PRO ORIENTE trauert um indischen Ökumene-Pionier P. Chediath

Der Theologe der syro-malankarischen Kirche ist im 76. Lebensjahr an Corona verstorben. Er war seit 1994 im PRO ORIENTE-Dialog der Kirchen der syrischen Tradition engagiert

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Kadamattom Church

Wien, 22.2.2021 (Pro Oriente) Die Stiftung PRO ORIENTE trauert um den indischen Ökumene-Pionier P. George Geevarghese Chediath, der am Sonntag im 76. Lebensjahr an Corona verstorben ist. Der Theologe aus Kerala war seit 1994 im PRO ORIENTE-Dialog der Kirchen der syrischen Tradition engagiert. Er gehörte der syro-malankarischen Kirche an, einer mit dem Papst in voller Gemeinschaft stehenden katholischen Ostkirche, die 1930 aus der Initiative von malankarisch-orthodoxen Bischöfen entstanden ist. Prof. Dietmar W. Winkler, Leiter des „Forum Syriacum“ von PRO ORIENTE, würdigte Chediath als „Urgestein“ des Dialogs mit dem Christentum der syrischen Tradition.

Anlässlich des „syrischen Dialogs“ war Chediath oft in Österreich zu Gast. Der Theologe hat mehr als 100 Bücher publiziert, sein 1982 erschienenes Hauptwerk galt der Christologie des Heiligen Mar Babai des Großen (551-628 n.Chr.), einem der herausragenden ostsyrischen Kirchenväter. Chediath arbeitete auch bis zuletzt in der Pfarrseelsorge und im Priesterseminar.

In Kerala lehrte Chediath zudem an den wichtigsten theologischen Lehranstalten in Kottayam, wie dem St. Thomas-Seminar, dem Päpstlichen Orientalischen Institut und dem berühmten St. Ephrem Ecumenical Research Institute (SEERI). Der Theologe gehörte aber auch den offiziellen Kommissionen für den theologischen Dialog zwischen katholischer Kirche und malankarisch-orthodoxer Kirche und zwischen katholischer Kirche und der malankarisch syrisch-orthodoxen Kirche an. 1998 plädierte P. Chediath bei einem SEERI-Symposion dafür, das gemeinsame liturgische und kulturelle Erbe der Kirchen syrischer Tradition verstärkt als „Einheit stiftende Kraft“ zu entdecken.

Chediath stammt aus dem Gebiet von Pathanamthitta im indischen Bundesstaat Kerala. Er absolvierte seine Ausbildung in Trivandrum und Kottayam, zwei Brennpunkten des Christentums in Kerala. 1969 wurde er zum Priester geweiht und war zunächst Sekretär des Erzbischofs Benedict Mar Gregorios. Anschließend wirkte er als Vizeregens bzw. Regens des Priesterseminars. Er führte seine Studien in Rom fort, wo er auch seine Dissertation über die Christologie von Mar Babai dem Großen schrieb. Chediaths auf Malayalam und Englisch verfasste Werke behandeln wichtige Aspekte der Patrologie, des Ökumenismus und der Kirchengeschichte.

Überaus geschätzt wurde in Fachkreisen der Beitrag von P. Chediath zum syrischen Dialog von PRO ORIENTE. Der Begriff „syrisch“ bezieht sich dabei nicht auf die heutige Republik Syrien, sondern auf die syrische Tradition des Christentums. Die 1994 gegründete „Syriac Commission“ von PRO ORIENTE war das erste Gremium, in dem alle neun Kirchen syrischer Tradition aus dem Nahen Osten und Indien vertreten waren. Diese Kommission bereitete auch die inoffiziellen sieben Syrischen Konsultationen vor, die von PRO ORIENTE in den Jahren 1994 bis 2005 durchgeführt wurden. Im Februar 2006 erklärte die „Syriac Commission“ ihre Arbeit für abgeschlossen. Im Herbst 2006 kam es zur Konstituierung des „Forum Syriacum“, das aus kirchlichen Experten der syrischen Tradition zusammengesetzt ist.

 

KURZINFO „Forum Syriacum“

Das „Forum Syriacum“ ist weltweit das einzige Forum, das den Dialog zwischen den neun Kirchen syrischer Tradition ermöglicht und pflegt. Gleichzeitig bestimmen die Mitglieder des Forums theologische und nicht-theologische Themenkreise, die in Form von wissenschaftlichen Tagungen („Colloquia Syriaca“) behandelt werden, an denen neben kirchlichen Vertretern auch international anerkannte Expertinnen und Experten zur Geschichte, Sprache und Theologie dieser Kirchen beteiligt sind.

Ziel ist es, das Jahrtausende alte Erbe und die kulturelle Vielfalt der Kirchen syrischer Tradition für die Zukunft zu bewahren und die Kenntnis über diese Kirchen – die die älteste Tradition des Christentums repräsentieren – zu vertiefen.