Präsident Macron empfing Sant’Egidio-Gründer Andrea Riccardi

Im Mittelpunkt des Gespräch standen die Aktivierung der „spirituellen Kräfte“ Europas zu Gunsten des Gemeinwohls und die Situation im Bereich der Migration

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Foto: © EU2017EE Estonian Presidency (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution 2.0 Generic)

Paris, 04.02.20 (poi) Der französische Staatspräsident Emmanuel Macron hat im Elysee-Palast den Gründer der Gemeinschaft Sant’Egidio, Prof. Andrea Riccardi, empfangen. Riccardi war aus Anlass der Präsentation seines Aufsehen erregenden neuen Buches „Der Professor und der Patriarch“ über die Begegnung zwischen dem Ökumenischen Patriarchen Athenagoras und dem französischen orthodoxen Theologen Olivier Clement im Revolutionsjahr 1968 nach Paris gekommen. Bei dem Gespräch zwischen der Sant’Egidio-Delegation und dem französischen Staatschef ging es um die Situation Europas, dessen Schwächen und seine „spirituellen Kräfte“, die zu Gunsten des Gemeinwohls aktiviert werden sollten. Noch mehr wurde die Bedeutung des interreligiösen Dialogs betont, vor allem das Gespräch zwischen Christentum und Islam, das für Frankreich auch aus innenpolitischen Gründen von höchster Bedeutung ist. Im Hinblick auf die Migrationsfrage betonte Macron die Rolle der “humanitären Korridore“, die von Sant’Egidio – gemeinsam mit den evangelischen Kirchen – zunächst in Zusammenarbeit mit den italienischen Behörden entwickelt worden sind, um Flüchtlingen den legalen und gefahrlosen Transfer nach Europa zu ermöglichen. Auch mit dem französischen Staat hat Sant’Egidio ein entsprechendes Abkommen geschlossen, derzeit wird über die Verlängerung verhandelt.

Sowohl Macron als auch Riccardi lenkten das Gespräch auch auf die Situation Afrikas, wo Sant’Egidio in verschiedenen Staaten stark präsent ist. Ausdrücklich würdigte der französische Präsident die Vorgangsweise von Sant’Egidio beim Tod des 14-jährigen Laurent Barthelemy Guibahi aus der Cote d’Ivoire, der am 8. Jänner im Fahrgestell einer Boeing 777 der „Air France“ von Abidjan nach Paris gelangen wollte und dabei ums Leben kam. Sant’Egidio hatte damals sowohl in Frankreich als auch an der Cote d’Ivoire und in den Nachbarländern eine große Kampagne gestartet, um die öffentliche Meinung an Hand des tragischen Schicksals des Halbwüchsigen auf die dramatischen Entwicklungen im Bereich der Migration aufmerksam zu machen.