Raab: Orthodoxe Kirchen tragen viel zu Integration bei

Kultusministerin hebt bei Podiumsdiskussion der Linzer Sektion von PRO ORIENTE Bedeutung der christlichen Kirchen für ein friedliches Miteinander in der Gesellschaft hervor - Anregende Debatte mit Altlandeshauptmann Pühringer und Bischof Scheuer

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Foto: © Thomas Ledl (Quelle: Wikimedia, Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International )

Linz, 05.10.21 (poi) Die orthodoxen Kirchen in Österreich tragen viel zu gelingender Integration bei und haben auch durch ihren karitativen Einsatz eine wichtige Funktion: Das hat Kultusministerin Susanne Raab bei einer Veranstaltung vor mehr als hundert Interessierten am Montagabend in Linz betont. Die Ministerin referierte auf Einladung der Linzer Sektion von PRO ORIENTE sowie der Hypo Oberösterreich über die Bedeutung der christlichen Kirchen für ein friedliches Miteinander in der Gesellschaft. Die Anzahl der orthodoxen Christen sei allein in Oberösterreich in den vergangenen zehn Jahren um rund 30 Prozent gestiegen, unterstrich Raab.

„Religion gibt vielen Menschen unabhängig von ihrem jeweiligen Glauben viel Halt im Leben. Die Kirchen leisten darüber hinaus einen wesentlichen Beitrag für den respektvollen und offenen Dialog in unserer Gesellschaft“, so Raab wörtlich. Sie dankte dem früheren OÖ-Landeshauptmann und nunmehrigen Vorsitzenden der Linzer PRO ORIENTE-Sektion, Josef Pühringer, für die langjährige Förderung der Beziehungen der Religionen zueinander. „Sie leisten damit einen wichtigen Beitrag zu einem friedvollen Miteinander“, so die Bundesministerin in ihrem Statement.

Pühringer unterstrich in seinen Ausführungen die besondere Rolle Österreichs als Verbindungsglied zwischen dem östlichen und dem westlichen Europa: „Österreich kann der Motor für einen beidseitig fruchtbaren Austausch werden, wobei die Kirchen aufgrund ihrer jahrhundertelangen Verbindung eine Vorreiterrolle einnehmen.“ In der Zeit der Trennung Europas durch den Eisernen Vorhang hielten die christlichen Kirchen trotz aller Schwierigkeiten Kontakt. Von dieser Erfahrung des Miteinanders profitiere auch der heutige Dialog der christlichen Kirchen“, die sich gegenseitig unterstützen und damit für ein Klima des Wohlwollens sorgen“, so Pühringer weiter.

In der anschließenden Podiumsdiskussion erläuterte Diözesanbischof Manfred Scheuer die Kraft des Verzeihens als eine Triebfeder der Integration, wenn die „Beweglichkeit des Denkens“ ernst genommen werde und die Offenheit für das Gespräch gegeben sei. Das führe nämlich zur Fähigkeit der Kritik bis hin zur Selbstkritik. „Im Dialog braucht es Lernbereitschaft und Lernfähigkeit, die Bereitschaft damit zu rechnen, auch einmal falsch zu liegen, sowie die Reinigung des Gedächtnisses.“

Diesen Prozess des Verzeihens und damit der gelungenen Integration haben die Kirchen gemeinsam in der Ökumene vorzuleben, so der Bischof in seinen Überlegungen: „Tolerant kann nur sein, wer einen Standpunkt hat. Die Toleranz rät nicht, dass wir im Gespräch mit anderen Religionen und Kulturen Unterschiede kaschieren, sondern dass wir sie aushalten im Respekt voreinander. Sie verlangt Entschiedenheit, verbietet dabei aber jede Form innerer oder äußerer Gewalt.“

Der Dialog solle nicht naiv sein, „weder fundamentalistisch im Hinblick auf die eigene Glaubensüberzeugung noch geprägt von einer gleichgültigen und permissiven Toleranz“. Der Dialog mit anderen Religionen und Kulturen brauche Klarheit, Klugheit und Vertrauen, die Überzeugung des eigenen Glaubens und das Wissen um die eigene Tradition, so Bischof Scheuer.