte Patriarch Kyrill: „Jedes Mal, wenn ich diesen Ort besuche, werden mir die wichtigen Augenblicke unserer gemeinsamen Geschichte bewusst. In jeder Epoche haben unsere Kirchen verschiedene Herausforderungen zu bewältigen gehabt; es waren Probleme, die vor allem aus der äußeren Welt gekommen sind, aber durch die Gnade Gottes haben wir immer eine gemeinsame Sprache gefunden, ein gemeinsames Verständnis, was zu tun sei und wie wir die Einheit der Kirche bewahren und auf die Herausforderungen der Zeit antworten können“. Auch der Moskauer Patriarch betonte die Bedeutung des Dialogs: „Ich meine, dass es einen Unterschied gibt zwischen dem Dialog, wie ihn die Politiker betreiben und dem Dialog, den wir führen. Im Dialog der Politiker verteidigen alle die Interessen ihrer jeweiligen Länder. Der Dialog, den wir innerhalb der orthodoxen Kirche führen, hat eine andere Natur. Natürlich repräsentieren wir die Interessen unserer Kirchen, aber wir haben immer das Gemeinwohl im Sinn, die Einheit der Heiligen Kirche, ihre Fähigkeit, in der modernen Welt ihre Mission zu erfüllen“. Abschließend sagte Patriarch Kyrill: „Obwohl in diesem Haus mitunter sehr schwierige Fragen behandelt worden sind, habe ich an diesen Ort sehr schöne Erinnerungen, weil wir nie etwas getan haben, das der orthodoxen Kirche schaden könnte“.

Vor dem Abflug nach Moskau sagte der russische Patriarch auf die Fragen von Journalisten, der Dialog mit Bartholomaios I. sei „ein Gespräch zwischen zwei Brüdern“ gewesen, es seien alle Probleme behandelt worden, die auf der Tagesordnung standen, offensichtlich auch die Frage der Situation der Orthodoxie in der Ukraine. Seit dem letzten Zusammentreffen im März 2014 seien „viele Dinge im Leben unserer Kirchen“ geschehen, die „ganze Weltsituation“ habe sich stark verändert. Aber er hoffe, „dass wir weiterhin gemeinsam dafür arbeiten werden, die Welt besser zu machen“.