Rumänische Gemeinde blüht in Istanbul

St. Paraskevi-Kirche ist ein spiritueller Treffpunkt der vielen Arbeitsmigranten aus Rumänien, die in der Bosporus-Metropole leben – Der Märtyrer-Fürst Constantin Brancoveanu hatte das Gotteshaus 1692 neu erbauen lassen

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Foto: © Мико (Quelle: Wikimedia; Lizene: Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International)

Konstantinopel, 03.08.20 (poi) Dass die orthodoxen Gemeinden in der heutigen Riesenstadt Istanbul, dem früheren Konstantinopel, weiter blühen, zeigt sich am Beispiel der rumänischsprachigen Gemeinde Hagia Paraskevi, wie die rumänische orthodoxe Nachrichtenagentur „Basilica“ am Sonntag berichtete. Eine Woche zuvor war in der Kirche das Patronatsfest gefeiert worden, der Abt des Dreifaltigkeitsklosters auf der Insel Chalki, Bischof Kassianos (Notis) von Aravissos, zelebrierte die Göttliche Liturgie in rumänischer und griechischer Sprache. Die St. Paraskevi-Kirche ist ein spiritueller Treffpunkt der vielen Arbeitsmigranten aus Rumänien (und Moldawien), die in der Bosporus-Metropole leben. Seelsorger ist der aus Rumänien stammende Priester Sergiu Vlad. Für die Rumänen hat das Gotteshaus besondere Bedeutung, weil es 1692 vom Herrscher der Walachei, Constantin Brancoveanu (der später zum Märtyrer für den christlichen Glauben werden sollte), neu errichtet wurde. In oströmischer Zeit war die Vorgängerkirche Zentrum des Bezirks Pikridion, der heute Hasköy genannt wird. Vier kostbare Ikonen der Ikonostase stammen noch aus der alten Kirche.

Die Fürbitte der Märtyrerin Paraskevi (die im 2. Jahrhundert den Märtyrertod erlitten hat) wird vor allem bei Augenleiden angerufen. In der Kirche, die ihr in Istanbul geweiht ist, werden auch die Reliquien einer neueren Märtyrerin verehrt, der Heiligen Argyra. Sie stammte aus der bithynischen Stadt Broussa (heute: Bursa), wo sie 1692 geboren wurde. Ein junger Nachbar, der Sohn eines Kadi (muslimischen Richters), wollte sie zur Frau nehmen und sie zum Islam bekehren. Argyra lehnte ab und stellte fest, sie wolle lieber sterben als mit einem Muslim verheiratet werden. Der abgewiesene Brautwerber schleppte sie vor Gericht, wo Argyra standhaft ihr christliches Bekenntnis verteidigte. Daraufhin wurde sie gegeißelt und auf Lebenszeit ins Gefängnis geworfen, wo sie im April 1721 starb.

Der Erbauer der Kirche in Istanbul, Constantin Brancoveanu, war – unter osmanischer Oberhoheit – von 1654 bis 1714 Herrscher der Walachei. 1714 wurde er von den Osmanen auf Grund falscher Anklagen nach Konstantinopel gebracht und dort gemeinsam mit seinen vier Söhnen und seinem Schatzmeister Ianache Vacarescu hingerichtet. Die Brancoveanus wurden 1992 von der rumänisch-orthodoxen Kirche heilig gesprochen.