Präsident Rivlin besuchte Taufstelle Jesu am Westufer des Jordans

Plädoyer für die Wiederinstandsetzung der seit Jahrzehnten verlassenen Klöster und Gotteshäuser von acht Kirchen – Zusammenarbeit mit der jordanischen Taufstelle am Ostufer des Jordans angepeilt

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Foto: © (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

Jerusalem, 23.03.19 (poi) Der israelische Staatspräsident Reuven Rivlin ist an der Taufstelle Jesu bei Kasr Al-Yahud am Jordan mit hohen Repräsentanten der christlichen Kirchen im Heiligen Land zusammengetroffen. Der Bereich um Kasr Al-Yahud war Jahrzehnte hindurch vermint und militärisches Sperrgebiet. Es sei sein Wunsch, dass die seit Jahrzehnten verlassenen Klöster und Gotteshäuser zu einem “Ort der Begegnung und des Dialogs” werden, sagte der Präsident und plädierte auch für Zusammenarbeit mit der jordanischen Taufstelle am anderen Ufer des Jordans (beim biblischen Bethanien). Es gibt Argumente für die Authentizität beider Taufstellen. Das Areal beidseits des Jordans könne künftig zu einer ökumenischen, jordanisch-israelisch-palästinensischen „Insel des Friedens und der Kooperation“ werden, so Rivlin vor Vertretern der Konfessionen.

Grundstücke und Immobilien von acht Kirchen liegen im israelischen Militärsperrgebiet am Westufer des Jordan. Dieser Umstand sowie ein ausgedehntes Minenfeld verhinderten seit dem Sechstagekrieg die Nutzung. Nun sollen die Grundstücke an ihre ursprünglichen kirchlichen Besitzer zurückgehen. Bis Ende 2019 möchte man die seit einem Jahr laufende Minenräumung komplett abschließen. Künftig soll auch ein umfassendes Umwelt- und Ausbaukonzept entstehen. Geplant sind ein Besucherzentrum, ein Auditorium, eine Ausweitung der touristischen Zone nach Westen, vielleicht auch Hotels.

Wiederholt äußerte der Präsident den Wunsch, die Taufstelle für Pilger grenzübergreifend zu öffnen. Er verwies er sein Treffen mit Papst Franziskus im Vatikan, bei dem die Taufstelle Thema war. „Die Stätte zu entwickeln, wird ein wichtiger Schritt sein, um Brücken zwischen Menschen und Religionen zu bauen. Die Vision von Koexistenz kann Wirklichkeit werden: Kooperation zwischen Israelis, Jordaniern und Palästinensern und zwischen Christen, Muslimen und Juden“, sagte Rivlin zum Abschluss seines Besuchs vor den Kirchenvertretern. „Es ist nicht so wichtig, wie teuer das ist, sondern dass die Minen geräumt werden“, konterte der Präsident den Hinweis der Minenräumer auf die hohen Kosten der Aktion – nicht ohne ihnen weiterhin volle Unterstützung zuzusichern. Nicht zuletzt käme ein Anstieg der Besucherzahlen der Wirtschaft aller beteiligten Länder zugute. Noch höher schätzte Rivlin den ideellen Wert der wiedererschlossenen Stätte. Der „Ort des Gebets und der Heiligkeit“, der in der Vergangenheit durch Krieg verletzt wurde, könne so „vielleicht Frieden in die Region“ bringen – ein Wunsch, den die Kirchenvertreter unterstrichen.

Die Wiedereröffnung von Kasr Al-Yahud sei sehr symbolisch, sagte Erzbischof Pierbattista Pizzaballa, der Administrator des lateinischen Patriarchats: „Ein Ort, der durch die Folgen von Gewalt blockiert war, kann nun wieder zum Gottesdienst genutzt werden, das stimmt hoffnungsvoll für den Dialog“.  Einen Wunsch gab der orthodoxe Patriarch Theophilos III. dem Präsidenten mit auf den Weg: „dass wir Kirchen in alle weiteren Planungen einbezogen werden“. Die neue Ära an der Heiligen Stätte habe bereits begonnen, so Theophilos III.: „Jetzt hoffen und beten wir, dass sie nicht nur Pilger aus aller Welt begrüßen, sondern auch dem Frieden und der Harmonie förderlich sein wird“.