Repräsentanten des orthodox-katholischen Dialogs tagen auf Kreta

Erstmals versammeln sich Repräsentanten der offiziellen Dialogkomission zwischen katholischer und orthodoxer Kirche und regionaler Initiativen für diesen Dialog aus dem europäischen und nordamerikanischen Raum .- Gemeinsame Initiative von „Pro Oriente“, Johann-Adam-Möhler-Institut Paderborn und Orthodoxer Akademie von Kreta

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Foto: © Kramer96 (Quelle: Wikimedia, Lizenz: GNU Free Documentation License)

Athen, 25.04.18 (poi) Zum ersten Mal versammeln sich Repräsentanten der offiziellen Kommission für den theologischen Dialog zwischen katholischer und orthodoxer Kirche und der verschiedenen regionalen Initiativen für diesen Dialog aus dem europäischen und nordamerikanischen Bereich gemeinsam: Die Konferenz unter dem Titel „Crossroads of Theological Dialogues“ (Reflexion über neue Perspektiven der Begegnung zwischen Orthodoxen und Katholiken) findet bis Donnerstagabend in der Orthodoxen Akademie in Kolymbari auf Kreta statt (dort hatte vor zwei Jahren auch das orthodoxe Konzil getagt). Die Initiative wird von „Pro Oriente“, dem Johann-Adam-Möhler-Institut für Ökumenismus in Paderborn und der Orthodoxen Akademie getragen. Die Ko-Präsidenten der offiziellen katholisch-orthodoxen Dialogkommission, Kardinal Kurt Koch (Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen) und Erzbischof Job (Getcha; Repräsentant des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel beim Weltkirchenrat), würdigten bei der Eröffnung am Dienstag den bahnbrechenden Charakter der Initiative.

Der Leiter des Johann-Adam-Möhler-Instituts, Johannes Oeldemann, schilderte bei der Eröffnung der Konferenz in Kolymbari, wie ihm – als Mitglied des Konsultorengremiums von „Pro Oriente“ – bei der Vorbereitung eines Hauptvortrags vor diesem Gremium über die Zukunftsperspektiven des orthodox-katholischen Dialogs bewusst wurde, dass es eine Fülle von orthodox-katholischen Dialog-Initiativen unterschiedlicher Art gibt, aber keinerlei „Netzwerk“, das sie verbindet. Damals habe er angeregt, dass „Pro Oriente“ die Verantwortlichen dieser Dialog-Initiativen an einem Tisch versammeln sollte, um einen Überblick über das ganze Spektrum des orthodox-katholischen Dialogs zu gewinnen und zugleich Fragen zu definieren, die bisher vernachlässigt wurden bzw. neue Aufgaben zu entdecken. Ausgehend davon sei es zur Konferenz an der Orthodoxen Akademie gekommen, wobei sowohl „offizielle“ Dialogkommissionen (wie sie etwa in Frankreich, Deutschland und für die USA und Kanada existieren) als auch „inoffizielle“ Gruppen (wie die St. Irenäus-Gruppe oder die „Pro Oriente“-Kommission junger orthodoxer und katholischer Theologen) eingeladen wurden. Auch „Experten“ sind in Kolymbari dabei, so Prof. Theresia Hainthaler (die auch der offiziellen Dialogkommission von katholischer und orthodoxer Kirche angehört), der Wiener Ostkirchenfachmann (und „Pro Oriente“-Vizepräsident) Prof. Rudolf Prokschi und der Leiter der orthodoxen Akademie von Volos, Prof. Pantelis Kalaitzidis.

Während der Dienstag in Kolymbari dem Erfahrungsaustausch galt, wurden am Mittwoch zentrale Fragen gestellt: Welche Themen muss der orthodox-katholische Dialog in den nächsten Jahren behandeln? Was wurde bisher vernachlässigt? Wo sollen die neuen Schwerpunkte liegen? Soll die Methode des Dialogs geändert werden? Ausgangspunkt der Diskussion waren dabei vier Referate – von zwei langzeiterfahrenen Ökumene-Experten (Prof. Barbara Hallensleben/Fribourg zum Thema „Dialog und Begegnung – Reflexionen über neue Perspektiven für die Annäherung zwischen Orthodoxen und Katholiken“ und P. Michel Van Parys/Chevetogne zum Thema „Die Bedeutung des spirituellen Ökumenismus auf dem Weg zur vollen Gemeinschaft“) und zwei Nachwuchswissenschaftlern (Prof. Ioan Moga/Wien zum Thema „Künftige Perspektiven des orthodox-katholischen Dialogs auf der Basis der Dokumente der Großen und Heiligen Synode von Kreta“ und Andrej Shishkov zum Thema „Der orthodoxe Standpunkt zur Bedeutung ethischer Fragen in ökumenischen Dialogen“). In den Arbeitsgruppen gehen die Konferenzteilnehmerinnen und –teilnehmer dann jene drei Fragen an, die über alle Sachthemen hinweg die orthodox-katholischen Dialoge prägen: Herausforderungen des Dialogs, die Methodenfrage und das Verhältnis von Theologie und Geschichte.

Am Donnerstag soll dann eine Strategie erarbeitet werden: Wie sieht es mit der Arbeitsteilung aus, damit nicht alle Dialog-Initiativen die selben Themen beackern? Wie können der offizielle Dialog, die „offiziellen“ regionalen Kommissionen und die „inoffiziellen“ Initiativen, die Orte, an denen orthodox-katholische Begegnungen stattfinden (Klöster wie Bose, Niederaltaich oder Chevetogne, akademische Zentren wie Fribourg oder Frankfurt-St. Georgen) in ein konstruktives komplementäres Verhältnis zueinander gebracht werden? Soll es weitere Begegnungen wie die jetzige in Kolymbari geben?

Im Gespräch mit dem „Pro Oriente“-Informationsdienst (poi) verwies „Pro Oriente“-Generalsekretärin Regina Augustin (die mit Johannes Oeldemann und Katerina Karkala-Zorba von der Orthodoxen Akademie die Konferenz in Kolymbari organisiert hat) auf Themen, die in den Berichten der regionalen Dialogkommissionen und –initiativen immer wieder genannt wurden: Wie können die Ergebnisse der orthodox-katholischen Dialoge verbreitet werden, die Frage des Generationenwechsels, die Herausforderung der fundamentalistischen Strömungen, das Problem der theologischen Bildung auf allen Ebenen, die Berücksichtigung praktischer pastoraler Fragen (wie das Kirchenjahr in der Tradition von Ost- und Westkirche, vor allem Ostern und Weihnachten usw.).

Die Orthodoxe Akademie von Kreta hat in der orthodoxen Welt – und darüber hinaus – eine besondere Bedeutung, weil sie eine der ersten orthodoxen Stätten der Erwachsenenbildung und des Dialogs war. Die Akademie ist eine gemeinnützige Stiftung, die in kanonischer Gemeinschaft mit der Metropolie von Kissamos und Selinon steht und unter der geistigen Schirmherrschaft des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel arbeitet. Die Metropolie von Kissamos und Selinon gehört zur Kirche von Kreta, die seit 1898 ein gewisses Maß von Autonomie innerhalb des Ökumenischen Patriarchats genießt.

Hauptaufgabe der Akademie ist das dialogische Zeugnis und der Dienst der Orthodoxie in der Welt, der Dienst an den Menschen von heute und ihren Problemen. Zur Verwirklichung dieser Ziele fördert die Akademie den Geist des Dialogs zwischen der Orthodoxie und den anderen Konfessionen und Religionen und allgemein zwischen dem christlichen Glauben, der Wissenschaft und der Kultur.

Im Jahr 2016 wurde die Orthodoxe Akademie von Kreta weltweit bekannt als Tagungsort der Panorthodoxen Synode. Aber schon seit vielen Jahren ist sie immer wieder Tagungsort internationaler kirchlicher Konferenzen, etwa auch des Weltkirchenrats.

Zugleich wurde von Anfang an darauf geachtet, dass es neben den großen ökumenische Begegnungen, den internationalen wissenschaftlichen Tagungen auch Weiterbildungskurse für die Bevölkerung der Insel im Sinn des Engagements für landwirtschaftliche Fortentwicklung, für Ökologie, Denkmalpflege usw. gab und gibt. So ist die Akademie ein wesentlicher Baustein für den wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt Kretas geworden.

Vieles an der Ausstrahlung der Orthodoxen Akademie von Kreta ist verständlich im Blick auf ihren Gründer, Metropolit Irineos (Galanakis). Dieser Bischof (1911-2013), der zeitlebens als populärster Kirchenmann Kretas galt, war von 1957 bis 1971 und dann wieder von 1981 bis 2005 Bischof bzw. Metropolit von Kissamos und Selinon (und von 1971 bis 1980 auch griechisch-orthodoxer Metropolit von Deutschland). Seine Studien absolvierte Irineos in Athen, Lille und Paris. Seine Aufmerksamkeit galt von jeher auch der Lebenssituation der ihm anvertrauten Menschen. Als er sein Bischofsamt antrat, lag Kreta – diese strategisch wichtige Insel inmitten des Mittelmeers auf halbem Weg zwischen Europa und Afrika – nach den Schrecknissen des Zweiten Weltkriegs mit der deutschen Besatzung noch völlig darnieder. Der Bischof zögerte nicht, Initiativen zu setzen (wie die Gründung der Orthodoxen Akademie), die den Menschen der Insel Hoffnung und Zukunft geben sollten.