Ringen um Zukunft der russischen Erzeparchie für Westeuropa geht weiter

Heiliger Synod der russischen Auslandskirche (ROCOR) beschäftigte sich eingehend mit der Situation der russisch-orthodoxen Diasporagemeinden in Westeuropa, deren Eparchie jetzt kein „patriarchales Exarchat“ von Konstantinopel mehr ist

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Foto: © Mbzt (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution 3.0 Unported)

Paris-New York, 01.03.19 (poi) Das Ringen um die Zukunft der (bisher unter dem Omophorion des Ökumenischen Patriarchen stehenden) Erzeparchie für die Gemeinden russisch-orthodoxer Tradition in Westeuropa (mit dem Zentrum in Paris) geht weiter. Das nun vorliegende Protokoll der außerordentlichen Generalversammlung der Eparchie am 23. Februar bestätigt, dass die Vertreter der 120 Pfarrgemeinden – Priester und Laien – nach der Abschaffung des vor 20 Jahren (1999) der Eparchie zuerkannten Status eines „patriarchalen Exarchats“ durch den Heiligen Synod von Konstantinopel nicht bereit sind, die Eparchie aufzulösen und die Pfarrgemeinden und Klöster in die Eparchien des Ökumenischen Patriarchats zu integrieren. Die Eparchie werde sich weiterhin unter der Leitung von Erzbischof Jean (Renneteau) als „Association cultuelle“ nach französischem Recht verstehen. Der Rat der Erzeparchie habe diese Entscheidung zur Kenntnis genommen und werde sobald wie möglich eine Delegation nach Konstantinopel entsenden, um Patriarch Bartholomaios I. und den Heiligen Synod von Konstantinopel über die am 23. Februar getroffene Entscheidung zu informieren. Eine weitere außerordentliche Generalversammlung über den künftigen Weg der Erzeparchie werde voraussichtlich im Juni einberufen werden.

Die Situation der Erzeparchie war auch bei der jüngsten Sitzung des Heiligen Synods der russischen Auslandskirche (ROCOR) in New York ein zentrales Thema (die russische Auslandskirche befindet sich heute wieder mit dem Moskauer Patriarchat in voller Kirchengemeinschaft). Im Hinblick auf die Entscheidungen Konstantinopels sind auch Überlegungen aufgetaucht, ob sich die Pariser Erzeparchie für die Gemeinden russisch-orthodoxer Tradition in Westeuropa der Auslandskirche anschließen könnte. Bei der Sitzung in New York wurde über die Begegnung mit einer von Erzbischof Jean entsandten Delegation in Sea Cliff (Bundesstaat New York) berichtet. Die Delegation wurde von den ROCOR-Bischöfen von Sacramento, Irinej (Steenberg), und Manhattan, Nicolas (Olhovsky), sowie dem Rektor des Heiligtums von Sea Cliff, Erzpriester Seraphim Gan (der auch Kanzler der Synode der Auslandskirche ist), herzlich empfangen. Anderntags traf auch der Erzhierarch der Auslandskirche, Metropolit Hilarion (Kapral), mit den Abgesandten aus Paris zum Gespräch zusammen. Bei der Sitzung des Heiligen Synods in New York wurden die Berichte über die Situation der Pariser Erzeparchie aufmerksam studiert, es wurde aber keine Entscheidung getroffen.

Die Erzeparchie geht auf die Fluchtbewegung aus Sowjetrussland ab 1918 zurück. 1921 ernannte der Moskauer Patriarch Tichon den in Paris residierenden Metropoliten Jewlogij (Georgijewskij; 1868-1946) zu seinem Repräsentanten in Westeuropa. 1927 untersagte der im jugoslawischen Sremski Karlovci residierende Heilige Synod der russischen Kirche im Ausland dem Metropoliten die Ausübung seiner bischöflichen Rechte. Daraufhin kam es zu einer Spaltung in der russischen Emigration. 1931 unterstellte sich der Metropolit „zeitweise“ – um dem Druck der sowjetischen Politik zu entgehen – dem Omophorion des Ökumenischen Patriarchen. Ein Jahr vor seinem Tod kehrte er in die Jurisdiktion der russisch-orthodoxen Kirche zurück. Die meisten Priester und Gläubigen blieben aber unter Konstantinopel.

Das Moskauer Patriarchat hat der Erzeparchie – durch den Wiener russisch-orthodoxen Erzbischof Antonij (Sewrjuk) in dessen Eigenschaft als Leiter der Verwaltung der Institutionen des Moskauer Patriarchats im Ausland – Vorschläge für eine Wiederaufnahme der vollen Kirchengemeinschaft unterbreitet.