„Pilgerfahrt“ der Reliquien des Heiligen Spyridon durch Russland

„Zeugnis der brüderlichen Beziehungen zwischen dem griechischen und dem russischen Volk“ – Reliquien des Stadtheiligen von Korfu haben noch nie die Insel verlassen

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Copyright: Museum of Byzantine Culture, Thessaloniki, Greece (Quelle: Wikimedia, Lizenz: Public Domain)

Moskau-Athen, 24.08.18 (poi) Im Zeichen der „brüderlichen Verbundenheit“ zwischen der Kirche von Griechenland und dem Moskauer Patriarchat begann am Freitag die wochenlange „Pilgerfahrt“ der Reliquien des Heiligen Spyridon – des Stadtheiligen von Korfu – durch verschiedene russische Städte. Spyridon ist einer der beliebtesten griechischen Heiligen und wird auch in der russischen Kirche besonders verehrt. Die Präsenz der Reliquien des Heiligen in Russland sei ein Zeugnis der „brüderlichen Beziehungen zwischen dem griechischen und dem russischen Volk“ und eine „Antwort auf alle Versuche von Politikern, diese Beziehungen zu stören“, wie der Leiter des Pressedienstes des Moskauer Patriarchats, der Priester Alexander Wolkow, am Freitag feststellte. Die “Pilgerfahrt” sei von großer Bedeutung für die Gläubigen, die Vertrauen in die Fürsprache des Heiligen hätten.

Das Moskauer Patriarchat sei dem Metropoliten von Korfu, Nektarios (Dovas), besonders dankbar, dass er trotz der schwierigen – von der gegenseitigen Ausweisung von Diplomaten durch Athen und Moskau gekennzeichneten – politischen Situation die „Pilgerfahrt“ der Reliquien nach Russland möglich gemacht habe, betonte Wolkow. Stationen der „Pilgerfahrt“ werden u.a. Jekaterinburg, Krasnojarsk, Kemerowo, Tula, St. Petersburg, Twer, Saratow, Tscheboksary, Jaroslawl und Moskau sein. Die Reliquien des Stadtheiligen von Korfu hatten  in den letzten Jahrhunderten nie die Insel verlassen.

Der Heilige Spyridon (der an der Wende vom 3. zum 4. Jahrhundert gelebt hat) stammte aus Zypern. Der Legende nach war er zunächst Hirte, verheiratet und Vater mehrerer Kinder. Nach dem Tod seiner Ehefrau widmete er sein Leben der Kirche und wurde zum Bischof seiner Heimatstadt geweiht. Nach der Tradition nahm er 325 am ersten kirchlichen Konzil teil, das in Nicäa (heute: Isnik) stattfand (sein Name ist in den Akten nicht belegt). Beim Konzil soll er als entschiedener Gegner der arianischen Häresie (die die Göttlichkeit Jesu leugnete) aufgetreten sein. Bei der ersten islamischen Belagerung Zyperns wurde sein Grab geöffnet, weil man die sterblichen Überreste nach Konstantinopel in Sicherheit bringen wollte. Der Leichnam sei aber nicht verwest gewesen und habe nach Basilikum geduftet.

Nach dem Fall Konstantinopels 1453 brachte der aus Korfu stammende Priester Giorgios Kalochairetis den Leichnam in seine damals venezianische Heimatstadt und vererbte die Reliquie seinen drei Kindern. Als Mitgift gelangten die Reliquien an die Familie Bulgari. Schließlich wurde im Zentrum der Stadt Korfu eine prachtvolle barocke Kirche errichtet, die dem Heiligen geweiht ist und bis heute besteht. Der Heilige Spyridon ist der verehrte und geliebte Patron von Korfu, vier Mal im Jahr werden seine Reliquien in einer Prozession durch die Stadt getragen.