Präsident al-Sisi bei der koptischen Weihnachtsliturgie in Neu-Kairo

Der ägyptische Staatschef nahm Anleihen bei der religiösen Sprache: „Wenn wir Gott lieben, müssen wir einander lieben und dürfen niemandem erlauben, Zwietracht unter uns zu säen“

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Foto ©: Dragan Tatic, Österreichische Außenministerium (Quelle: Wikimedia, Lizenz: Creative Commons Attribution 2.0 Generic)

Kairo, 07.01.20 (poi) Der ägyptische Präsident Abd-el-Fattah al-Sisi hat auch heuer wieder am 6. Jänner an der Liturgie zum koptischen Weihnachtsabend teilgenommen. Patriarch Tawadros II. zelebrierte die Liturgie in der neuerbauten Geburt Christi-Kathedrale in der künftigen administrativen Hauptstadt Neu-Kairo, zahlreiche Bischöfe, Priester und Nonnen nahmen mit einer unüberschaubaren Menge von einfachen Gläubigen teil. Al-Sisi hielt in der Kathedrale eine kurze politische Ansprache, in der er u.a. betonte: „Solange wir einig sind, brauchen wir uns keine Sorgen zu machen, dass auch Ägypten so wie andere nahöstliche Staaten in den Abgrund einer verheerenden Krise gezogen wird“. Der Präsident bediente sich in diesem Zusammenhang auch der religiösen Sprache: „Wenn wir Gott lieben, müssen wir einander lieben und dürfen niemandem erlauben, Zwietracht unter uns zu säen“. Bevor er die Kathedrale verließ, überreichte al-Sisi „im Namen aller Ägypter“ dem Patriarchen einen Blumenstrauß. Mit al-Sisi waren auch zahlreiche Regierungsmitglieder, an der Spitze Ministerpräsident Mostafa Madbouly, in der Kathedrale anwesend.

Die offiziell vor einem Jahr eröffnete Kathedrale wird auch als Symbol der Strategie betrachtet, mit der al-Sisi seinem politischen Projekt die Solidarität der koptischen Kirche sichern will. Die ägyptische Regierung hat auch finanziell zur Erbauung der neuen Kathedrale beigetragen, die von al-Sisi als „Botschaft an Ägypten und an die ganze Welt“ bezeichnet wird. Die Christi Geburt-Kathedrale gilt als die größte Kirche des Nahen Ostens. Die Architektur des Gotteshauses orientiert sich an der koptischen Tradition, die Kirche symbolisiert die Arche Noah und damit das Bild der Kirche als „rettendes Schiff“ inmitten der Widrigkeiten der Geschichte. Zugleich mit der Kathedrale entstand in Neu-Kairo auch die größte Moschee des Landes, um mit den beiden Gotteshäusern das Miteinander und die Einheit der Nation zum Ausdruck zu bringen.