Rom: Feier zum 4. Jahrestag der Begegnung von Papst Franziskus und Patriarch Kyrill

Bei der Tagung mit Kardinal Koch und Metropolit Hilarion im „Angelicum“ ging es um „Die Heiligen – Zeichen und Samenkörner der Einheit“ – Festkonzert in San Giovanni in Laterano

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Foto: © Gizurr at English Wikipedia (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution 3.0 Unported)

Vatikanstadt-Rom, 12.02.20 (poi) Die Feier zum 4. Jahrestag der historischen Begegnung zwischen Papst Franziskus und dem Moskauer Patriarchen Kyrill fand am Mittwoch in Rom statt. Der Päpstliche Rat für die Einheit der Christen und das Außenamt des Moskauer Patriarchats organisierten gemeinsam eine Tagung in der Päpstlichen Universität „Angelicum“ und ein Festkonzert in San Giovanni in Laterano, der Kathedrale des Papstes als Bischof von Rom. Die Tagung im „Angelicum“ behandelte das Thema „Die Heiligen – Zeichen und Samenkörner der Einheit“. Nach den einleitenden Grußworten von Kardinal Kurt Koch, dem Präsidenten des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, und von Metropolit Hilarion (Alfejew), dem Leiter des Außenamtes des Moskauer Patriarchats, hielt P. Aleksij Andrejew den Hauptvortrag über „Heiligkeit in der russischen Kirche“, P. Marko Rupnik SJ (Leiter des römischen „Centro Aletti“ und international renommierter Mosaik-Künstler) sprach über „Heiligkeit und Gemeinschaft“, Zeugnisse von P. Kiril Kaleda und Sr. Gabriella Masturzo behandelten „Die russischen Märtyrer des 20. Jahrhunderts“ und die sardische „Selige des Ökumenismus“, Sr. Maria Gabriella Sagheddu. Den Abschluss bildete der von Metropolit Hilarion gestaltete Film „Der Apostel Petrus“. Am Abend war in San Giovanni in Laterano ein Festkonzert mit dem Moskauer Synodalchor unter Leitung von Aleksij Puzakow und mit der Päpstlichen Musik-Kapelle unter Leitung von Msgr. Marcos Pavan vorgesehen.

Im Gespräch mit „Radio Vatikan“ erläuterte Kardinal Koch, warum die diesjährige Feier des Jahrestages der Begegnung zwischen Papst Franziskus und Patriarch Kyrill im Zeichen der Heiligen steht: „Das liegt nicht daran, dass Rom eine besonders heilige Stadt wäre, aber hier haben viele Heilige gelebt, Heilige der ungeteilten Kirche, die Ost und West verbinden. Und im Übrigen ist die Heiligkeit ein Thema, das in der Ökumene weiter hilft“. Nach dem Treffen von Havanna sei sehr bald entschieden worden, dass dieses Ereignis nicht einfach als historisches Faktum betrachtet werden sollte, „sondern dass wir jedes Jahr wieder daran erinnern wollen“, berichtete der Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen. Die Feier zum 1. Jahrestag habe in Fribourg stattgefunden, dort sei die Bedeutung der „Erklärung von Havanna“ das Hauptthema gewesen, beim 2. Jahrestag in Wien sei die Situation der Christen im Nahen Osten im Mittelpunkt gestanden, beim 3. Jahrestag in Moskau sei es um die Herausforderung der Euthanasie gegangen.

Für die jährlichen Treffen sei ein eigenes Komitee verantwortlich, erklärte Kardinal Koch. Dieses Komitee beschäftige sich auch mit kulturellen und sozialen Projekten, die die russisch-orthodoxe Kirche und die römisch-katholische Kirche gemeinsam durchführen. So habe dieses Komitee etwa die zeitweise Überführung der in Bari verehrten Reliquien des Heiligen Nikolaus nach Moskau und St. Petersburg veranlasst. Auch da habe sich gezeigt, dass „die Heiligen zu den starken verbindenden Elementen zwischen der russisch-orthodoxen und der römisch-katholischen Kirche“ gehören. Die Tagung im „Angelicum“ sei nicht als eine Veranstaltung für „wenige“ konzipiert worden, sondern alle seien eingeladen, über die Bedeutung von Heiligkeit nachzudenken.

„Es ist sehr schön, wenn Häupter von Kirchen einander begegnen. Es ist auch absolut notwendig, dass die Theologen die theologisch kontroversen Fragen besprechen, aber die Verehrung der Heiligen ist eine besondere Möglichkeit, die Gläubigen miteinzubeziehen. Dies soll gerade im ökumenischen Dialog geschehen, was mir sehr wichtig erscheint“, betonte Kardinal Koch im Gespräch mit „Radio Vatikan“.

Zum Dialog zwischen der russisch-orthodoxen Kirche und der römisch-katholischen Kirche sagte Kardinal Koch: „Die orthodoxen Kirchen als Ganze haben entschieden, dass der theologische Dialog nicht bilateral, sondern multilateral geführt werden soll. Deshalb haben wir eine gemischte internationale Kommission für den theologischen Dialog zwischen der katholischen Kirche und der orthodoxen Kirche. Dieser Dialog ist derzeit überschattet durch die Entscheidung des russisch-orthodoxen Patriarchats, an ökumenischen Kommissionen nicht mehr teilzunehmen, wenn ein Vertreter von Konstantinopel Ko-Vorsitzender ist. Das ist in unserer Kommission der Fall und es ist natürlich für die ganze Kommission eine schwierige Angelegenheit, aber wir müssen die Arbeit weiterführen. Auch das ist eine Entscheidung der orthodoxen Kirchen, den Dialog weiterzuführen, auch wenn eine ihrer Kirchen nicht mitmacht“.

 

Gespräch Kardinal Koch Metropolit Hilarion

Metropolit Hilarion war bereits am 11. Februar in Rom eingetroffen, wo er am Flughafen vom russischen Vatikan-Botschafter Aleksandr Awdejew und dem Mönch Amvrosij Matsegora, dem Exekutivsekretär der Verwaltung der Pfarren des Moskauer Patriarchats in Italien, empfangen wurde. Am Abend traf der Metropolit in der Casa Santa Marta zu einem längeren Gespräch mit Kardinal Koch zusammen. Im Kommunique des Außenamtes des Moskauer Patriarchats heißt es dazu: „Die beiden diskutierten den Stand der Beziehungen zwischen dem Moskauer Patriarchat und der römisch-katholischen Kirche und zollten der Förderung des orthodox-katholischen Dialogs durch die ‚Gemeinsame Kommission für den theologischen Dialog zwischen römisch-katholischer und russisch-orthodoxer Kirche‘ besondere Aufmerksamkeit“.