Pompeo würdigt Bartholomaios I. als führende Persönlichkeit der Weltorthodoxie

Der US-amerikanische Außenminister traf im Phanar mit dem Ökumenischen Patriarchen zusammen – Danach besuchte er auch die Rüstem Pascha-Moschee, eines der bedeutendsten Bauwerke des Architekten Sinan – „Der Patriarch ist eine Schlüsselfigur im Einsatz für die Religionsfreiheit in aller Welt“

0
33
Foto: © Massimo Finizio (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution 3.0 Unported)

Konstantinopel, 17.11.20 (poi) Der US-amerikanische Außenminister Michael Pompeo hat am Dienstag bei seiner Begegnung mit Bartholomaios I. im Phanar den Ökumenischen Patriarchen als führende Persönlichkeit der ganzen orthodoxen Welt gewürdigt. Auf Twitter teilte Pompeo nach dem mehr als einstündigen Gespräch mit dem Patriarchen mit, er fühle sich geehrt, dass es möglich war, mit Bartholomaios I. zusammenzutreffen und die Georgskathedrale im Phanar zu besuchen. Wörtlich fügte der Außenminister hinzu: „Als führende Persönlichkeit der orthodoxen Welt ist der Ökumenische Patriarch eine Schlüsselfigur im Einsatz für die Religionsfreiheit in aller Welt“.

Im Mittelpunkt des Gesprächs zwischen Bartholomaios I. und Michael Pompeo standen Fragen, die das Ökumenische Patriachat, die griechische Diaspora und die Situation der orthodoxen Gläubigen in den USA und der Türkei betreffen. Dabei wurde auch die weltweit scharf kritisierte Rückumwandlung bedeutender byzantinischer Kirchen, die Jahrzehnte hindurch als Museen allgemein zugänglich waren, in islamische Gotteshäuser diskutiert. Dabei geht es in Konstantinopel selbst vor allem um die Kathedrale Hagia Sophia und um die Erlöserkirche im einstigen Chora-Kloster. Auch die Situation der orthodoxen Weltkirche und die Entwicklung des ökumenischen Dialogs zwischen den christlichen Kirchen wurden besprochen (Pompeo gehört persönlich einer unabhängigen presbyterianischen Gemeinde an). Bartholomaios I. erinnerte laut „Orthodox Times“ an die vielfältige Aktivität der „griechisch-orthodoxen Erzdiözese von Amerika“ (GOA), an deren Spitze Erzbischof Elpidophoros (Lambriniadis) steht, der aus der Türkei stammt. Der Ökumenische Patriarch bezeichnete die griechische Community in Nordamerika als „herausragenden und dynamischen Teil der amerikanischen Gesellschaft“.

In der Begegnung des Patriarchen mit Pompeo spielten aber auch die „Bewahrung der Schöpfung“ (Bartholomaios I. gilt wegen seines Einsatzes für Umweltfragen als „grüner Patriarch“) und der interreligiöse Dialog eine Rolle. Dieser Dialog sei für die Förderung der friedlichen Koexistenz und des Austausches zwischen verschiedenen Völkern und Kulturen sehr wichtig. In diesem Zusammenhang wurde auch die Respektierung der Menschenrechte, insbesondere der Religionsfreiheit, diskutiert. Patriarch Bartholomaios I. unterstrich die Notwendigkeit des Schutzes der Christen, aber auch der Angehörigen anderer religiöser Gemeinschaften, im Nahen Osten. Christen und Angehörige anderer religiöser Gemeinschaften hätten in den letzten Jahren durch kriegerische Auseinandersetzungen schwer gelitten, viele von ihnen seien vertrieben oder zur Flucht gezwungen worden.

Nach der Begegnung mit Bartholomaios I. und dem Besuch in der Georgskathedrale war Michael Pompeo in der Rüstem Pascha-Moschee im Stadtteil Eminönü zu Gast. Die Moschee wurde 1561 vom Großwesir Rüstem Pascha gestiftet und nach dessen Tod unter der Aufsicht seiner Ehefrau Mihrimah Sultan (der Tochter Süleimans des Prächtigen) erbaut. Der oktagonale Bau des Gotteshauses wurde nach Plänen des großen Architekten Mimar Sinan errichtet; sie ist im Inneren verschwenderisch mit Fliesen aus Nicäa (Isnik) ausgestattet. Die Fliesen von Nicäa wurden jahrhundertelang von armenischen Kunsthandwerkern in der alten Konzilsstadt hergestellt.

Danach waren Treffen Pompeos mit dem armenisch-apostolischen Patriarchen Sahag II. Mashalian und mit dem syrisch-orthodoxen Metropoliten Mor Philoxenos Yusuf Cetin vorgesehen.

Die offizielle Türkei goutiert die Visite Pompeos am Bosporus nicht. Es kam daher auch zu keiner Begegnung mit dem türkischen Außenminister Mevlut Cavusoglu, die ursprünglich vorgesehen gewesen war.