Russland: Katholiken bekommen Kirche zurück

Eigentumsrecht an St.-Peter-und-Paul-Kirche im russischen Weliki Nowgorod ging an Römisch-katholische Kirche über

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Foto: © Adam Olearius (Quelle: Wikimedia; Lizenz: public domain/ United States public domain)

Moskau, 22.03.21 (poi) Die St.-Peter-und-Paul-Kirche im russischen Weliki Nowgorod wurde dieser Tage an die Römisch-katholische Kirche zurückgegeben. Das hat die katholische Erzdiözese Moskau auf ihrer Website (cathmos.ru) mitgeteilt. Bereits vor 25 Jahren stellte die Erzdiözese ein entsprechendes Ansuchen an die russischen Behörden, nun wurde diesem entsprochen. Vor einigen Tagen feierte Weihbischof Nikolai Dubinin den ersten Gottesdienst in der nun in katholischem Eigentum befindlichen Kirche. Er teile die Freude über die Kirchenrückgabe mit der örtlichen katholischen Gemeinde, so der Bischof.

Die Kirche wurde von Katholiken aus Polen errichtet, die aus ihrer Heimat deportiert worden waren. Die Kirchweihe war 1893 erfolgt. Von den Sowjets wurde die Kirche 1933 geschlossen, sie diente fortan als Kino. Seit 1996 gab es Bemühungen von katholischer Seite, die Kirche wieder in den eigenen Besitz überführen zu können. Seither konnten die Räumlichkeiten auch teilweise bereits wieder für liturgische Zwecke genützt werden. 2009/10 wurden die beiden Türme renoviert.

Weliki Nowgorod, das bis 1999 nur Nowgorod hieß, liegt rund 160 Kilometer südsüdöstlich von Sankt Petersburg. Es hat auch eine lange katholische Tradition. Erste Berichte über katholische Kirchen (für Söldner aus dem Baltikum und Skandinavien sowie Kaufleute aus dem deutschen Raum) stammen aus dem 11. Jahrhundert.

Nowgorod wurde schon im 9. Jahrhundert die erste Hauptstadt der jungen Kiewer Rus. Vom 12. bis 15. Jahrhundert war Nowgorod Hauptstadt der Republik Nowgorod und bedeutender Mittler zwischen der Rus und dem Abendland, bevor es Teil des zentralisierten russischen Reichs wurde.

Die katholische Gemeinde in Nowgorod bestand bis ca. 1500 und wurde im 19. Jahrhundert wieder begründet. Unter kommunistischer Herrschaft hatte die kleine katholische Gemeinde schwer zu leiden, erst nach der politischen Wende konnte sie sich neu formieren.

Weliki Nowgorod gehört zur katholischen Erzdiözese der Mutter Gottes in Moskau. Diese wurde 1991 als Apostolische Administratur des Europäischen Russland gegründet und 2002 zum Erzbistum erhoben. Aktueller Erzbischof ist der Italiener Paolo Pezzi. Weihbischof Dubinin, der erste gebürtige Russe im Amt eines römisch-katholischen Bischofs seit 100 Jahren, ist für die nordwestlichen Regionen der Erzdiözese, darunter Sankt Petersburg, Kaliningrad (Königsberg) und Weliki Nowgorod zuständig.

KATHOLISCHE KIRCHE IN RUSSLAND
Die Römisch-katholische Kirche ist in Russland nur eine kleine Diasporakirche. Von den 142 Millionen Russinnen und Russen sind nach kirchenoffiziellen Angaben 800.000 katholisch, das entspricht etwas mehr als 0,5 Prozent der Bevölkerung.
Es gibt vier Diözesen mit teils enormen Ausdehnungen: Neben der Erzdiözese der Mutter Gottes in Moskau sind dies die Diözese St. Clemens in Saratow, die Diözese der Verklärung in Nowosibirsk (Westsibirien) und die Diözese Sankt Josef in Irkutsk (Ostsibirien). Letztere ist mit Abstand die flächengrößte römisch-katholische Diözese der Welt.