Russland: Interreligiöse Trauer über die Märtyrerinnen von Kizlyar

Interreligiöser Rat verurteilt die “menschenfeindliche Ideologie des Extremismus” – Appell an Staat und Gesellschaft, sich der moralischen Erziehung der Jugend zu widmen, um sie vor “importierten pseudoreligiösen Lehren” zu schützen

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Foto: © Аксянов (Quelle: Wikimedia, Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

Moskau-Makhatschkala, 21.02.18 (poi) Seine tiefe Betroffenheit über das Attentat auf Kirchgängerinnen in der nordkaukasischen Stadt Kizlyar hat der russische Interreligiöse Rat zum Ausdruck gebracht: “Wir rufen die ganze Gesellschaft zu Frieden, Eintracht und Solidarität auf. Die gemeinsame Trauer soll uns stärker machen”. Die Repräsentanten der großen Religionsgemeinschaften in der Russischen Föderation (Christen, Juden, Muslime, Buddhisten) verwiesen darauf, dass die Mordtat am Vergebungs-Sonntag – “an dem sich die orthodoxen Christen traditionell mit allen versöhnen wollen” – ausgeführt wurde. Dies mache die menschenfeindliche Ideologie des Extremismus deutlich, die “Diener des Satans” versuchten, ihr wahres Gesicht mit dem Namen Gottes zu maskieren. Das Ziel des jugendlichen Terroristen und seiner Hintermänner sei es offensichlich gewesen, interreligiösen Hass anzufachen und die jahrhundertealte Tradition friedlicher Koexistenz zwischen Christen und Muslimen in Russland zu zerstören.

Nach der Bluttat von Kizlyar müsse der Gefahr der Verbreitung von Extremismus und Intoleranz – vor allem unter der Jugend – besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden. In diesem Zusammenhang appellieren die Vertreter der Religionsgemeinschaften an den russischen Staat sowie an die öffentlichen und religiösen Institutionen, sich in besonderer Weise der moralischen Erziehung der Jugend zu widmen, um sie vor der Gefahr es Extremismus zu schützen. Kindern und Jugendlichen müsse der Unterschied zwischen den echten religiösen Traditionen und importierten pseudoreligiösen Lehren extremistischer Sekten deutlich gemacht werden.

Zugleich erinnern die Vertreter der Religionsgemeinschaften die Behörden, insbesondere den FSB, an die Pflicht, alles zu unternehmen, um Personen, die sich terroristischen Organisationen angeschlossen haben, zu entdecken und zu neutralisieren, bevor sie Verbrechen begehen können.

Begräbnis auf Kirchengrund

Mittlerweile hat sich herausgestellt, dass die Bluttat am Sonntag unter den Kirchgängerinnen fünf Todesopfer gefordert hat, eine der schwerverletzten Frauen ist im Spital gestorben. Das Begräbnis der fünf Opfer erfolgte bereits am Dienstag – und zwar auf dem Kirchengrund der Georgskirche in Kizlyar. Erzbischof Warlaam (Ponomarjow) von Makhatschkala hatte eine entsprechende Anordnung getroffen, weil die Frauen auf Kirchengrund als Märtyrerinnen gestorben seien.

Am Montag hatte der provisorische daghestanische Regierungschef Wladimir Wasiljew Kizlyar besucht und bei einer Begegnung mit der Stadtverwaltung betont, wie wichtig es sei, dass die ermordeten Frauen auf Kirchengrund bestattet werden. Wasiljew legte in Gegenwart von Erzbischof Warlaam ein Blumengebinde am Ort der Tragöde nieder.

Am Dienstag kamen rund 5.000 Menschen unterschiedlicher Ethnien aus ganz Nordkaukasien nach Kizlyar, um der Opfer zu gedenken. “Die Leute sind noch immer schockiert und kaum imstande, ihre Trauer und ihre Sorge in Worte zu fassen”, sagte der Rektor der Georgskirche, P. Pawel Kalikin. Am Ort des Geschehens befänden sich immer noch die Taschen von Irina Melkomowa, die als “Heldin von Kizlyar” verehrt wird. Die Frau hatte die Situation erfasst, als sie die Kirche verließ und versucht, dem Attentäter seine Waffe zu entreissen. Währenddessen hatten andere Gottesdienstbesucher Gelegenheit, Zuflucht in der Georgskirche zu suchen, deren Tore dann sofort geschlossen wurden. (forts mgl)