Russland: Aberkennung der Priesterwürde von Erzdiakon Kurajev vorerst ausgesetzt

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Foto: © Кураев Д.В. (Quelle: Wikimedia: Lizenz: Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

8. April 2021 (NÖK) Der russische Patriarch Kirill hat das Urteil des Eparchialgerichts der Stadt Moskau, dem prominenten Erzdiakon Andrej Kurajev die Priesterwürde abzuerkennen, bestätigt. Allerdings hat er die Umsetzung des Urteils vorübergehend ausgesetzt, um Kurajev Zeit zu geben, „seine Position zu überdenken und auf den Weg der Kirche zurückzukehren, den er seinerzeit gewählt hat“.

Das Gericht hatte Kurajev am 29. Dezember 2020 die Priesterwürde aberkannt, weil er sich im April desselben Jahres in seinem Blog abfällig über einen anderen Geistlichen geäußert hatte, zudem warf es ihm Verleumdung der Kirche vor. Bereits im Mai 2020 hatte Kirill dem Erzdiakon deshalb vorübergehend verboten, Gottesdienste zu feiern.

Erzdiakon Kurajev reagierte auf den Entscheid Kirills mit einem Eintrag auf seinem Blog auf LiveJournal. Tatsächlich wollte und wolle er noch immer den Weg der Kirche Christi gehen, schreibt er. Allerdings sei schwierig zu sagen, „in was für einem Verhältnis die Kirche mit der konkreten juristischen Person namens ‚Moskauer Patriarchat‘ in ihrem aktuellen Zustand steht“, aber „sicher nicht“ im Verhältnis der „Gleichheit“. Die Kirche sei wohl in der Russischen Orthodoxen Kirche anwesend, findet Kurajev, aber er fragt sich, wie genau und in welchen Aspekten des kirchlichen Lebens. Die Frage, „wer, wann, wie, wie sehr und mit welchen Folgen sich vom ‚Weg der Kirche‘ entfernt hat, ist schwierig und bis zum Jüngsten Gericht nicht abschließend zu beantworten“.

Kurajev ist einer der bekanntesten orthodoxen Publizisten in Russland. Sein Blog auf LiveJournal ist einer der meistgelesenen in Russland, und Kurajev ist bei den liberalen Medien ein beliebter Interviewpartner. Oft übt er dabei Kritik an der ROK und ihrer Leitung und vertritt abweichende Positionen, so zur Ukraine. Zwar hatte er die Kandidatur von Patriarch Kirill unterstützt, sich aber später von ihm distanziert. Er wirft ihm vor, dass politische Themen Glaubensfragen in seinen Reden und Predigten verdrängen. Ende 2013 verlor Kurajev seine Professorenstelle an der Geistlichen Akademie in Moskau und wurde aus der Theologischen Synodalkommission ausgeschlossen, auch sein Lehrauftrag an der Moskauer Staatlichen Universität wurde nicht verlängert.