Rumänisch-orthodoxe Kirche feiert Jubiläum ihrer Autokephalie

Anerkennung der Selbständigkeit der Kirche erfolgte im April 1885 – 1925 wurde die orthodoxe Kirche Rumäniens zum Patriarchat erhoben

0
200
Foto: © (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

Bukarest, 28.04.20 (poi) Die rumänisch-orthodoxe Kirche hat am 25. April des 135. Jahrestages der Verleihung der Autokephalie gedacht. Dieser formalen Anerkennung der Selbständigkeit der orthodoxen Kirche Rumäniens war im 19. Jahrhundert eine längerdauernde Auseinandersetzung mit dem Ökumenischen Patriarchat vorangegangen. Die orthodoxen Eparchien im „Regat“ (dem 1859 aus den Fürstentümern Walachei und Moldau gebildeten rumänischen Staat) hatten dem Ökumenischen Patriarchat unterstanden (auch die Fürsten der in einem Abhängigkeitsverhältnis zum Osmanischen Reich stehenden Fürstentümer Walachei und Moldau kamen lange Zeit aus den eng mit dem Ökumenischen Patriarchat verbundenen  „phanariotischen“ aristokratischen Familien). Die Unabhängigkeit des neugebildeten rumänischen Staates wurde 1878 anerkannt, 1881 wurde Rumänien zum Königreich erhoben. Am 23. November 1882 beschloss der Heilige Synod der Kirche von Rumänien einstimmig einen „Synodalakt“, in dem mit historischen und theologischen Argumenten die Zuerkennung der Autokephalie an die rumänische Kirche gefordert wurde. Der rumänisch-orthodoxe Patriarch Daniel hat zu Jahresbeginn betont, dass dieser „Synodalakt“ die Beziehungen zwischen der orthodoxen Kirche in Rumänien und dem Ökumenischen Patriarchat völlig verändert habe.

Der Ökumenische Patriarch Joachim IV., der Offenheit gegenüber den Bestrebungen der kirchlichen und politischen Verantwortungsträger aus Rumänien bekundete, übersandte schließlich am 25. April 1885 den „Tomos“ über die Anerkennung der Autokephalie der rumänisch-orthodoxen Kirche nach Bukarest. Dieser „Tomos“ habe – so Patriarch Daniel – ausdrücklich die Gleichwertigkeit der Autokephalie der rumänisch-orthodoxen Kirche mit der „kanonischen Autorität“ der anderen orthodoxen Schwesterkirchen hervorgehoben. Dementsprechend weiht die rumänisch-orthodoxe Kirche auch selbst das für die Sakramentenspendung benötigte Heilige Chrisam; zuletzt geschah das am Gründonnerstag des Vorjahrs – zum 22. Mal seit Zuerkennung der Autokephalie im Jahr 1885.

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs wurden an der Jahreswende 1918/19 auch die orthodoxen Eparchien in den zuvor unter ungarischer, österreichischer oder russischer Herrschaft stehenden Landesteilen mit der rumänisch-orthodoxen Kirche vereinigt. Vor 95 Jahren – im Jahr 1925 – wurde die rumänisch-orthodoxe Kirche in den Rang eines Patriarchats erhoben. Der erste Patriarch ab 1925 war Miron Cristea, der ab 1938 für ein Jahr (bis zu seinem Tod) während der „Königsdiktatur“ von Carol II. als Regierungschef amtierte.

Die rumänisch-orthodoxe Kirche betrachtet sich als „apostolische“ Kirche, weil der Apostel Andreas im 1. Jahrhundert in der heutigen Dobrudscha und in benachbarten Gebieten das Evangelium gepredigt habe. Mit zirka 22 Millionen Mitgliedern (85 Prozent der rumänischen Bevölkerung) ist die rumänisch-orthodoxe Kirche die zweitgrößte orthodoxe Kirche nach dem Moskauer Patriarchat. Mit dem Patriarchen leiten acht Metropoliten, fünf Erzbischöfe, 24 Diözesanbischöfe und mehr als ein Dutzend Auxiliarbischöfe die Kirche.

In Rumänien bestehen 28 Diözesen mit 14.537 Priestern und Diakonen, die in 15.717 Gotteshäusern zelebrieren, sowie 13 Diözesen in der Diaspora mit 513 Priestern und Diakonen. In Rumänien gibt es an die 500 Klöster, in denen 2.810 Mönche und 4.795 Nonnen  leben. Außerdem gibt es 15 theologische Fakultäten (in kommunistischer Zeit waren nur zwei vorhanden) mit mehr als 12.000 Studentinnen und Studenten. Seit dem Ende des Kommunismus wurden in Rumänien 2.000 neue orthodoxe Gotteshäuser gebaut. Die rumänisch-orthodoxe Kirche ist seit 1961 Mitglied des Weltkirchenrates, der „Konferenz Europäischer Kirchen“ (CEC) und pflegt gute Beziehungen zu allen orthodoxen Kirchen sowie zu den anderen christlichen Kirchen. Der derzeitige geschäftsführende Generalsekretär des Weltkirchenrats – Prof. Ioan Sauca – ist ein rumänisch-orthodoxer Priester.